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Rezepte gegen Antisemitismus: Gehen Sie doch einmal in eine Synagoge.

Antisemitismus

„Gehen Sie doch einmal in eine Synagoge“

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    Die Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland, Talya Lador-Fresher, in ihrem Münchner Büro.
    Die Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland, Talya Lador-Fresher, in ihrem Münchner Büro. Foto: Israelisches Generalkonsulat

    Man muss keine Jüdin sein, um ein Opfer von Judenhass zu werden. Bei Trixi Obermaier genügte ein Aufkleber mit den Worten „Antisemitismus – ohne mich“ in der Auslage ihres Modegeschäfts in München. Sie wurde bedroht und ihr Schaufenster mit der Parole „Zionisten sind Faschisten“ beschmiert. Nun ermittelt der Staatsschutz.

    Man muss auch kein Jude in Deutschland sein, um mit dem deutschen Antisemitismus konfrontiert zu werden. Ein Hotel im Bayerischen Wald schrieb einem Interessenten aus Israel, der sich nach einem Urlaubsquartier erkundigt hatte, zurück: „Entschuldigung, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.“ Auch das könnte justiziabel sein.

    Als israelische Generalkonsulin in München verfolgt Talya Lador-Fresher mit Sorge, wie die Zahl antisemitischer Vorfälle kontinuierlich steigt. Mehr als 1500 waren es in Bayern im vergangenen Jahr - so viele wie noch nie, und dabei sei die Lage hier bei weitem nicht so angespannt wie etwa in Berlin, sagt sie. Allerdings läuft auch eine Spitzendiplomatin gegen Wände, wenn sie beispielsweise versucht, in München ein jüdisches Filmfest zu organisieren. Schon ausgebucht, organisatorische Probleme, ein Zuschussgeschäft: An welches Kino sich ihre Mitarbeiter auch wenden - es hagelt Absagen. Am Ende stoppt sie die Pläne für das Festival. „Leider spüren wir, dass es vor allem aus der Kulturbranche Gegenwind gibt.“

    Projekt New Kibbuz: Schnuppersemester für deutsche Studenten

    Tayla Lador-Fresher, 1962 in Petach Tikwa bei Tel Aviv geboren, war Botschafterin in Wien und hat ihr Land auch schon in London, New York und Paris vertreten. In Deutschland bemüht sie sich vor allem um die Jungen, die Urenkel der Tätergeneration, wenn man so will: „Das ist meine Mission.“ Antisemitismus sei kein israelisches und kein jüdisches Problem, „Er ist eine Gefahr für die deutsche Demokratie.“ Sie besucht Schulen in ganz Süddeutschland, vermittelt mit dem Projekt „New Kibbuz“ Studenten an israelische Start-ups und wartet darauf, dass nach der Pandemie und dem Gaza-Krieg endlich der Schüleraustausch zwischen Israel und Deutschland in Schwung kommt. Das aber, da ist sie Realistin, wird noch dauern.

    Wenn sie selbst in eine Klasse komme, sagt sie, wisse sie nie genau, was sie erwarte. So wie an einer Berufsschule in Stuttgart mit einem hohen Anteil an muslimischen Schülern. Am Ende aber „war es eines meiner besten Gespräche. Ich habe sie zum Nachdenken gebracht.“ Ganz anders als, zum Beispiel, bei einem ähnlichen Termin an einer Münchner Privatschule. Dort verfing ihr Credo nicht: „Israel hat alle Probleme dieser Welt, alle Herausforderungen dieser Welt, aber auch alle Kreativität dieser Welt.“ Kein anderes Land bringt, auf die Einwohnerzahl umgerechnet, mehr junge, innovative Unternehmen hervor.

    Anschlag auf Konsulat: „Wir hatten alle viel Glück“

    Im Kampf gegen den Antisemitismus, sagt Israels Statthalterin in München, habe sie in der bayerischen Politik viele Verbündete. Häufig aber werde sie nach Angriffen wie dem auf die Boutique von Trixi Obermaier oder dem Brandanschlag auf das israelische Restaurant „Eclipse“ in München auch von ganz normalen Menschen gefragt, was sie denn tun könnten. Denen entgegnet sie dann, dass schon kleine Gesten viel bewirken: „Gehen Sie doch einmal in eine Synagoge.“

    Gerade die breite Mitte in Deutschland, findet Tayla Lador-Fresher, müsse sich gegen den Antisemitismus wappnen, der in Bayern weniger von rechts komme, sondern vor allem von links und aus dem islamistischen Milieu. „Diese Leute wollen uns einschüchtern“, sagt sie und erinnert an das Attentat auf ihr Konsulat, bei dem im September 2024 ein junger Österreicher bosnischer Herkunft wild um sich feuerte und dann bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben kam: „Wir hatten alle großes Glück.“

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