Frau Warken, Ihre Vorgänger Jens Spahn und Karl Lauterbach haben Reformen versprochen, und doch krankt das Gesundheitswesen immer noch. Haben Sie eine unlösbare Aufgabe übernommen?
NINA WARKEN: Es ist eine Aufgabe mit großen Herausforderungen. Die Finanzsituation der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ist sehr angespannt. Ich habe diese Systeme in tiefroten Zahlen übernommen. Es gibt an vielen Stellen Reformbedarf, etwa in der Krankenhauslandschaft, in der ärztlichen Versorgung oder bei den Apotheken. Das werden wir nun schrittweise angehen.
In der ambulanten Versorgung wollen Sie ein Primärarztsystem einführen. Das bedeutet, dass Patientinnen und Patienten künftig bei einer Erkrankung zuerst den Hausarzt aufsuchen müssen. Allerdings fehlen heute schon 5000 Hausärzte. Wie soll das funktionieren?
WARKEN: Hausärztinnen und Hausärzte dürfen nicht zum Nadelöhr in einem System werden, in dem sie erste Anlaufstelle sein sollen. Es wurden dafür verschiedene Maßnahmen bereits auf den Weg gebracht, wie die Entbudgetierung von hausärztlichen Leistungen. Weitere werden folgen: Wir werden die Entbürokratisierung und die Verlagerung von Aufgaben an qualifizierte Gesundheitsberufe vorantreiben. So sollen Hausärzte und Hausärztinnen wieder mehr Zeit für die Versorgung von Patientinnen und Patienten haben und die Ersteinschätzung als wichtigen Baustein des Primärarztsystems vornehmen können. Der Beruf insgesamt soll durch gute Rahmenbedingungen wieder attraktiver werden – auch für Menschen, die vielleicht keine eigene Praxis führen wollen.
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