Kosten in dieser Größenordnung seien Heimbewohnern „nicht mehr zuzumuten“. So kommentiert Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen, am Dienstag eine Auswertung ihres Verbands. Es geht um die Eigenbeteiligung für einen Platz im Pflegeheim. Im vergangenen Jahr stiegen die Kosten auf 3108 Euro. Das ist der Betrag, den Pflegebedürftige und ihre Angehörigen im ersten Aufenthaltsjahr durchschnittlich für einen Platz im Pflegeheim aufbringen müssen - und das jeden Monat. Im Jahr zuvor lag die Zahl noch bei 2871 Euro.
Auch Entlastungen durch die Bundesregierung konnten die explodierenden Kosten bisher kaum dämpfen. „Allein in den letzten fünf Jahren ist der Betrag, den pflegebedürftige Menschen für die Pflege im Heim aus der eigenen Tasche zahlen müssen, um 50 Prozent auf über 3000 Euro gestiegen“, sagt Isabell Halletz, Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Pflege, unserer Redaktion. „Mit Blick auf die durchschnittliche Rente von knapp 1200 Euro ist das für viele nicht mehr zu stemmen.“
Wie viel ein Pflegeplatz kostet, hängt auch vom Wohnort ab
Das weiß auch die Bundesregierung. In einer gemeinsamen Kommission mit den Bundesländern bereitet das Gesundheitsministerium eine Pflegereform vor. Der Druck steigt, dabei auch Entlastungen beim Eigenanteil auf den Weg zu bringen.
Das Problem: Gegen den größten Kostentreiber kann die Bundesregierung nur wenig ausrichten. Die Gesellschaft altert und damit steigt der Anteil der Pflegebedürftigen. In den kommenden Jahren wird sich die Situation weiter verschärfen. Dazu kamen zuletzt gestiegene Ausgaben für Personal, für Verpflegung und für Unterbringung.
Die Kosten für die Pflegebedürftigen variieren jedoch stark. Eine große Rolle spielt der Wohnort. Am teuersten sind die Beiträge in Bremen und Baden-Württemberg mit jeweils mehr als 3400 Euro. Dabei sind die 15 Prozent, mit denen der Staat Betroffene im ersten Jahr unterstützt, bereits eingerechnet. Hessen und Bayern liegen mit etwa 3000 Euro im Mittelfeld. Am wenigsten zahlt man in Sachsen-Anhalt mit etwa 2600 Euro.
Auch der Pflegegrad und die Dauer des Aufenthalts fallen ins Gewicht. Wer länger auf einen Platz angewiesen ist, bekommt höhere Zuschüsse durch den Staat. Ab dem vierten Jahr beispielsweise liegen die bei 75 Prozent. Auch dafür ist viel Geld nötig. Der Bundesrechnungshof erwartet Kosten von 7,3 Milliarden Euro allein in diesem Jahr.
Den Pflegeverbänden gehen die staatlichen Entlastungen trotzdem nicht weit genug. „Eine Entlastung von bis zu 600 Euro wäre sofort machbar“, sagt Isabell Halletz, „wenn die Länder und Kommunen wie gesetzlich vorgesehen endlich die Investitionskosten zum Ausbau und Erhalt der pflegerischen Infrastruktur übernehmen, anstatt sie auf die Pflegebedürftigen abzuwälzen.“ Konkret bezieht sie sich dabei auf die Investitionskosten für die Instandhaltung der Gebäude und der Ausrüstung sowie die Ausbildungskosten.
Bundesregierung zu Pflegekosten: „Es gibt genügend Stellschrauben, die wir nutzen können“
Dabei ist der Eigenanteil nicht das einzige Problem, das die Kommission angehen muss. Wegen der zunehmenden Kosten drohen im kommenden Jahr erneut Beitragsanhebungen zur gesetzlichen Pflegeversicherung. „Ohne eine grundlegende Reform der Finanzierungs- und Leistungsarchitektur droht bereits in wenigen Monaten ein Kollaps“, sagt der Vorsitzende der DAK und ehemalige Staatssekretär Andreas Storm (CDU) unserer Redaktion. „Bereits 2029 beträgt das Defizit voraussichtlich mehr als zwölf Milliarden Euro.“
Wie diese Reform aussehen soll, dafür gibt es verschiedene Vorschläge. „Neben einem festen Steueranteil braucht es endlich eine Pflegevollversicherung, in die alle Bürgerinnen und Bürger einzahlen und die im Gegenzug Sicherheit für alle bietet,“ sagt etwa Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, unserer Redaktion. Piel spricht sich auch für einen Deckel beim Eigenanteil aus. Unterstützung für den Vorschlag kommt von den Linken. Die Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Pflege setzt andere Schwerpunkte: „Langfristig lässt sich der Kostenanstieg nur bremsen, wenn Pflegeeinrichtungen wirtschaftlich arbeiten und Effizienzen heben können.“ Dafür müssten bürokratische Hürden abgebaut werden. „Die Unternehmen brauchen die Garantie, verlässlich und zeitnah für ihre Leistungen vergütet zu werden“, sagt sie. „Die Bund-Länder-Kommission muss nun liefern.“
Bis eine Reform auf den Weg gebracht wird, dauert es aber noch. Bis zum Dezember will die Kommission erste Eckpunkte vorlegen. Im Frühjahr 2026 will man mit dem Gesetzgebungsverfahren beginnen. Katrin Staffler (CSU), Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, verspricht gegenüber unserer Redaktion eine „tiefgreifende Reform der Pflegeversicherung“. Dazu müssten alle beitragen. „Der Bund muss Gelder der Corona-Hilfen an die Pflegeversicherung zurückzahlen, die Länder müssen die Investitionskosten für den Erhalt und die Modernisierung der Pflegeheime übernehmen“, sagt Staffler. „Es gibt also genügend Stellschrauben, die wir nutzen können, damit die Eigenanteile nicht endlos in den Himmel wachsen.“
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