Greg Bovino, oberster Migranten-Jäger der nicht mehr ganz so Vereinigten Staaten von Amerika, trägt einen Mantel, der sicher nur zufällig an Exemplare der deutschen Wehrmacht erinnert.
Elon Musk, reichster Mann der Welt, reckte vor ziemlich genau einem Jahr mehrfach bei einer Trump-Feier die rechte Hand zackig zum Himmel. Sicher nur aus überschäumender Laune, weil er sich so irre über den Wahlsieg seines Gebieters freute.
Und dann, letztes Beispiel, Putins militärische „Spezialoperation“ – wie der Herrscher seinen mörderischen, fast vier Jahre dauernden Angriffskrieg nennt. Der wird laut Kreml-Propaganda geführt, weil Russinnen und Russen von dem neonazistischen Staat bedroht würden, der die Ukraine vorgeblich sei.
Auschwitz bleibt ein Mahnmal gegen Antisemitismus und gegen das Vergessen
Drei Beispiele dafür, wie Geschichte verharmlost, instrumentalisiert und damit Politik (die solcherart oft in Kriegen mündet) gemacht wird. Während Bovinos Mantel und Musks Gruß eher für neo-rechte Strategien stehen, durch regelmäßige Tabubrüche den Diskurs immer weiter zu verschieben (und testosteron-gesättigte Tatkraft symbolisieren sollen), belegt der Putin-Befund bereits ein fortgeschritteneres Autoritarismus-Stadium. Russland rechtfertigt mit Geschichtsfälschung wieder Krieg.
Vor 81 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Auschwitz steht wie kein anderer Ort für das größte Menschheitsverbrechen, das je begangen wurde: Der Völkermord an Millionen Jüdinnen und Juden, verübt vom antisemitischen Nazi-Regime und seinen Vollstreckern, begünstigt von Millionen Deutschen, die denunzierten, mitmachten, wegschauten, verdrängten.
Russland ist nicht Nazi-Deutschland, Putin nicht Hitler
Russland ist nicht Nazi-Deutschland. Putin ist nicht Hitler. Solche historischen Vergleiche bringen wenig. Was aber immer mehr bringt, weil es leider immer weniger geschieht, ist, sich genau zu erinnern. Eine Erinnerungskultur zu pflegen, sie wissenschaftlich zu fundieren und im Lichte des aktuellen Forschungsstandes zu entwickeln. Wo es das nicht gibt, wird wieder vieles möglich, was als überwunden galt. So historisch der Beitrag der Roten Armee ist, Deutschland von den Nazis befreit zu haben, so grausam und zynisch ist es, dass bei den Angriffen auf die Ukraine Menschen ums Leben kommen, die Hitlers Konzentrationslager überlebt haben. Die sterben müssen, weil Russland vorgibt, die Ukraine denazifizieren zu müssen.
Geschichte fälschen, sie zu relativieren, geschieht doch fast immer zu politischen Zwecken. Auch in Deutschland, wo die AfD immer mehr Zuspruch erfährt, in einem Land, in dem der Antisemitismus wieder massiv zunimmt, wo Jüdinnen und Juden immer häufiger verhetzt und angegriffen werden.
KI als Mittel zur Geschichtsfälschung
Zumal es mittels künstlicher Intelligenz neue Möglichkeiten für historische Klitterungen gibt. Aus gutem Grund haben die Leiter der KZ-Gedenkstätten in einem gemeinsamen offenen Brief zuletzt vor Geschichtsverzerrung auf Social-Media-Plattformen gewarnt, vor verharmlosenden und verkitschten Postings, vor veränderten Sehgewohnheiten, davor, dass zunehmend authentische historische Dokumente angezweifelt würden. Sie mahnen vollkommen zu Recht, dass die gesamtgesellschaftliche Herausforderung darin besteht, für die Technologie „ethische und historisch verantwortungsvolle Standards zu entwickeln“.
Was mit massenhaft verbreiteten, historischen Lügen, mit falscher Propaganda, für Untaten möglich waren, weiß man in Deutschland besser als in jedem anderen Land der Welt. Nie wieder!
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