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Warum Senioren Unfälle bauen – und warum nicht

Alternde Gesellschaft

Unfälle mit Senioren am Steuer sind vor allem medizinisch bedingt

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    Sind Seniorinnen und Senioren am Steuer eine Gefahr?
    Sind Seniorinnen und Senioren am Steuer eine Gefahr? Foto: Felix Kästle, dpa

    Die Frage sorgt seit Generationen für heftige Diskussionen: Sollten ältere Menschen den Führerschein sicherheitshalber besser abgeben? Eine neue Studie der Björn Steiger Stiftung kommt zu dem Schluss, dass ab 75 Jahren statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit steigt, einen Unfall zu verursachen. Was für ein Ja als Antwort sprechen würde.

    Die Zahlen kommen allerdings darüber hinaus zu einem Befund, der die bisherige Debatte auf den Kopf stellt: Ältere sind nicht, wie vielfach angenommen, vor allem deshalb in Unfälle verwickelt, weil ihre kognitiven Fähigkeiten nachlassen, sie sich also nicht mehr so schnell auf brenzlige Situationen im Straßenverkehr einstellen können. Schwerer wiegen medizinische Probleme wie Unterzuckerung oder Ohnmachtsanfälle. Und dagegen lässt sich etwas unternehmen.

    „Je älter die Fahrerinnen und Fahrer werden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Unfall auf körperliche oder geistige Mängel zurückzuführen ist“, erklärte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Stiftung, am Dienstag in Berlin. Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Unfälle waren die Fahrer und Fahrerinnen über 65 Jahre alt. Ermittelt wurden die Zahlen auf Grundlage der jährlichen Fahrleistung, sie geben also ein realistisches Bild wieder.

    Je älter die Unfallverursacher waren, desto häufiger tauchte der Hinweis auf medizinische Probleme auf

    Brockmann und seine Experten nahmen sich für die neue Studie nicht nur die reinen Unfallzahlen vor, sie blickten auch jeweils in die Polizeiakten. Und siehe da: je älter die Unfallverursacher waren, desto häufiger tauchte der Hinweis auf medizinische Probleme auf. Rund zwei Drittel der Unfälle bei Menschen zwischen 64 und 74 gingen auf „auffällige medizinische Probleme“ wie Krampfanfälle, plötzliches Unwohlsein, vergessene Medikamenteneinnahme oder Parkinson zurück. In einem Fünftel der Fälle gab es ein medizinisch unbestimmtes Problem. Herzinfarkte kamen zu knapp sieben, Schlaganfälle zu etwa fünf Prozent vor. Ein kognitives Problem wurde lediglich in 2,7 Prozent der Fälle protokolliert. Waren die Menschen am Steuer noch älter, wurden kognitive Defizite nur noch bei 1,3 Prozent der Unfälle beobachtet. An den Vorfällen waren übrigens zu vier Fünfteln Männer beteiligt.

    Weil kognitive Defizite den neuen Zahlen zufolge nicht mehr das Hauptproblem sind, nimmt auch die Debatte über ältere Menschen am Steuer eine neue Wendung. Zum einen wird der Hausarzt zu einer wichtigen Schnittstelle, wie Brockmann erklärte. In der Arztpraxis lassen sich mögliche Probleme identifizieren. Eine verpflichtende Zwangsuntersuchung hält der Experte aber schon deswegen für falsch, weil sie gegen die Verfassung verstoßen würde.

    Senioren am Steuer: Warum eine Smartwatch hilft

    Zudem kann ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall die Autofahrer auch dann ereilen, wenn sie kurz vorher beim Arzt noch topfit schienen. An dieser Stelle kommt die moderne Technik ins Spiel. „Smartwatches können erstaunlich viel mittlerweile“, erklärte Brockmann mit Blick auf hoch technologisierte Armbanduhren. Moderne Assistenzsysteme im Auto seien zudem in der Lage, während der Fahrt ein EKG zu erstellen. Andere könnten erkennen, dass der Fahrer ein Problem habe – das Fahrzeug werde an die Straßenseite geleitet und dort abgestellt, gleichzeitig automatisch ein Rettungswagen verständigt. Ab 2026 müssen alle Neuwagen eine Kamera haben, die den Fahrer beobachtet, auch das dürfte der Sicherheit zuträglich sein.

    „Rückmeldefahrten“ oder auch „Fahrchecks“ bei einer Fahrschule sind nach Brockmanns Einschätzung trotzdem immer noch eine gute Wahl. Die älteren Fahrerinnen und Fahrer seien schließlich „reflektierende Menschen, die mit Kritik auch umgehen können“. Zwischen 80 und 100 Euro kostet so eine Fahrt in etwa, erklärte der Unfallforscher, der an Kassen und Versicherer appellierte, über eine hälftige Kostenübernahme nachzudenken.

    Fahrchecks müssen nicht die Abgabe des Führerscheins bedeuten

    Wenn am Ende einer solchen Fahrt die Einsicht stehe, aufs Auto verzichten zu wollen, müsse das ja nicht immer die Abgabe des Führerscheins bedeuten. „Niemand will einen anderen verletzen“, sagte Brockmann und ergänzte: „Wenn das Auto verkauft wird, ist das Problem ja gelöst“, sagte er. Der „Lappen“ sei schließlich mal der symbolische Eintritt in die Welt der Erwachsenen gewesen. Ihn herzugeben, falle deshalb aus psychologischen Gründen oft nicht leicht.

    Was die Studie auch zeigt: Ältere wissen um ihre Defizite und kompensieren sie, wie Brockmann erklärte. Die Senioren fahren beispielsweise möglichst nicht mehr nach Einbruch der Dunkelheit. An der Kreuzung schauen sie sich nicht nur einmal um, sondern mehrfach. Zudem ist das Bild nicht einheitlich. Einige der Autofahrerinnen und Autofahrer sind auch im hohen Alter immer noch gut und unfallfrei unterwegs.

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