Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer hat sich 2025 erneut massiv erhöht. Wie das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) unserer Redaktion auf Anfrage mitteilte, gingen im vergangenen Jahr insgesamt 3867 Anträge bei der Behörde ein. Allein im Dezember, als der Bundestag das Wehrdienstmodernisierungsgesetz beschloss, wurden 371 entsprechende Schreiben eingereicht – und damit in einem Monat mehr als 2021 insgesamt. Im Jahr vor dem russischen Überfall auf die Ukraine verweigerten nur 201 Personen den Dienst an der Waffe. Seither sind die Zahlen kontinuierlich gestiegen. 2024 lagen sie bei 2249. Das vergangene Jahr bedeutet nochmals eine Steigung um rund 70 Prozent.
Unabhängig von der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht bestand und besteht das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen gemäß Artikel 4 (Absatz 3) des Grundgesetzes zu verweigern. Der Antrag muss ein Anschreiben mit Berufung auf das Grundrecht, einen Lebenslauf und eine ausführliche Begründung enthalten.
Das neue Wehrdienstgesetz greift
Ob die Zahlen im Laufe des Jahres weiter steigen? Bei der Union gibt man sich da zuversichtlich. „Dass eine geringe Anzahl auch vom Recht auf Kriegsdienstverweigerung Gebrauch macht, besorgt mich nicht. Das steht in dieser Größenordnung dem Aufwuchs der Bundeswehr nicht entgegen“, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Union, Thomas Erndl unserer Redaktion.
Fest steht: In Deutschland gilt seit Anfang des Jahres das neue Wehrdienstgesetz. Damit bekommt der Jahrgang 2008 im Laufe des Januars einen Fragebogen zur sogenannten Wehrerfassung zugesandt, den die jungen Männer ausfüllen müssen. Für Frauen ist die Teilnahme freiwillig.
Für junge Männer wird auch die Musterung zum 1. Januar 2026 wieder eingeführt. Der Aufbau der dafür nötigen Kapazitäten dauert aber noch an. Trotzdem soll auch der Jahrgang 2008 schon gemustert werden, möglicherweise dann aber erst im kommenden Jahr. „Aufgrund der derzeit im Aufbau befindlichen Kapazitäten werden die Musterungen schrittweise erfolgen und nach und nach auf den gesamten Jahrgang 2008 ausgeweitet“, erklärt das Verteidigungsministerium. „Bis dahin werden diejenigen, die sich bereit erklären, Wehrdienst zu leisten, nach Auswertung des Fragebogens und wenn sie für den Dienst in den Streitkräften geeignet erscheinen, zu einem Assessment eingeladen.“ Mit der Maßnahme soll sich das Personal der Bundeswehr auf 260.000 aktive Soldaten (bis 2035) und 200.000 Reservisten vergrößern.
Was im Fragebogen steht
Der Fragebogen lässt sich bereits einsehen. Abgefragt werden dort unter anderem Körpergröße und -gewicht, Qualifikationen wie Fahrerlaubnis und Sprachkenntnisse, eine Selbsteinschätzung zum Fitnesslevel, welchen Einsatzbereich man sich vorstellen kann (Heer, Luftwaffe, Marine, Cyber- und Informationsraum) und das „Interesse am Dienst als Soldatin oder Soldat“ auf einer Skala von null („Ich habe kein Interesse“) bis zehn („Ich möchte unbedingt Soldatin oder Soldat werden“).
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, fordern dabei die Unterstützung der Truppe. „700.000 Frauen und Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 erhalten in diesen Tagen einen Fragebogen“, heißt es in einem Tagesbefehl zum Inkrafttreten des Gesetzes für den neuen Wehrdienst an die Frauen und Männer der Bundeswehr, der unserer Redaktion vorliegt. Bereits in den darauffolgenden Monaten würden die ersten Freiwilligen ihren Dienst antreten. „Wer junge Menschen gewinnen will, muss sie ernst nehmen. Wer Leistung fordert, muss Sinn vermitteln“, schreiben Pistorius und Breuer. „Lassen Sie die jungen Menschen erleben, was Kameradschaft ist. Zeigen Sie, wie bereichernd der Dienst in der Bundeswehr ist.“
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