Markus Söder geht es derzeit so, wie es Millionen von Bundesbürgern wenige Wochen nach Neujahr ergehen wird, wenn sie darum ringen, sich an ihre guten Vorsätze zu halten. Der Wille ist da, allein er zerbröselt unter den Anforderungen des Alltags - so wie bei dem Wahlkämpfer Söder schon jetzt. Er leidet an seinem Schmerz mit Friedrich Merz.
Söder hat Merz Unterstützung versprochen
Stein und Bein hat der Franke vor einem Vierteljahr geschworen, dass sich 2021 nicht wiederholen werde. Damals war die gelebte Rivalität Söders mit dem Spitzenkandidaten Armin Laschet einer der Gründe für die Wahlniederlage der Union. Diesmal wollte Söder mit aller Macht für CDU-Chef Friedrich Merz kämpfen, doch langsam wachsen in der Union die Zweifel, wie weit es mit der unverbrüchlichen politischen Männerfreundschaft tatsächlich her ist. In der Union geht das um, und das liegt nicht nur am überbordenden Selbstbewusstsein des Franken, der sich für den besseren Kandidaten hält, der nur aufgrund unglücklicher Umstände (hier: die Mitgliedschaft in der CSU) erneut nicht zum Zuge kommt.
Festzuhalten ist schon auch, dass der Kandidat Merz bislang nicht punktet. In den zwar weiter einen satten Vorsprung, legt aber nicht zu. Merz persönlich büßt sogar ein. Hinzu kommen ungeschickte Auftritte wie der bei einer in deren Folge der Kanzler-Kandidat in den sozialen Medien nun eine Geizkragen-Debatte am Hals hat. Was Söder aber seinem Kompagnon wirklich ankreidet, ist dessen Verhalten zu den Grünen. CDU-Chef Merz lässt sich die Hintertür für eine Koalition offen, sogar einen Wirtschaftsminister Robert Habeck konnte er sich in einem Fernseh-Interview vorstellen. Das ist aus Sicht des Vorsitzenden einer Partei, die in drei Ländern mit den Grünen koaliert, nachvollziehbar. Es ist zudem ehrlich, weil es ja durchaus sein kann, dass das Wahlergebnis Schwarze und Grüne zusammenspannt.
Warum Söder die Koalition mit den Grünen fürchtet
Markus Söder will das nicht. Geradezu manisch warnt er vor einer Koalition mit den Grünen. Als er vor drei Monaten das aussichtslose Rennen um die Kanzler-Kandidatur aufgab, kündigte Söder markig an, die CSU werde das Bündnis mit den Grünen verhindern. Damit versuchte er, der Union die Richtung vorzugeben, legte aber zugleich den Grundstein für den nächsten unionsinternen Konflikt. Der Franke Söder befürchtet, dass allein ein Flirt mit den Grünen der CDU und vor allem der CSU massiv schadet. In Ostdeutschland und Bayern könnten die Wähler in Scharen zu AfD und Freien Wählern überlaufen, so seine Warnung. Der letztendlich entscheidende Mann aber ist CDU-Chef Friedrich Merz. Sollte er nach der Bundestagswahl zu anderen Schlüssen kommen (müssen), droht Markus Söder ein massiver Gesichtsverlust.
Söder und Merz: Wie geht es im Wahlkampf weiter?
Wie geht es nun weiter? Wenn es gut läuft für Merz und Söder, dann wird die Union bei den Bundestagswahlen mit Abstand stärkste Kraft und kann ein Bündnis mit der SPD eingehen. Dann hatte Söder mit seiner Strategie recht und der Konflikt erledigt sich. Genauso gut kann aber sein, dass die Union im Wahlkampf an Vorsprung einbüßt und die Nervosität entsprechend wächst. Dann wird unweigerlich die Frage laut werden, wie weit es denn her ist mit der Führungsstärke des Kandidaten Friedrich Merz: Kann einer Kanzler, der nicht einmal im eigenen Lager die Geschlossenheit herstellen kann?
2021 ist der Union näher, als ihr lieb ist.
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