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Rachide Dati will Bürgermeisterin von Paris werden:

Paris

Charismatisch, ambitioniert, streitbar: Rachide Dati will Paris erobern

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    Rachida Dati hat als Politikerin hohe Ambitionen – und nach Ansicht ihrer Kritiker nur wenig Skrupel.
    Rachida Dati hat als Politikerin hohe Ambitionen – und nach Ansicht ihrer Kritiker nur wenig Skrupel. Foto: Jean-Francois Monier, AFP/dpa

    Rachida Dati hatte schon viele Missionen, in den vergangenen Wochen kam eine neue dazu: Sie entdeckte die Abgründe von Paris, die verborgenen Seiten der Stadt. Mal streifte die Politikerin frühmorgens eine gelb-grüne Montur über und begleitete die Müllabfuhr. „Mit mir wird die Stadt wieder sauber und ruhig“, sagte sie in eine Kamera. Ein anderes Mal suchte sie Obdachlose unter Brücken auf. „Sie arbeiten in einer Kinderkrippe und schlafen in einem Zelt?“, fragte Dati fassungslos eine Frau, die sich unter einer riesigen Winterjacke verbarg. Sie und alle Umstehenden sollten ihren Mitarbeitern ihre Kontaktdaten geben, bestimmte Dati. Da lasse sich doch eine Lösung finden. Die Szene stellte sie ebenfalls online.

    Zupackend, menschlich, unkonventionell – das ist das Bild, das die 60-Jährige von sich vermitteln will. Zum dritten Mal tritt die Konservative bei den anstehenden Kommunalwahlen an, um Pariser Bürgermeisterin zu werden. Bei der letzten Wahl 2020 unterlag sie der Sozialistin Anne Hidalgo, die nicht mehr kandidiert. In Umfragen liegt Dati derzeit knapp hinter dem diskret auftretenden sozialistischen Bewerber Emmanuel Grégoire.

    Dati war zuletzt Kulturministerin

    Paris wählt seit 25 Jahren links, doch die Konservative bleibt chancenreich. Ob es für sie reicht, hängt stark davon ab, wie der Kandidat der Regierungspartei Renaissance, Pierre-Yves Bournazel, und die Ultrarechte Sarah Knafo abschneiden. Alle Bewerber, die in der ersten Runde an diesem Sonntag mehr als zehn Prozent der Stimmen erhalten, ziehen in die zweite am 22. März ein.

    Um ihre Chancen zu steigern, war sie bis vor Kurzem auch Kulturministerin – Präsident Emmanuel Macron holte sie in die Regierung, um diese mit einem prominenten Gesicht zu schmücken, Dati selbst erhoffte sich von dem Posten noch mehr öffentliche Wahrnehmung.

    Im Stadtrat tritt sie seit Jahren als ärgste Gegenspielerin von Bürgermeisterin Hidalgo auf, kritisierte die Verkehrsberuhigung und den Ausbau von Radwegen. Vergleichsweise schleppend geht dieser im schicken siebten Arrondissement voran, dessen Stadteilbürgermeisterin Dati seit 2008 ist. Dort gibt es auch besonders wenige Sozialwohnungen. Kritiker bezeichnen ihre Wahlkampfvideos im Gespräch mit Obdachlosen deshalb als zynisch.

    Ihr Hang zum Luxus ist legendär

    Sie gehört zu den schillerndsten, aber auch umstrittensten Persönlichkeiten der französischen Politik – verhasst von den einen wegen ihrer harschen Art gegenüber politischen Gegnern, dem Hang zum Luxus. Verehrt von den anderen aufgrund ihrer Energie und ihrer Aufstiegsgeschichte.

    Die Tochter eines marokkanischen Maurers und einer algerischen Hausfrau wuchs mit zehn Geschwistern im Städtchen Chalon-sur-Saône im Burgund auf. Noch während ihres Jura-Studiums suchte Dati hartnäckig die Nähe mehrerer Spitzenpolitiker, darunter Nicolas Sarkozy, der sie nach seiner Wahl zum Präsidenten 2007 zur Justizministerin machte. Als erste Frau mit Migrationshintergrund in diesem Amt galt Dati als Symbol für gelungene Integration und setzte sich für harte Reformen im Strafvollzug ein.

    Ihr mondäner Kleidungsstil und dass sie nur fünf Tage nach der Geburt ihrer Tochter strahlend zurück in ihrem Ministerium erschien, machte sie zum Liebling der Boulevardpresse. Nach öffentlichem Rätselraten, von wem das Kind sei, verpflichtete ein Gericht 2012 den Geschäftsmann Dominique Desseigne zu hohen Unterhaltszahlungen.

    Wofür sie ihre Honorare erhielt, ist unklar

    Ab 2009 war Dati EU-Parlamentarierin und blamierte sich, als sie einer Freundin am Telefon sagte, sie „langweile sich dort zu Tode“ – und dabei noch das Mikrofon eines Fernsehsenders trug, der die Aufnahme veröffentlichte. Deutlich schwerer wiegen allerdings die Korruptionsvorwürfe gegen sie.

    Im September steht ein Prozess an, weil die Politikerin zwischen 2010 und 2012 Honorarzahlungen in Höhe von insgesamt 900.000 Euro von einer Filiale von Renault-Nissan erhielt – dies kam durch die Entlassung und spektakuläre Flucht des früheren Konzernchefs Carlos Ghosn ans Licht.

    Vorgeworfen wird ihr auch illegale Lobby-Arbeit als Abgeordnete im EU-Parlament. Sie sprach sich dort mehrmals im Sinne der Gas-Industrie aus, während zwei Überweisungen in Höhe von jeweils 149.500 Euro des französischen Energiekonzerns GDF Suez (heute Engie) entdeckt wurden, welche sie über ihre Anwaltskanzlei erhielt. Sie gab sie nicht an und leugnet sie weiter.

    Als der Journalist Patrick Cohen Dati vor wenigen Monaten in einer Fernsehsendung auf ihre Justizprobleme ansprach, bestritt sie jegliches Fehlverhalten. Stattdessen erwiderte sie, sie wolle Mobbing-Vorwürfen gegen ihn nachgehen – die damalige Kulturministerin drohte einem Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, welcher ihr unterstand. Ihren Kritikern lieferte sie damit ein weiteres Argument für ihre berüchtigte Skrupellosigkeit.

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