Die Armada der US-Kriegsschiffe auf dem Weg von der Karibik in den Nahen Osten sendet ein klares Signal an das Mullah-Regime in Teheran: Es wird ernst. Und zwar anders als während der Operation „Midnight Hammer“ gegen Irans Nuklearanlagen im vergangenen Juni. Diese war schon nach zwölf Tagen vorüber.
Trump erklärte damals, der Schlag habe vom Atomprogramm Irans nicht viel übrig gelassen. Der Präsident führt nun erneut die Arbeit an Nuklearwaffen als Rechtfertigung für einen möglichen Angriff ins Feld. Das bestätigen jene Experten, die nach Auswertung der Schäden an der Nachhaltigkeit der Aktion gezweifelt hatten.
USA fahren Militär mit Möglichkeit für langen Krieg gegen Iran auf
Dieses Mal haben die USA eine deutlich größere Streitmacht in der Region zusammengezogen, mit der Trump über Wochen nachhaltig sehr verschiedene Ziele verfolgen könnte. Die Machtdemonstration beruht auf dem Aufmarsch von zwei Flugzeugträgergruppen. Die „USS Abraham Lincoln“ operiert bereits seit Wochen in der Region. Ihr gesellt sich nun die „USS Gerald R. Ford“ hinzu, die am Mittwoch Gibraltar passierte. Das größte US-Kriegsschiff wird voraussichtlich am Wochenende oder Anfang nächster Woche im Mittelmeer eintreffen. Die „USS Ford“ bezieht zunächst vor der Küste Israels Position, um Tel Aviv und andere israelische Städte zu schützen.
Begleitet wird jeder der beiden Träger von Zerstörern, Kreuzern und U-Booten. Diese Begleitschiffe sind mit Abwehrsystemen ausgerüstet, die anfliegende Raketen abschießen können. In den vergangenen Tagen haben die USA auch mehr als 50 zusätzliche Kampfflugzeuge in Richtung Naher Osten verlegt. Darunter sind hochmoderne F-35- und F-22-Tarnkappenjäger sowie F-16-Kampfjets.
Entscheidend für einen längeren Luftkrieg sind die dutzend Tankflugzeuge, die das US-Zentralkommando eilig in die Region beordert hat. Hinzu kommen Kommando- und Kontrollflugzeuge, die für die Koordinierung großer Luftkampagnen unverzichtbar sind. Auch B-2-Tarnkappenbomber befinden sich in erhöhter Alarmbereitschaft.
Will Trump das Regime in Teheran wirklich stürzen?
Das Pentagon hat zudem zusätzliche Luftabwehrsysteme in die Region verlegt, die ballistische Raketen in großer Höhe abwehren können. Diese Waffensysteme sollen die 30.000 bis 40.000 amerikanischen Soldaten schützen, die über acht permanente Stützpunkte im Nahen Osten verteilt sind.
Hochrangige Regierungsmitarbeiter sagten gegenüber US-Medien, diese Feuerkraft gebe den USA die Option, einen anhaltenden, wochenlangen Luftkrieg gegen den Iran zu führen. Es sei genügend Kapazität vorhanden, damit Trump jederzeit einen Einsatz befehlen könne.
Nicht entschieden hat Trump laut Informationen aus dem Weißen Haus, was das Ziel eines Militärschlags sein könnte. Geht es um das Atomprogramm, das große Arsenal an iranischen Kurz- und Langstreckenraketen oder den Sturz des Regimes? Von der Durchsetzung von Demokratie und Menschenrechten ist nicht mehr die Rede, seit Trump die iranische Opposition mit einem nicht eingehaltenen Hilfeversprechen bitter enttäuscht hat.
Der US-Präsident stand in den vergangenen Wochen in engem Kontakt mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der die USA seit Jahren dazu drängt, militärisch gegen den Iran aktiv zu werden. Die israelischen Streitkräfte befinden sich seit Wochen in erhöhter Alarmbereitschaft und haben weitere Vorbereitungen für einen möglichen Krieg getroffen.
So ernst die Lage für den Iran auch wird, so groß ist das Risiko, das Trump mit einem Militärschlag einginge. Denn verglichen mit der Streitmacht, die Amerika vor der Invasion des Irak zusammenzog, handelt es sich um überschaubare Kapazitäten.
Iran bereitet offenbar Vergeltungsschläge gegen Israel vor
2003 operierten zeitweise sechs Flugzeugträger in der Region. Hunderte Kampfflugzeuge füllten die Stützpunkte rund um den Irak. Vor allem aber stand damals eine gewaltige Bodenarmee von über 500.000 Soldaten bereit. Es gibt auch keine Koalition, die den USA helfen würde. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben die Nutzung ihres Luftraums für Militäroperationen der USA untersagt.
Der Iran, der dreimal so groß ist wie der Irak, schaut derweil nicht untätig zu, sondern bereitet Vergeltungsschläge gegen Israel und US-Streitkräfte in der Region vor. Je nachdem, für welchen Kurs sich Trump entscheidet, könnte selbst die beeindruckende Streitmacht, die die USA in der Region zusammengezogen haben, zu klein sein.
Ganz zu schweigen von den politischen Kosten eines Präsidenten, der im Wahlkampf versprochen hatte, die USA aus Kriegen herauszuhalten. Allein im ersten Amtsjahr gab Trump den Befehl für sieben Militärschläge gegen souveräne Staaten. Ein langanhaltender Konflikt mit dem Iran dürfte nach Einschätzung vieler Analysten in Teilen seiner MAGA-Bewegung nicht gut ankommen – ein Risiko im Jahr der Zwischenwahlen.
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