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Nigel Farage verliert plötzlich in den Umfragen - das sind die Gründe

Großbritannien

Warum der britische Rechtspopulist Nigel Farage plötzlich strauchelt

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    Nigel Farage gibt seit vielen Jahren den politischen Rebellen auf der Insel - in wechselnden Parteien.
    Nigel Farage gibt seit vielen Jahren den politischen Rebellen auf der Insel - in wechselnden Parteien. Foto: Alastair Grant, dpa

    Nigel Farage wollte eigentlich Nähe zeigen. Geplant war ein klassischer Wahlkampfauftritt des „Reform UK“-Vorsitzenden vor den Kommunalwahlen Anfang Mai. Deshalb brach er am Anfang der Woche zu einem Spaziergang durch Felixstowe auf, einer Kleinstadt an der Ostküste Englands. Gespräche mit Bürgern waren vorgesehen. Doch es kam anders. Protestierende versammelten sich, hielten Schilder hoch. Darauf stand unter anderem: „Nigel Farage würde für Geld alles sagen.“ Die Situation war angespannt. Schließlich brach der 61-Jährige den Termin ab. „Aus Sicherheitsgründen“, hieß es später.

    Bis zu den nächsten nationalen Wahlen ist der Weg noch weit

    Die Szene ist symptomatisch. Noch vor wenigen Monaten lag Reform UK bei über 30 Prozent in den Umfragen und ließ den rechtsextremen Nigel Farage, der einst mit UKIP und später mit seiner Brexit-Partei den EU-Austritt Großbritanniens politisch vorantrieb, zeitweise als potenziellen Anwärter auf das Amt des Premierministers erscheinen. Doch die nächsten nationalen Wahlen finden wohl erst im Sommer 2029 statt. Und der Rückhalt für die britischen Rechtspopulisten beginnt schon wieder zu bröckeln. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage ist seine Partei inzwischen auf rund 23 Prozent zurückgefallen.

    Den Politikwissenschaftler Paul Whiteley von der University of Essex überrascht das nicht. „Reform steht inzwischen unter deutlich stärkerer öffentlicher Beobachtung als noch in der Vergangenheit“, erklärt der Experte. Entscheidungen wie Steuererhöhungen in Kommunen, die von der Partei geführt werden, oder umstrittene Großspenden schadeten dem Image einer politischen Kraft, die sich als Stimme der arbeitenden Bevölkerung inszeniere. Und: Auf lokaler Ebene würden Entscheidungen getroffen, die nicht immer der Linie der Parteiführung folgen, erklärt Sam Freedman von der Denkfabrik Institute for Government. Für Farage werde es immer schwieriger, die Kontrolle zu behalten. „Die Disziplin bröckelt.”

    Parallel dazu verändere sich die Partei selbst. Mit wachsender Größe entstünden neue Machtzentren, so Freedman. Ehemalige konservative Politiker, die angesichts der anhaltenden Krise der Tories zuletzt reihenweise zu Reform überliefen, bringen eigene Vorstellungen ein.

    Im Iran-Krieg steht Farage nicht auf der Seite der Mehrheit

    Überdies steht Reform UK im Vereinigten Königreich mit ihrer Haltung zur Unterstützung des Kurses von US-Präsident Donald Trump im Iran-Konflikt derzeit isoliert da. „Nur etwa 28 Prozent der Briten unterstützen diesen Krieg, während 49 Prozent ihn ablehnen“, so Whiteley. Reform könne damit „auf der falschen Seite der öffentlichen Meinung“ stehen

    In diese Phase fällt ein Skandal, der Farage zusätzlich belastet. Im Zentrum stehen Videos, die er über die Plattform Cameo gegen Bezahlung aufgenommen hat, einen Online-Dienst, auf dem Prominente personalisierte Grußbotschaften für Kunden erstellen. Darin nutzte er Variationen des Slogans „Im Zweifel, schmeiße sie raus!“, der für eine besonders harte Abschiebepolitik steht. In weiteren Clips greift er zudem Motive auf, die aus antisemitischen Verschwörungsnarrativen bekannt sind, etwa wenn er über Theorien zu geheimen Eliten wie den „Rothschilds“ oder „George Soros“ spricht, die angeblich die Welt lenken würden.

    Der Parteichef irritiert mit Verschwörungsnarrativen

    Der Kriminologin Ashton Kingdon von der University of Southampton zufolge bedient Farage damit bewusst Codes, die in der rechtsextremen Szene verstanden werden. Er selbst erklärte, er habe die Videos auf Grundlage der Kundenangaben aufgenommen und den späteren Kontext nicht gekannt. Doch der Eindruck bleibt: Seine Positionen werden radikaler. So fordert die Partei inzwischen beispielsweise den Aufbau einer speziellen Abschiebebehörde nach US-Vorbild, die Migranten gezielt aufspüren, festnehmen und schneller abschieben soll.

    Doch warum schlägt Farage einen härteren Kurs ein, obwohl die Wählerschaft von Reform UK inzwischen deutlich heterogener ist als früher? Sam Freedman begründet dies mit einem strukturellen Dilemma. Die Partei könne sich nicht mäßigen, ohne ihre Glaubwürdigkeit an der eigenen Basis zu verlieren. Zugleich entstehe durch die offen radikal auftretende Partei „Restore Britain“ neue Konkurrenz, die Reform weiter nach rechts ziehe: „Nachdem er die politische Brandmauer in Großbritannien erfolgreich eingerissen hat, fällt es ihm nun schwer, eine neue zu errichten.“

    In anderen Worten: Während Farage mit harten Botschaften seine Kernanhänger erreicht, schreckt er damit jedoch derzeit jene ab, die Reform als Alternative zu den etablierten Parteien sehen – insbesondere frühere Wähler der Konservativen. Gerade sie entscheiden jedoch darüber, ob die Protestpartei tatsächlich langfristig eine Mehrheitsoption hat.

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