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So könnte Friedrich Merz den Termin im Oval Office überstehen

Besuch im Weißen Haus

So könnte Friedrich Merz den Termin im Oval Office überstehen

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    Der Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (links) bei Donald Trump im Oval Office endete in einem Fiasko.
    Der Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (links) bei Donald Trump im Oval Office endete in einem Fiasko. Foto: Mystyslav Chernov, dpa

    Früher war der Ablauf klar: Ein Handschlag an der Tür, dann ein kurzer Fototermin im Oval Office und Gespräche hinter verschlossenen Türen – und schließlich zum Abschluss eine gemeinsame Pressekonferenz. Doch wenn Bundeskanzler Friedrich Merz an diesem Donnerstag zum Antrittsbesuch im Weißen Haus eintrifft, gelten neue Regeln. In Donald Trumps zweiter Amtszeit ist die „Begrüßung“ ausländischer Gäste im Oval Office der zentrale Medientermin, der live übertragen wird. Der ehemalige Reality-TV-Star inszeniert die Zusammenkunft wie eine Dschungelcamp-Prüfung, bei der er sich in Szene setzen kann. Die Gäste gehen ein hohes Risiko ein: Wer das Falsche sagt, ist raus – wie im Februar der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

    Schon der erste Eindruck ist wichtig. „Er hat sich heute richtig schick gemacht“, höhnte Trump, als Selenskyj vor dem Westflügel des Weißen Hauses mit Cargohose und dunklem Pullover aus seiner Limousine kletterte. Bei Merz dürfte ihm spontan dessen Körpergröße auffallen: Der Deutsche ist rund sechs Zentimeter größer. Verbrüderungsgesten, wie sie Macron zelebrierte, wären für den Deutschen fehl am Platz. Eher könnte er sich an den freundlichen, aber nicht übertriebenen Begrüßungen des britischen Premierministers Keir Starmer und dessen kanadischen Kollegen Mark Carney orientieren.

    Donald Trump hat das Oval Office umdekorieren lassen

    Drinnen im Oval Office erwartet den Sauerländer dann ein Kulturschock: goldene Türknöpfe, goldener Stuck, goldene Bilderrahmen und goldene Vasen auf dem Kaminsims. Trump hat das Oval Office zu einem neureichen Pseudo-Versailles mit Rokoko-Nippes umdekorieren lassen. Vor dem Kamin stehen zwei Sessel, auf denen der Präsident und sein Gast sitzen. Von Merz aus gesehen links dürften auf einem Sofa Vizepräsident J.D. Vance und Außenminister Marco Rubio auf ihren Einsatz lauern. 

    Zunächst sagt Trump ein paar Sätze. Dann kommt der Aufschlag des Gastes. Für Merz ist das ein Drahtseilakt: Trump erwartet Schmeicheleien. Die Zuschauer in Deutschland dürften dafür wenig Verständnis haben. Allerdings könnte Merz auf die inzwischen härtere deutsche Einwanderungspolitik und die beabsichtigte Erhöhung der Verteidigungsausgaben hinweisen. Als Themen für Small Talk bieten sich das gemeinsame Faible fürs Golfspielen und die Faszination für das Fliegen an, wenngleich Merz‘ private Propellermaschine den Präsidenten, der sich von Katar gerade einen Luxusjet schenken ließ, kaum beeindrucken dürfte.

    Vielleicht hilft es, ein paar Worte auf Deutsch zu sagen

    Nach Eröffnung der Fragerunde besteht die größte Herausforderung für den Gast darin, im Schwall der Trump-Monologe zumindest ein paar eigene Pflöcke einzuschlagen. Macron meldete sich nach zehn und nach 20 Minuten jeweils per Handzeichen zu Wort. Beide Male sprach er anders als bei der Begrüßung Französisch. Auch die italienische Premierministerin Georgia Meloni antwortete einmal auf Italienisch. Das könnte eine geschickte Taktik sein: Die fremde Muttersprache nötigt Trump vorübergehend zum Zuhören.

    Gleichwohl müssen die Gäste jederzeit damit rechnen, vorgeführt oder gedemütigt zu werden. Das haben nicht nur Selenskyj und der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa erfahren, der durch eine plötzliche Videoeinspielung zum angeblichen Genozid an weißen Farmern überrascht wurde. Auch bei Starmer ergriff Vize Vance plötzlich das Wort und warf Großbritannien „Verstöße gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung“ vor. Angesichts der Sympathien der Trump-Regierung für die AfD, deren Einstufung als „gesichert rechtsextremistisch“ Außenminister Rubio als „verdeckte Diktatur“ bezeichnet hatte, muss der Kanzler auf ähnliche Attacken gefasst sein.

    Kanadas Premier hat vorgemacht, wie man bei Trump bestehen kann

    Nicht alles kann und sollte sich ein Gast im Oval Office bieten lassen. Er sollte nur eine offene Konfrontation vermeiden. Macron und Carney haben das vorgemacht. Als Trump zum wiederholten Male behauptete, die Europäer hätten der Ukraine viel weniger als die USA geholfen und überdies ihr Geld nur als Darlehen zur Verfügung gestellt, ergriff der französische Präsident den Arm des Amerikaners und sagte in freundlichem Ton: „Nein. Wir zahlen. Wir haben echtes Geld bereitgestellt.“

    Der kanadische Premierminister biss sich während Trumps Ausführungen minutenlang erkennbar regelrecht auf die Zunge. Als Trump dann fabulierte, Kanada zum 51. Bundesstaat zu machen, widersprach er höflich, aber bestimmt: „Wie Sie aus dem Immobiliengeschäft wissen, gibt es einige Plätze, die nicht zum Verkauf stehen“. Er habe im Wahlkampf „mit den Eigentümern von Kanada“ gesprochen und könne versichern: „Es steht niemals zum Verkauf.“ Trump wiegelte ab: Man solle niemals nie sagen. Aber „Canada is not for sale“ war die Schlagzeile des Tages.

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