Die Unbeschwertheit ist nicht mehr da. Über ein Dreivierteljahr hat der Informatiker Sebastian Eckl, 27, als Wissenschaftler in den USA gelebt. In Kalifornien stand er mit einem internationalen Team in einem Forschungswettbewerb kurz davor, einen renommierten, mit mehreren Millionen Dollar dotierten Preis zu gewinnen. Für Studenten und junge Forscher sind die USA ein Eldorado. Künstliche Intelligenz ist das Schlagwort der Stunde. Doch seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump liegt über all dem ein Schatten.
Berichte über Probleme bei der Einreise häufen sich: Studierendenvisa sollen nur mehr für kürzere Zeit vergeben werden, Arbeitsvisa können 100.000 Dollar kosten. Zuletzt , weil sie den ermordeten konservativen Politiker Charlie Kirk kritisiert hatten. Die neue, rigide Visa-Politik sorgt auch für Unsicherheit an den Universitäten. Das Land schadet sich damit selbst.
Mehrere Millionen Dollar Preisgelder: Wettbewerb „AI Cyber Challenge“
Sebastian Eckl ist in Augsburg aufgewachsen, hat an der Universität Erlangen seinen Informatik-Master gemacht und promoviert jetzt an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Gute Kontakte seines Professors führten ihn 2024 in die USA. Auch dieses Jahr war er für mehrere Monate dort. Doch die Vorzeichen haben sich verändert.
Führte im vergangenen Jahr noch Joe Biden das Land, herrscht heute Donald Trump. Den Unterschied sollte auch Sebastian Eckl merken. In den USA war er Teil eines Teams, das aus den besten IT-Spezialisten und Hackern der University of California im kalifornischen Santa Barbara und zweier anderer US-Hochschulen bestand. Unter der Leitung von neun Professoren nimmt das Team „Shellphish“ regelmäßig an Hacking-Wettbewerben teil. Das Team schaffte es dieses Jahr bei einem besonders anspruchsvollen Wettbewerb bis in das Finale.
In den USA lobt die Militärorganisation Darpa in größeren Abständen einen renommierten Forschungswettbewerb für Hacker und IT-Spezialisten aus. Die letzte Runde fand von 2023 bis 2025 statt, befasste sich mit Künstlicher Intelligenz und lief unter dem Namen „AI Cyber Challenge“. Das Budget: stolze 29,5 Millionen Dollar. Im Wettbewerb ging es um den Schutz kritischer Infrastruktur. Die Preisfrage war, wie sich die IT beispielsweise von Krankenhäusern oder Kraftwerken gegen feindliche Hacker-Angriffe schützen lässt. Es gab ein Halbfinale mit circa 40 Teams und hohen Preisgeldern. Die besten sieben Teams qualifizierten sich für das Finale. Dort winkten nochmals hohe Prämien zugunsten der Forschung: Vier Millionen Dollar für den Erstplatzierten, drei Millionen Dollar für Platz 2 und 1,5 Millionen Dollar für Platz 3.
Verunsicherung im internationalen Team
Das Team „Shellphish“ war eines der rund 40 Teams, die in das Rennen gingen. An Bord waren etwa 20 Kernmitglieder, zu ihnen gehörte Sebastian Eckl. Dazu kamen Studierende und Praktikanten. Die Herausforderung des Wettbewerbs war es, ein Programm zu entwickeln, das mit KI Schwachstellen in den Computerprogrammen der kritischen Infrastruktur entdeckt und gleich automatisch behebt. Feindlich gesinnte Hacker haben schon Krankenhäuser, Firmen oder Bahnen attackiert und die IT lahmgelegt. Häufig stehen auch staatliche Akteure im Ausland im Verdacht, Cyber-Attacken auszuüben.
Eckl fand sich in den USA in einem internationalen Team wieder. Doktoranden und Studierende aus den USA, Italien, Indien, Sri Lanka, China und Deutschland trafen zusammen. „Wir haben wahnsinnig viel voneinander gelernt“, sagt Eckl und erinnert sich an wochenlange Treffen, teilweise in anderen Städten in den USA. „Von den Kollegen aus den anderen Ländern konnte man kulturell, fachlich und allgemein im Austausch viel lernen“, sagt der Informatiker. Doch das könnte verloren gehen, wenn die USA einen noch strikteren Einwanderungskurs fahren.
Unsicherheit bei der Einreise auch bei Akademikern
Diese Befürchtung teilt Lukas Dresel, 32, der an der Universität in Santa Barbara als einer der Leiter im Team arbeitet. Dresel stammt aus Nürnberg, hat in Erlangen studiert und kam bereits 2016 in die USA für ein einjähriges Praktikum. Heute promoviert er in den USA und arbeitete zuletzt für die Challenge – „sieben Tage die Woche, morgens bis nachts“, wie er sagt. Ausländische Studierende brächten viel Wissen und eine hohe Arbeitsmoral mit. Die US-Konzerne profitieren von den klugen Köpfen: Nach dem Studium locken sie KI-Experten nicht selten mit Einstiegs-Jahresgehältern bis zu 300.000 Dollar, sagt er.
Doch inzwischen überlegen viele Akademiker, nach der Universität die USA wieder zu verlassen. Das Klima im Land hat sich geändert. „Es ist beunruhigend, wenn Leute auf der Straße verhaftet und abgeschoben werden“, sagt Eckl. Die Sondereinheit ICE ist beauftragt, Abschiebungen zu forcieren. Es soll vorgekommen sein, dass Menschen trotz gültiger Visa zu Unrecht gefasst wurden.
Die Einheit tritt mit Masken auf, fährt in schwarzen Vans vor. Die Verunsicherung reicht bis ins wissenschaftliche Umfeld: „Die Leute überlegen, in ihre Heimatländer zurückzukehren, wenn sie ihren Ph.D. – also den Doktortitel – haben“, berichtet Dresel. Auch bei der Einreise in die USA sind Akademiker vorsichtiger und überlegen sich, ob sie Trump-kritische Motive oder Bilder auf dem Smartphone haben und löschen diese. Die Universitäten spüren die gekürzten staatlichen Gelder.
Im Team „Shellphish“ konnten sich in den letzten Monaten junge Menschen aus der ganzen Welt austauschen und an der Sicherheitstechnologie der Zukunft arbeiten. Am Ende erreichten sie im Wettbewerb den fünften Platz und gewannen auf dem Weg ins Finale drei Millionen US-Dollar für die Forschung. Ob dieser wissenschaftliche Austausch in Zukunft noch so leicht möglich sein wird, ist offen.
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