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Warum der britische Premier Keir Starmer um seinen Job zittert

Großbritannien

Endspiel für den britischen Premier Keir Starmer

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    Der britische Premierminister Keir Starmer verlässt die Downing Street 10. Bald für immer?
    Der britische Premierminister Keir Starmer verlässt die Downing Street 10. Bald für immer? Foto: James Manning, dpa

    Wie eine unfreiwillige Metapher für die heftigen Turbulenzen, in die Großbritanniens Regierung geraten ist, stand am Montag aus unbekannten Gründen ein Flugsimulator vor der Downing Street Nummer 10. Während Premierminister Keir Starmer hinter der berühmten, schwarz gestrichenen Tür versuchte, auf sein Kabinett einzuwirken, brandete draußen ein heftiger Sturm der Entrüstung gegen den Labour-Regierungschef auf, zusätzlich angefacht von den britischen Medien. Für ein paar Stunden schien es, als würde Starmer den Tag politisch nicht überleben. Doch dann wendete sich das Blatt – zumindest vorerst.

    Starmers wichtigster Mann tritt zurück. Reicht das?

    An den Rand des Abgrunds geführt hatte den Premier die Ernennung von Peter Mandelson zum US-Botschafter im Dezember 2024, obwohl zuvor neue Details zu dessen Nähe zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt geworden waren. Als Konsequenz trat am Sonntag zunächst Morgan McSweeney zurück – jener enge Vertraute des Premierministers, der ihm einst zur Ernennung Mandelsons geraten hatte. McSweeney galt als Architekt der Wahlkampfstrategie, die Labour im Sommer 2024 den Sieg brachte. Für den Regierungsalltag jedoch, so der Tenor in Westminster, fand er keine überzeugende Linie mehr.

    Der Rücktritt des Stabschefs sollte den Premier offenbar aus der Schusslinie bringen, doch er nahm den Kritikern nicht den Wind aus den Segeln. Forderten zunächst nur die Opposition und Hinterbänkler aus der eigenen Partei Starmers Rücktritt, stellte sich in einer dramatischen Wendung am Montagnachmittag überraschend auch der schottische Labour-Vorsitzende Anas Sarwar öffentlich gegen den Premier. Spätestens in diesem Moment war klar: Starmers Autorität wird offen infrage gestellt.

    Noch stellen sich die Minister hinter den Premier

    Am Nachmittag dann jedoch eine erneute Wendung: Mitglieder des Kabinetts sagten dem Premier ihre Unterstützung zu. Der Umsturz blieb aus. Am Abend traf Starmer die Fraktion im Unterhaus. Er sei nicht bereit, wegzulaufen, soll der Regierungschef gesagt haben. Nach einem Kabinettstreffen am Dienstagmorgen dankte er seinen Ministern für die Unterstützung und erklärte, die Regierung sei stark und geschlossen. Dass die Geschichte damit erledigt ist, glaubt allerdings kaum jemand. Die britische Tageszeitung The i Paper titelte: „Starmer bleibt dank der Gnade des Kabinetts im Amt – doch das Endspiel hat begonnen.“ 

    Dass Labour an ihm festhält, liegt nicht zwingend an seiner Überzeugungskraft. Innerhalb der Partei zeichnet sich derzeit keine unmittelbare Nachfolgeoption ab. Zwar wird Gesundheitsminister Wes Streeting als möglicher Kandidat gehandelt, doch gilt er aufgrund seiner eigenen Nähe zu Peter Mandelson als problematischer Anwärter. Auch die übrigen Namen bieten keine klare Alternative. Die politischen Aussichten der früheren Vizepremierministerin Angela Rayner werden durch ein noch laufendes Verfahren wegen nicht gezahlter Grundsteuern belastet. Andy Burnham, Bürgermeister von Greater Manchester, verfügt zwar über erhebliche Popularität, gehört dem Unterhaus jedoch nicht an und kann somit aktuell nicht Premier werden.

    Die britische Regierung steht in Umfragen schlecht da

    Die Mandelson-Affäre traf Starmer in einer Phase, in der seine politische Autorität bereits deutlich angekratzt war. Umfragen belegte einen schwindenden Rückhalt in der Bevölkerung: Nach Erhebungen von YouGov bewerteten zuletzt nur noch rund 19 Prozent der Briten den Premier positiv, während 71 Prozent eine negative Meinung äußerten. Als Ursachen gelten weniger einzelne Fehlentscheidungen als ein insgesamt unsteter Regierungskurs, geprägt von einer Kommunikation, die selbst wohlmeinenden Beobachtern als unklar erscheint.

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