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Epstein-Files: Warum spricht niemand über die betroffenen Mädchen und Frauen?

Kommentar

Epstein-Files: Warum spricht niemand über die betroffenen Mädchen und Frauen?

Felicitas Lachmayr
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    In den USA haben Menschen seit langem eine Offenlegung der Epstein-Akten gefordert. Nun hat das Justizminsterium einen Teil der Dokumente veröffentlicht. (Archivbild)
    In den USA haben Menschen seit langem eine Offenlegung der Epstein-Akten gefordert. Nun hat das Justizminsterium einen Teil der Dokumente veröffentlicht. (Archivbild) Foto: Kevin Wolf/AP/dpa

    Die Epstein-Akten sind in vielerlei Hinsicht abscheulich. Sie geben Einblicke in die Abgründe eines verurteilten Sexualstraftäters. Sie offenbaren dessen Verbindungen zu den Mächtigsten aus Politik, Finanzwelt und Tech-Branche. Und sie zeugen von tief verankertem Frauenhass.

    Eigentlich sollte es um die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt an Minderjährigen und Frauen gehen und den Umgang mit Betroffenen. Doch die Debatte dreht sich mal wieder um den Täter und mögliche Mitwisser. Wer saß mit Epstein im Privatjet? Wie schaffte er es, so viele einflussreiche Menschen um sich zu scharen? Der Sexualstraftäter wird zum Strippenzieher stilisiert und das Leid von Betroffenen wie Annie Farmer, Courtney Wild oder Virginia Giuffre, die sich verganenes Jahr das Leben nahm, ignoriert.

    Hunderte Leben wurden zerstört. Dass über diese Leben nicht gesprochen wird, verstört. Es ist wichtig, die Skrupellosigkeit einer reichen Elite zu entlarven. Noch wichtiger ist es, sich mit den Geschichten der Opfer und dem systematischen Schweigen auseinanderzusetzen.

    Die Opfer warten teils seit Jahrzehnten auf eine gerechte Strafe

    Mehr als drei Millionen Dokumente, Fotos und Videos hat das US-Justizministeriums veröffentlicht. Sie zeigen, wie einige der mächtigsten Männer über Frauen sprechen. Sie enthalten peinliche bis verstörende Kommentare, offenbaren Gewaltfantasien und misogyne Denkmuster. Da werden Frauen und Kinder, oft aus prekären Verhältnissen, abgewertet und objektiviert. Die Opfer müssen um Glaubwürdigkeit kämpfen und warten teils seit Jahrzehnten auf eine gerechte Strafe für mögliche Täter, doch offenbar steht weder der Schutz der Betroffenen noch die Aufklärung aller Missbrauchsfälle im Fokus. Das ist der eigentliche Skandal.

    Die Ignoranz spiegelt sich im Umgang der US-Justiz mit den Epstein-Akten. Viele Namen und Nacktfotos von Betroffenen blieben ungeschwärzt, die Regierung tat es als Fehler ab und entfernte die Daten, aber da waren die Bilder schon im Netz. Für die Betroffenen ein erneuter Kontrollverlust und eine retraumatisierende Situation.

    Virginia Giuffre soll als Minderjährige über Jeffrey Epstein an den britischen Prinzen Andrew geraten und von ihm missbraucht worden sein. Sie gehörte zu den bekanntesten Opfern im Missbrauchsskandal. Im April 2025 nahm sie sich das Leben.
    Virginia Giuffre soll als Minderjährige über Jeffrey Epstein an den britischen Prinzen Andrew geraten und von ihm missbraucht worden sein. Sie gehörte zu den bekanntesten Opfern im Missbrauchsskandal. Im April 2025 nahm sie sich das Leben. Foto: Bebeto Matthews/AP/dpa

    Ausgewertet ist der Datenwust noch lange nicht, aber schon jetzt setzen mächtige Männer alles daran, sich reinzuwaschen. Donald Trump, Elon Musk, Bill Gates, Noam Chomsky, Bill Clinton, Steve Bannon, US-Handelsminister Howard Lutnick, der britische Ex-Minister Peter Mandelson, sie alle tauchen in den Akten auf.

    Sie entschuldigen sich, verweisen auf Epsteins manipulativen Charakter, schweigen oder behaupten, nichts von den Verbrechen gewusst zu haben. Nicht jeder, der mit Epstein in Kontakt stand, muss sich schuldig gemacht haben. Aber das schiere Ausmaß des Missbrauchssystems legt nahe, dass doch viele Menschen davon gewusst haben. Epstein soll über Jahre hinweg Minderjährige und Frauen bezahlt und sexuell missbraucht haben, er wurde 2019 wegen Menschenhandels verhaftet und kurz darauf tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden.

    Betroffenen müssen gehört und ihre Glaubwürdigkeit gestärkt werden

    Konkrete Beweise für Mittäter und weitere Straftaten wurden in den Akten bislang nicht gefunden. Aber je mehr Namen auftauchen, desto dringender wird die Frage nach moralischer Verantwortung. Kaum eine der in den Akten genannten Personen hat bislang Interesse an einer umfassenden Aufklärung bekundet. Warum nicht? Weil sie zu feige sind, das Schweigen zu brechen? Weil sie mehr wussten als anfangs behauptet? Weil es leichter ist, wegzusehen? Weil eine Frau aus prekären Verhältnissen weniger wert ist als die eigene Tochter?

    Die Veröffentlichung der Epstein-Akten hat auch US-Präsident Donald Trump unter Druck gesetzt. (Archivbild)
    Die Veröffentlichung der Epstein-Akten hat auch US-Präsident Donald Trump unter Druck gesetzt. (Archivbild) Foto: Mehmet Eser/ZUMA Press Wire/dpa

    Sexualisierte Gewalt endet nicht damit, dass Politiker zurücktreten oder ein Prinz seinen Adelstitel verliert. Es braucht eine ehrliche Auseinandersetzung mit patriarchalen Gewaltstrukturen und dem gesellschaftlich tief verankerten Frauenhass. Betroffenen müssen gehört und ihre Glaubwürdigkeit gestärkt werden. Einige Epstein-Survivors haben ausgesagt und dafür gesorgt, dass die Verbrechen ans Licht kommen. Sie waren mutig, sie sollten im Mittelpunkt stehen.

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