Ken Paxton machte es wie Donald Trump, bevor dieser auf die nationale Bühne getreten war. Der vom Präsidenten unterstützte Republikaner hat sich im Bundesstaat Texas in der parteiinternen Vorwahl für einen Sitz im US-Senat durchgesetzt. Und das deutlich. Etwa zwei von drei Republikanern gaben dem feurigen Chefankläger von Texas den Vorzug vor dem bedächtigen Amtsinhaber. Erstmals seit 1970 verlor damit ein amtierender Senator in Texas seinen Sitz in einer parteiinternen Vorwahl.
Im konservativen Texas ist die Entscheidung für Paxton bemerkenswert: Skandale pflastern seinen Weg. Paxton stieg in der rechten „Tea-Party“-Bewegung auf, die gegen den ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama mobilisiert hatte. 2014 schwappte der texanische Staatssenator auf dieser Welle ins Amt des Justizministers im Lone-Star-Staat. Keine acht Monate später holte ihn der erste Skandal wegen Wertpapierbetrugs ein. Der Fall zog sich fast ein Jahrzehnt hin und endete mit einem Vergleich.
Affären konnten Paxton nichts anhaben
Weitere Affären folgten. 2023 setzte das republikanisch dominierte Repräsentantenhaus in Texas Paxton wegen Korruption ab. Mitarbeiter hatten ihn beim FBI angezeigt. Im Kern ging es um den Vorwurf, einem befreundeten Immobilieninvestor geholfen zu haben. Mit knapper Mehrheit sprach ihn der Senat des Bundesstaates frei. Im vergangenen Jahr reichte seine Frau Angela Paxton dann nach 38 Ehejahren die Scheidung ein. „Aus biblischen Gründen“, wie sie schrieb. Sie warf ihm Ehebruch vor.
Während seiner drei Amtszeiten als Attorney General leitete Paxton erste Strafverfahren gegen Abtreibungen ein, ging gegen geschlechtsangleichende Behandlungen für transgeschlechtliche Jugendliche vor und versuchte, Trumps Niederlage von 2020 auf dem Klageweg ungeschehen zu machen.
Vorwahlkampf kostete rund 92 Millionen Dollar
Der langjährige Amtsinhaber John Cornyn warf im teuersten Vorwahlkampf seit Menschengedenken in Texas rund 92 Millionen Dollar in die Schlacht, etwa zehnmal so viel wie Paxton. Am Ende half das Geld nicht gegen Trumps Unterstützung. Der hatte Cornyn nicht verziehen, dass er sich kritisch zum Sturm auf den Kongress am 6. Januar geäußert hatte. Cornyn sei ihm gegenüber „SEHR illoyal“ gewesen.
Das Ergebnis der Vorwahlen bewies einmal mehr, wie stark Trump die Republikaner unter seine Kontrolle gebracht hat. Bei den Zwischenwahlen im November könnte das zum Problem für die Partei werden. Die Demokraten ziehen mit dem charismatischen Pastor James Talarico ins Rennen, der mit seinen moderaten Positionen auch viele traditionelle Republikaner in dem konservativen Bundesstaat anspricht. Eine Umfrage der University of Texas von Ende vergangenen Monats ergab einen Vorsprung Talaricos von 42 zu 34 Prozent vor Paxton.
Demokraten sehen sich im Vorteil
Trumps Einmischung in die Vorwahlen seiner Partei hat auch andernorts Senatsrennen spannend gemacht, die bis dahin als sichere Bank galten. Jessica Taylor vom Cook Political Report sieht in Georgia, North Carolina und Ohio die Demokraten im Vorteil, während es in Alaska und Texas unerwartet offene Wahlen gibt. „Vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass der Senat im Spiel sein würde“, beschreibt Taylor den Stand der Rennen. „Das ist jetzt sehr wohl der Fall.“
Der 37-jährige Talarico wittert seine Chance. Der Sieger der Primaries stand kaum fest, da feuerte sein Wahlkampfteam eine erste Breitseite gegen den skandalumwitterten Paxton ab. In einer Wahlwerbung beschrieb der Demokrat seinen Gegner als den „korruptesten Politiker Amerikas“. Ein Vorwurf, den sich bisher dessen Förderer im Weißen Haus gefallen lassen musste.
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