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Studie des Kiel-Instituts: Warum Deutschland anders aufrüsten muss

Bundeswehr

Krieg der Zukunft: Werden die Milliarden für die Aufrüstung falsch ausgegeben?

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    Kampfhubschrauber bleiben wichtig, aber die technischen Innovationen entwickeln sich auf den Schlachtfeldern der Ukraine rasant.
    Kampfhubschrauber bleiben wichtig, aber die technischen Innovationen entwickeln sich auf den Schlachtfeldern der Ukraine rasant. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

    Deutschland rüstet einer Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zufolge nicht zukunftsorientiert genug auf. Ein Report zur Entwicklung europäischer Verteidigungsinvestitionen zeigt, dass Deutschland 2025 zwar Rüstungsgüter im Wert von rund 85 Milliarden Euro bestellt hat – mehr als etwa Großbritannien und Polen zusammen. Gleichzeitig aber sinkt den Angaben zufolge der Anteil moderner Technologien an den deutschen Beschaffungen deutlich. Waren vor dem Ukraine-Krieg noch 21 Prozent der Bestellungen in innovative Systeme geflossen, sind es heute – so die Studie – nur noch neun Prozent.

    Guntram Wolff, Hauptautor des Reports, kritisiert: Während die Ukraine Erfolge mit autonomen Systemen melde und kosteneffiziente Drohnen die Kriegsführung bereits spürbar veränderten, verschiebe die deutsche Strategie den Anspruch auf technologische Überlegenheit ins nächste Jahrzehnt. Der Ökonom fordert eine Neuausrichtung der deutschen Beschaffungsstrategie: Vorrang für autonome Systeme, KI-gestützte Führung und kostengünstige Waffensysteme, flankiert von einer entsprechenden Anpassung von Doktrin und Ausbildung. „Wenn Deutschland den aktuellen Kurs fortsetzt“, warnt der Professor von der Solvay Brussels School, „läuft es Gefahr, Europas größte konventionelle Armee aufzubauen – bereit für den Krieg von gestern, aber nicht für den von morgen.“

    US-Kriegsminister Peter Hegseth erhöht den Druck auf Europa

    Dabei hat der amerikanische Kriegsminister Pete Hegseth am Wochenende beim Shangri-La-Dialog in Singapur, dem asiatischen Pendant zur Münchner Sicherheitskonferenz, den Druck auf die europäischen Nato-Partner weiter erhöht, die Rüstungsanstrengungen zu verstärken. Hegseth kritisierte dabei erneut die regelbasierte Weltordnung. Regeln seien großartig, wenn sie aber nicht mit „hard power“ abgesichert werden könnten, wären sie nicht „das Papier wert, auf dem sie stehen“. Europa und die Nato, kündigte Hegseth an, hätten „ein paar große Entscheidungen zu treffen – mehr dazu bald“.

    Der Kiel-Report attestiert Deutschland zwar ein Rekordvolumen bei der Beschaffung. Aber: Trotz der deutlich erhöhten Ausgaben blieben die Investitionen in disruptive Technologien in absoluten Zahlen seit 2020 weitgehend konstant. Ihr Anteil an der Gesamtbeschaffung sei sogar rückläufig. Besorgniserregend finden die Autoren, dass „für rund 70 Prozent der jüngsten deutschen Bestellungen kein konkretes Lieferdatum angegeben wird.“

    Das Bundesverteidigungsministerium kommentiert Studien grundsätzlich nicht, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. Er weist aber darauf hin, dass das Ministerium „die Fähigkeitsentwicklung der Streitkräfte an den Nato-Fähigkeitsforderungen, den resultierenden nationalen Bedarfen und der wahrscheinlichen Entwicklung des Kriegsbildes der Zukunft“ ableite. Man beobachte die technologischen und militärischen Entwicklungen besonders im Krieg gegen die Ukraine „sehr genau“ – und berücksichtige das entsprechend. Das Ministerium weist zudem darauf hin, dass alleine aus dem Sondervermögen Bundeswehr rund 20 Milliarden Euro in die Bereiche Digitalisierung und Führungsfähigkeit investiert werden, um so „die Grundlagen für das Wirken auf einem zunehmend digitalen beziehungsweise gläsernen Gefechtsfeld zu schaffen“.

    Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte außerdem jüngst die ersten Ergebnisse für die Reform des Beschaffungsamtes vorgestellt, das flexibler strukturiert und ausgebaut werden soll sowie eine Außenstelle in Brüssel bekommen wird.

    Der Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz, Berichterstatter der SPD-Fraktion zur Verwendung des Sondervermögens, verweist im Gespräch mit unserer Redaktion auf die bisher unbekannten Firmen und Start-ups, die die wahren Innovationstreiber seien. Er sagt es so: „Der Krieg der Zukunft ist nicht hardwarelastig, sondern digital. Diese schwierige Lernkurve beginnt gerade in Deutschland.“ Das Parlament setze auf die neue Technik und werde den Beschaffungsprozess eng begleiten.

    Eine dieser jungen Firmen ist Arx Robotics. Das Start-up produziert kleine, unbemannte und mit Sensoren ausgestattete Kettenfahrzeuge, von denen etwa Drohnen geortet und abgeschossen werden können. Gründer Max Wied macht die Dringlichkeit im Gespräch mit unserer Redaktion so deutlich: „Autonome Systeme, Drohnen, vernetzte Aufklärung, das sind keine Zukunftstechnologien. Sie entscheiden heute über die Überlegenheit auf dem Gefechtsfeld.“

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