Friedrich Merz wird der neue Kanzler Deutschlands werden, doch die meisten Stimmen hinzugewinnen konnte bei der Bundestagswahl 2025 die AfD. Viele internationale Medien sind daher in Sorge über den Rechtsruck in Deutschland. In einem Punkt sind sich viele Kommentatoren einig: Friedrich Merz muss schnell eine stabile Regierung formen. Nicht nur wegen der Migrationspolitik, sondern auch mit Blick auf US-Präsident Donald Trump und den russischen Angriffskrieg in der Ukraine.
So reagiert die internationale Presse auf die Bundestagswahl 2025
Australien: „Deutschlands pro-amerikanischster Politiker in seiner Geschichte wird die Regierung zu einem Zeitpunkt übernehmen, an dem er vor drei Herausforderungen steht: Die Einheit der Nation zu bewahren, Europas Verteidigung zu stärken und zu verhindern, dass das Bündnis mit den Vereinigten Staaten weiter zerbröckelt. Auf den ersten Blick ist jede dieser Aufgaben schon monumental. Alle drei zu bewältigen, scheint unmöglich.“ - Sydney Morning Herald
Dänemark: „Viel zu lange lag Deutschland im Dornröschenschlaf. Jetzt muss es aufwachen. Deutschland und ganz Europa stehen massiven Veränderungen gegenüber, die Mut, Handlung und politisches Geschick erfordern. Friedrich Merz war bislang nicht gerade für seine politische Flexibilität bekannt, aber jetzt ist es entscheidend, dass er dazu imstande ist, die notwendigen Kompromisse einzugehen.“ - Politiken
Großbritannien: „So schwierig die innenpolitische und wirtschaftliche Lage Deutschlands selbst auch sein mag, viele der drängendsten Herausforderungen, vor denen Merz steht, dürften aus dem Ausland kommen. Der Mann, der einst Beifall für die Behauptung bekam, er könne das Leben von Millionen von Menschen verbessern, indem er die Steuerregeln so weit vereinfacht, dass sie auf einen Bierdeckel passen, ist heute mit einer weitaus komplexeren Realität konfrontiert.“ - The Guardian
Niederlande: „Ebenso wie die Regierung in Den Haag will der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz in der Migrationsfrage eine harte Linie fahren. Natürlich hängt alles davon ab, ob die künftige Regierungskoalition in Berlin stabil ist. Für eine parlamentarische Mehrheit wird sich Merz mit ziemlicher Sicherheit nach links orientieren, aber zugleich wird er beim Thema Migration in den kommenden Jahren den heißen Atem der erheblich gestärkten rechtsextremistischen AfD im Nacken spüren. Mit anderen Worten: Der neue Bundeskanzler kann sich keine politische Schwäche erlauben.“ - De Telegraaf
Norwegen: „Es war eine Wahl, die in die Geschichtsbücher eingehen wird: die beste Wahl für die AfD. Die politische Mitte ist in der Lage, mit der Bedrohung durch die extreme Rechte umzugehen. Die liberale Demokratie ist in Deutschland stark. Doch der Zuwachs der AfD ist ein Gefahrensignal. Sie nutzen Unzufriedenheit und Misstrauen effektiv aus. Wenn Merz nicht liefert, kann die AfD bei der nächsten Wahl noch stärker werden.“ - Verdens Gang
Österreich: „Die deutsche Bundestagswahl zeigt Europa, dass die Zukunft des Kontinents keinesfalls rechtsextrem ist. Deutschland muss nicht in Alternativen denken. Zwar ist die AfD exakt so stark wie befürchtet, doch der blaue Balken schwoll am Wahlabend auch nicht über das Niveau der Erwartung an. Dass Alice Weidel eine Verdopplung in den vergangenen vier Jahren gelungen ist, spricht Bände: Die Migrationsfrage, die im deutschen Parteiendiskurs traditionell am liebsten ausgeklammert wurde, spielt ihr in die Hände.“ - Der Standard
Polen: „Friedrich Merz hat die Bundestagswahl gewonnen. Doch im Land riecht es nach Weimar. Die Weimarer Republik war eine Zeit der endlosen Krisen. Das Ergebnis der Bundestagswahl gibt keinen Anlass zu Optimismus. Vor allem das hohe Ergebnis von fast 20 Prozent für die rechtsextreme AfD. Die Partei wurde mit Nachdruck und bis zur Wahl vom amerikanischen Milliardär Elon Musk unterstützt, der behauptete, nur sie könne Deutschland retten.“ - Gazeta Wyborcza
Portugal: „Die Regierung, die aus der gestrigen Wahl in Deutschland hervorgehen wird, steht vor einer Aufgabe von enormer historischer Bedeutung. Der zukünftige Kanzler, Friedrich Merz, ein sehr erfahrener Politiker, wird sich der tiefen Wirtschaftskrise stellen müssen, die das Land durchlebt. Und das in einem äußerst ungünstigen internationalen Kontext, der geprägt ist von der Wahl von (US-Präsident Donald) Trump und dem Druck der US-Regierung, Russland im Ukraine-Konflikt einen politischen und territorialen Sieg zu ermöglichen.“ - Correio da Manhã
Schweiz: „Wäre die AfD eine normale Partei, könnte der konservative Merz mit ihr jetzt eine Regierung bilden. Doch Merz hält die AfD nicht nur für rechtsradikal, ausländerfeindlich und antisemitisch, sondern auch für umstürzlerisch, nach innen wie nach außen. Friedrich Merz bevorzugter Regierungspartner wäre die SPD. Ob sie seine Asylpolitik mitträgt, ist unklar. Es wird für ihn also schwierig, eine Koalition zu bilden. Scheitert er, könnte sein Traum von der Kanzlerschaft doch noch platzen.“- Tages-Anzeiger
Spanien: „Die Ergebnisse der in Deutschland abgehaltenen Bundestagswahl bestätigen, dass das Land nach rechts rückt. Deutschland braucht eine stabile Regierung, die Lösungen bietet für Herausforderungen wie Einwanderung, Sicherheit, Wohnraummangel, die zunehmende Polarisierung, die Suche nach Alternativen zu einem überholten Wirtschafts- und Industrie-Modell, das zwei Jahre Rezession verursacht hat, sowie auch für die neuen geopolitischen Herausforderungen, die durch (den neuen US-Präsidenten Donald) Trump aufgeworfen werden. Wenn die zukünftige Regierung in Berlin nicht stabil und stark ist und diese Probleme nicht löst, könnte der Rechtsruck eines Teils der Wählerschaft sich verstärken - und die AfD 2029 zur meistgewählten Partei in Deutschland werden.“ - La Vanguardia
USA: Um zu regieren, wird Merz eine Koalition mit mindestens einem der Wahlverlierer bilden müssen. Ein Partner könnten die Sozialdemokraten (SPD) des scheidenden Kanzlers Olaf Scholz sein. Unwahrscheinlicher und weniger wünschenswert wäre eine Koalition mit den Grünen. Es könnte eine Herausforderung sein, eine der beiden linken Parteien davon zu überzeugen, die von den Wählern geforderten Wirtschafts- und Migrationsreformen mitzutragen. Solche störrischen Koalitionen sind notwendig, weil keine etablierte Partei bereit ist, mit der AfD zu koalieren. Trotz allem, was Sie von Elon Musk und J. D. Vance gehört haben, ist die AfD eine antiamerikanische, prorussische Partei. Etwa 80 Prozent der deutschen Wähler, einschließlich der 29 Prozent, die sich für Merz entschieden haben, unterstützen die AfD nicht. Der proamerikanische Merz könnte die Unterstützung der USA gebrauchen, keine Zollflut. - Wall Street Journal
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