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Mit Trump überlebt die Nato nicht: Kommentar zur US-Politik

Kommentar

Mit Trump überlebt die Nato nicht

Peter Müller
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    US-Präsident Donald Trump (r) hat Bundeskanzler Friedrich Merz vor einigen Wochen im Weißen Haus empfangen. Entspannt war es damals schon nicht.
    US-Präsident Donald Trump (r) hat Bundeskanzler Friedrich Merz vor einigen Wochen im Weißen Haus empfangen. Entspannt war es damals schon nicht. Foto: Kay Nietfeld, dpa (Archivbild)

    Wenn die vier Astronauten der Artemis-2-Mondmission am Samstagmorgen im Pazifik landen, hat die Menschheit tagelang verfolgen können, wozu die USA in der Lage sind, wenn Begeisterung für Technologie, Finanzkraft und ein gehöriges Stück Wagemut zusammenkommen. Zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren haben Menschen den Mond umrundet, zeitweise waren sie weiter von der Erde entfernt als je ein Mensch zuvor. Die Fotos, die sie aus dem All sandten, berührten die ganze Welt.

    Wenn Donald Trump morgens schlecht gelaunt die Welt mit neuen Hass-Botschaften auf Social Media überzieht, zeigt sich eine ganz andere USA. Missgünstig und nachtragend, allein auf den eigenen Vorteil bedacht, eine USA, die noch nicht mal davor zurückschreckt, mit grauenhaften Verbrechen zu drohen („eine ganze Zivilisation wird sterben“), um das durchzusetzen, was dieser Präsident für amerikanische Interessen hält.

    Trump prangert Nato an, doch das Bündnis liegt längst auf der Intensivstation

    Dieser Trump droht jetzt mal wieder aus der Nato auszutreten, wenn, wie er das sieht, die Verbündeten die USA weiter im Stich lassen und etwa keine Kriegsschiffe schicken, um Öltanker durch die Straße von Hormus zu geleiten. Zudem droht er mit dem Abzug amerikanischer Truppen aus jenen Staaten, die die USA aus seiner Sicht nicht ausreichend unterstützt haben. „Die Nato war nicht da, als wir sie brauchten, und sie wird auch nicht da sein, falls wir sie wieder brauchen“, so sieht es Trump.

    Zur Wahrheit gehört allerdings: Die Nato liegt längst auf der Intensivstation. Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Trump das Bündnis öffentlich so angeschossen, und den entscheidenden Artikel 5, das bedingungslose Einstehen füreinander im Verteidigungsfall, so oft infrage gestellt, dass sich im Ernstfall niemand mehr auf die Hilfe der USA verlassen konnte. Heute, wo Wladimir Putin im fünften Jahr Krieg in der Ukraine führt, kann man Trumps öffentliches Abrücken von Europa, ja, seine feindselige Gesinnung gegenüber den alten Verbündeten, eigentlich nur noch als Einladung an den Russen verstehen, doch mal auszuprobieren, was passiert, wenn in Estland oder Litauen russische Soldaten die Grenze überschreiten.

    Denn mit der Nato ist es anders als mit Artemis. Die Mondmission wäre ohne den Beitrag der Europäer, etwa beim Bau der Raumkapsel, so nicht möglich gewesen. Für die Abschreckung der Nato aber, zählt noch immer allein die Militärmacht der USA.

    Trump beklagt fehlende deutsche Hilfe und wettert gegen „Friedrich“

    Auch Deutschland und Kanzler Friedrich Merz bekommen den Ärger des Amerikaners zu spüren. Merz (nachvollziehbare) Strategie, Trump möglichst nicht offen zu widersprechen, um so in Washington nicht in Ungnade zu fallen, ist gescheitert. Der Satz „Das ist nicht unser Krieg“, den Trump zuletzt ständig zitierte, stammt zwar strenggenommen nicht vom deutschen Kanzler, sondern von Verteidigungsminister Boris Pistorius. Doch solche Details hindern den US-Präsidenten genauso wenig daran, gegen „Friedrich“ zu wettern, wie die Tatsache, dass Deutschland anders als etwa Spanien, den Amerikaner ohne Wenn und Aber gestattet, ihren Krieg gegen Iran auch von US-Militärbasen in Deutschland aus zu führen.

    Für die Verbündeten der USA kann es jetzt nur darum gehen, die Nato zumindest auf dem Papier am Leben zu erhalten – und die europäische Verantwortung für die gemeinsame Abschreckung zu stärken. Es ist Generalsekretär Mark Rutte zu danken, dass er sich bis zur Selbstverleugnung vor Trump verbiegt, um den offenen, offiziellen Bruch zu verhindern. Womöglich bleibt dann genug von dem Bündnis, um es mit einem neuen US-Präsidenten zu reparieren. 2020, nach der Abwahl Trumps, ist das leidlich gelungen – auch, weil Deutschland und andere Nato-Partner mittlerweile selbst deutlich mehr Geld fürs Militärische ausgeben. Europas Verteidigung ist jetzt Europas Verantwortung. Einen anderen Schluss kann es nicht geben.

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