Die Rentnerinnen und Rentner seien, so heißt es oft, die wichtigste Wählergruppe für die Parteien. Die nackten Zahlen sprechen dafür. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes ist die größte Gruppe der am 23. Februar Wahlberechtigten die der Menschen, die 70 Jahre und älter sind. Das trifft auf etwa 23 Prozent zu, gleich dahinter kommt mit knapp 19 Prozent die Gruppe der 60 bis 69 Jahre alten Wählerinnen und Wähler. Die Jüngeren hingegen sind nicht einmal annähernd so stark vertreten. Nimmt man die 18- bis 39-Jährigen zusammen, kommen sie auf gerade mal rund 27 Prozent der Wahlberechtigten. Wer bei der Bundestagswahl punkten will, muss sich demnach an diejenigen wenden, die in Rente oder kurz davor sind.
Dabei sind es Studien zufolge die Jüngeren, die von den Parteien ins Visier genommen werden müssten. Zwar ist für sie das Renteneintrittsalter noch weit weg. Aber während die Älteren vielfach eine gute Rente haben und oft ohne existenzielle finanzielle Sorgen leben können, grassiert bei den nachfolgenden Generationen die Sorge, dass die gesetzliche Rente sie nicht vor Altersarmut bewahren kann.
Es gibt immer mehr Rentner
Die Sorge ist berechtigt, denn aufgrund der zunehmenden Überalterung der deutschen Gesellschaft könnte das Rentenniveau – das Verhältnis der Renten zu den Einkommen – in den nächsten Jahren von derzeit 48 auf 45 Prozent sinken. Weil die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, drohen der Rentenkasse höhere Ausgaben bei schwächeren Beitragseinnahmen. Um das auszugleichen, könnte das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden. „Für jedes Jahr länger leben, einen Monat später in Rente“, schlug der CDU-Politiker Jens Spahn vor Jahren mal vor – und musste danach erst mal in Deckung gehen. Nicht vielen gefällt die Vorstellung, immer noch länger zu arbeiten. Und manche schaffen es auch einfach nicht.
Doch wie soll es sonst gehen? Die derzeitigen Beitragszahlerinnen und -zahler bilden in der gesetzlichen Rentenkasse keine eigenen Rücklagen, sondern finanzieren über das sogenannte Umlageverfahren die Rente für die heutigen Ruheständler. Deren Anzahl steigt in Relation zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter deutlich an, die Rentenbeiträge müssen also steigen. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung bleibt laut Kabinettsbeschluss vom November bis 2026 stabil bei 18,6 Prozent. Danach steigt er bis 2030 auf 20,4 Prozent. Bis 2038 – dem Ende des Vorausberechnungszeitraums – klettert der Beitragssatz auf 22,3 Prozent.
Alle Parteien einig: Renteneintrittsalter soll bei 67 Jahren bleiben
Das Land stößt schon jetzt an die Grenzen seiner Rentenkasse. So beliefen sich die Rentenausgaben im Jahr 2022 auf rund 308 Milliarden Euro. Im Jahr danach waren es schon knapp 380 Milliarden sein. Offizielle Zahlen für 2024 liegen noch nicht vor, die Ausgaben sind aber weiter gestiegen, und es geht immer nur nach oben. Bis 2038 könnten die Ausgaben zur gesetzlichen Rentenversicherung nach Zahlen des Münchner Ifo-Instituts um mehr als 75 Prozent steigen, während die beitragspflichtigen Einkommen lediglich um 50 Prozent zunehmen. Neu ist in dieser Rechnung das „Generationenkapital“: Der Bund hat ein verzinsliches Darlehen in Höhe von 12 Milliarden Euro für den Aufbau eines Kapitalstocks aufgenommen. Aus den Erträgen sollen langfristig Zuführungen an die gesetzliche Rentenversicherung generiert werden.
Die Parteien versprechen allesamt moderat steigende Renten bei gleichbleibendem Renteneintrittsalter von 67 Jahren. Die sogenannte Rente mit 63 soll es demnach weiterhin geben: Langjährige Versicherte können nach 45 Beitrittsjahren in den Ruhestand gehen. Wie das allerdings bezahlt werden soll, dazu sagen die Parteien nichts. Die AfD verspricht eine Rente, die sagenhafte 70 Prozent vom letzten Netto betragen soll. Finanzieren will sie das, indem auch Politiker in die Rentenkasse einzahlen.
Parteiprogramme im Vergleich: Keine Partei will Rentner belasten, Junge dagegen schon
Das Ifo-Institut in München fasst die Finanzierungsmisere in einem Abgleich der Wahlprogramme so zusammen: „Alle größeren Parteien sind offensichtlich darum bemüht, mögliche Belastungen für die Rentnerinnen und Rentner zu vermeiden und stattdessen die Last auf die aktuellen und kommenden Beitragszahler zu verlegen“.
Die Tendenz scheint in Wahrheit also nicht die zu sein, dass die Renten weiter sprudeln und regelmäßig steigen. Wer im Alter Geld vom Staat erwartet, muss in Zukunft fleißig arbeiten – und vor allem lang. Damit sich das nicht bitter anhört, verpacken die Wahlstrategen die bittere Pille in eine schöne Verpackung. So verspricht die CDU in ihrem „Sofortprogramm“ beispielsweise: „Wir führen eine Aktivrente ein. Wer in der Rente freiwillig weiterarbeitet, bekommt sein Gehalt bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei“.
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