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Trump und der Epstein-Skandal: Ghislaine Maxwell als Schlüssel zur Wahrheit?

Epstein-Skandal

Trump gerät in Bedrängnis: Der Präsident und das „gestohlene“ Mädchen

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    Diese undatierte, vom US-Justizministerium zur Verfügung gestellte Foto, zeigt das Opfer Virginia Giuffre (Mitte) und Ghislaine Maxwell, links im Bild Prinz Andrew.
    Diese undatierte, vom US-Justizministerium zur Verfügung gestellte Foto, zeigt das Opfer Virginia Giuffre (Mitte) und Ghislaine Maxwell, links im Bild Prinz Andrew. Foto: US Department fo Justice/PA Media, dpa

    Sie ist das wohl bekannteste Opfer des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Im Alter von 17 Jahren soll sie der Investmentbanker als Masseurin eingestellt und in die Prostitution gedrängt haben. Mehr als zwei Jahre lang wurde sie nach ihrer Aussage „wie ein Teller mit Obst“ zwischen den Freunden des Milliardärs aus der High Society herumgereicht. Im April dieses Jahres hat sie sich das Leben genommen.

    Doch Donald Trump blickt auf das Missbrauchsopfer Virginia Giuffre so ähnlich wie auf einen verpatzten Immobiliendeal. Bis zum Sommer 2000 hatte die damals Minderjährige im Wellness-Bereich seines Luxus-Anwesens Mar-a-Lago in Florida gearbeitet. „Ich habe ein großartiges Spa, eines der besten Spas der Welt“, prahlte der Präsident am Dienstag dieser Woche. Doch dann sei Epstein gekommen und habe Giuffre abgeworben: „Er hat sie gestohlen.“ Giuffre warf auch dem britischen Prinz Andrew Missbrauch vor.

    Trump redet plötzlich ungewöhnlich detailliert über den Epstein-Skandal

    Was wie die befremdliche Klage eines feudalistischen Herrschers klingt, soll tatsächlich ein Entlastungsargument sein. Seit Wochen nämlich wird Trump die Epstein-Affäre nicht los. Es geht um die Frage, wie gut er den 2019 auf mysteriöse Weise im Gefängnis verstorbenen Betreiber eines Mädchenmissbrauchsrings kannte und ob er in dessen schmutzigen Geschäfte verwickelt war, was Trump entschieden bestreitet.

    Virginia Giuffre sprach im Jahr 2019 im Fall Epstein mit Journalisten vor einem Gericht in Manhattan.
    Virginia Giuffre sprach im Jahr 2019 im Fall Epstein mit Journalisten vor einem Gericht in Manhattan. Foto: Bebeto Matthews, dpa

    Anfangs hatte Trump versucht, die ganze Angelegenheit herunterzuspielen. „Ich verstehe nicht, warum der Epstein-Fall irgendjemanden interessieren sollte“, bügelte er Mitte Juli eine Journalistenfrage ab: „Es ist ziemlich langweiliges Zeug.“ Nachdem diese Methode nicht funktioniert hat, scheint sich der Präsident nun für die entgegengesetzte Strategie entschieden zu haben: Er redet freiwillig und ungewöhnlich detailliert über die angeblichen Gründe für seinen Bruch mit dem Sexualstraftäter.

    Epstein aus Mar-a-Lago ausgeschlossen

    Schon bei einem Treffen mit dem britischen Premierminister Keir Starmer auf seinem Golfplatz im schottischen Turnberry hatte Trump am Montag gesagt, er habe Epstein aus seinem Privatclub Mar-a-Lago ausgeschlossen, weil dieser wiederholt Beschäftigte abgeworben habe. Auf dem Rückflug am Dienstag ließ sich Trump auf einen längeren Austausch mit den Journalisten ein. Wieder erhob er den Vorwurf gegen Epstein. Er habe ihn gewarnt. Als Epstein trotzdem weitergemacht habe, habe er gesagt: „Raus hier!“

    Ein Foto von US-Präsident Donald Trump (rechts) und dem verurteilten Kindersexualstraftäter Jeffrey Epstein auf einem Lieferwagen im Stadtzentrum von Aberdeen. Das Protestplakat wurde von der Gruppe "Everyone Hates Elon" während der fünftägigen Privatreise von Trump nach Schottland organisiert.
    Ein Foto von US-Präsident Donald Trump (rechts) und dem verurteilten Kindersexualstraftäter Jeffrey Epstein auf einem Lieferwagen im Stadtzentrum von Aberdeen. Das Protestplakat wurde von der Gruppe "Everyone Hates Elon" während der fünftägigen Privatreise von Trump nach Schottland organisiert. Foto: Jane Barlow, dpa

    Auf die Nachfrage, ob es sich bei den Abgeworbenen um junge Frauen gehandelt habe, sagte Trump: „Die Antwort ist ja.“ Eine konkrete Frage zu Giuffre wollte er zunächst nicht beantworten und wich aus. „Ich glaube, sie arbeitete im Spa.“ Doch kurz darauf erklärt er unmissverständlich: „Er hat sie gestohlen.“

    Missbrauchsopfer Virginia Giuffre bekam eine Stelle als Masseurin angeboten – heute ist sie tot

    Doch die vermeintlich entlastende Darstellung passt nicht zu früheren Aussagen von Trump und anderen Zeugen. Giuffre sagte vor Gericht aus, dass sie Mitte 2020 in Mar-a-Lago von Ghislaine Maxwell angesprochen wurde. Maxwell ist die Komplizin von Epstein, die gerade eine 20-jährige Haftstrafe in Florida verbüßt und immer mehr zur Schlüsselfigur der Affäre wird. Die Kupplerin bot der Teenagerin eine Stelle als Masseurin und die Finanzierung einer Ausbildung in diesem Beruf an. Giuffre willigte ein - was zu dem sexuellen Missbrauch führte.

    Nach Trumps Schilderungen überwarf er sich „nicht lange danach“ mit Epstein. Dem widerspricht, dass er den Investmentbanker noch 2002 im New York Magazine als „großartigen Kerl“ bezeichnete, mit dem er „viel Spaß“ habe: „Man sagt, dass er schöne Frauen so sehr mag wie ich, und viele sind von der jüngeren Art.“ Das Wall Street Journal hatte zudem kürzlich von einem anzüglichen Brief Trumps zum 50. Geburtstag Epsteins im Jahr 2003 berichtet, in dem Trump eine nackte Frau malte und von einem „Geheimnis“ sprach. Trump selber hatte in der Vergangenheit das Ende seiner Beziehung zu Epstein auf 2004 terminiert.

    Aussagen der einzigen lebenden Zeugin Ghislaine Maxwell am 11. August

    Damit scheint eine Aussage der einzigen noch lebenden Zeugin Ghislaine Maxwell immer bedeutsamer. Tatsächlich konzentriert sich das öffentliche Interesse zunehmend auf die 63-Jährige, die die minderjährigen Mädchen für Epstein rekrutierte: Vizejustizminister Todd Blanche hat sie in der vergangenen Woche im Gefängnis in Tallahassee insgesamt neun Stunden befragt. Der mächtige Kontrollausschuss des Kongresses hat Maxwell für den 11. August vorgeladen.

    Ghislaine Maxwell soll am 11. August von einem Ausschuss des Kongresses aussagen.
    Ghislaine Maxwell soll am 11. August von einem Ausschuss des Kongresses aussagen. Foto: Chris Ison, PA Wire/dpa

    Doch ist höchst fraglich, ob auf diese Weise die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Nicht nur hat Maxwell in der Vergangenheit vor Gericht mehrfach gelogen. Auch dürfte Blanche, der bis zur Wahl als persönlicher Anwalt von Trump arbeitete, kaum Interesse an belastendem Material gegen seinen Boss haben - eher das Gegenteil. Vor dem Kongress wiederum will Maxwell nur unter der Bedingung aussagen, dass ihr Immunität zugebilligt wird und das oberste Bundesgericht der USA zuvor über den Einspruch gegen ihre Verurteilung im Jahr 2021 entscheidet. Das kann dauern.

    Das eigentliche Interesse der Sexualstraftäterin ist offenbar noch weitreichender: Ihr Anwalt wirbt offen damit, dass sich Maxwell im Falle einer Begnadigung selbstverständlich äußern werde. Glaubhaft wäre eine Aussage aber kaum: Über die Begnadigung entscheidet ausgerechnet Trump.

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