Hi, I am Jimmy, I am the host of the show. Hallo, ich bin Jimmy, der Moderator der Show. So beginnt Jimmy Kimmel seit mehr als 20 Jahren seine Sendung. Was folgt, ist eine bunte Mixtur: augenzwinkernde Anmerkungen zum Tagesgeschehen in den USA, bissige Polit-Satire, zwischendurch schlichter Schabernack und Musik. Natürlich auch Gespräche mit Promis, meist launig, selten tiefgründig. Die Präsidenten Barack Obama und Joe Biden schauten auch schon vorbei.
Eine Rezeptur, wie sie so ähnlich in den meisten amerikanischen Spät-Abends-Shows verwendet wird. Warum also wurde ausgerechnet Jimmy Kimmel zur Projektionsfläche für den Furor fanatischer Anhänger von Donald Trump? Warum wurde seine Show offenbar auf Druck aus dem Weißen Haus aus dem Programm genommen? Warum feiern seine Fans nun zumindest einen kleinen Sieg der Meinungsfreiheit, weil Kimmel doch wieder senden darf?
„Jimmy Kimmel live“ ist eine Art Familienunternehmen
Um zu verstehen, warum das Publikum sich so sehr mit dem Moderator verbunden fühlt, muss man wissen, dass “Jimmy Kimmel live” eine Art Familienunternehmen ist. Cousin Sal ist als Außenreporter unterwegs, Cousine Micki taucht auch ab und an auf. Ehefrau Molly arbeitet hinter den Kulissen als Autorin. Familienmitglieder müssen darüber hinaus immer wieder als Opfer von Streichen im Stil der „versteckten Kamera“ herhalten.
So gesteht Kimmel seinen beiden jüngeren Kindern (aus erster Ehe gibt es noch zwei erwachsene Kinder) einmal mit ernster Miene, er habe angeblich all ihre an Halloween gesammelten Süßigkeiten aufgegessen. Großes Drama. Seine Tante Chippy lockt er in ein Robotaxi. Die KI-gesteuerte Fahrt ohne Fahrer kommentiert die rüstig-rustikale Dame mit Flüchen und Verwünschungen am laufenden Meter. Auch sehr beliebt: der jährliche Wettbewerb, wer im eigens aufgestellten Pool den schönsten Bauchplatscher macht.
Kimmel ist durch Trump immer politischer geworden
So weit, so harmlos, doch Kimmel kann auch anders. Im Eröffnungs-Monolog seiner Show ist er schon in den Jahren der ersten Trump-Präsidentschaft immer politischer geworden. Er nimmt den Präsidenten auf die Schippe, entblößt den Potentaten in seiner Lächerlichkeit, aber auch Gefährlichkeit. Sehr zu dessen Verdruss. Trump reagiert so, wie er auf alle Gegner reagiert, verunglimpft Kimmel als “loser”, also als „Verlierer“. Dabei hat der 57-Jährige, der einst als Radiomoderator begann, schon viermal die Oscar-Verleihung und dreimal die Emmys moderiert. Nicht gerade die Karriere eines Verlierers.
Kimmel ist für den Präsidenten auch deshalb so gefährlicher, weil er nicht in dessen Ton verfällt. Er mag frech und angriffslustig sein, ein Zyniker ist er nicht. Im Gegenteil. Wenn er in der Show über die erfolgreiche Herz-OP seines kleinen Sohnes erzählt, stehen ihm Tränen in den Augen, schluckt das Studiopublikum. Als Anfang dieses Jahres feststand, dass Trump wieder ins Weiße Haus zurückkehren würde, war Kimmels emotionale Betroffenheit deutlich spürbar. Umso gespannter schauen die Amerikaner jetzt auf das unverhoffte Comeback.
Der Sender ABC und der dahinter stehende Disney-Konzern hatten am Montagabend überraschend entschieden, dass die Show doch wieder auf Sendung gehen darf. Noch vergangene Woche war sie „auf unbestimmte Zeit“ abgesetzt worden, nachdem Kimmel ausgesprochen hatte, was offensichtlich ist: Die Make-America-Great-Again-Bewegung nutzt die Ermordung von Charlie Kirk, um daraus Kapital zu schlagen.
Ob Jimmy, the host of the show, nun zahmer wird? Oder ob er noch einen draufsetzt? In Deutschland ist seine Sendung kurz nach der Erstausstrahlung auf Youtube zu sehen.
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