Gavin Newsom spricht im Bayerischen Hof wie einer, der seiner Sache sicher ist. „Was auch immer passiert, wir können es rückgängig machen, wir können uns neu aufstellen, wir können es reparieren”, erklärt der Gouverneur von Kalifornien auf der Münchner Sicherheitskonferenz. In drei Jahren sei der Präsident Vergangenheit. Bis dahin sollte auch Europa ihm die Stirn bieten. „Wenn Menschen sich Trump entgegenstellen, Feuer mit Feuer bekämpfen, dann gibt er nach.”
Der frühe Spitzenreiter im Feld der demokratischen Präsidentschaftsbewerber ließ mit seiner Rede aufhorchen. Doch sein Appell, Stärke zu zeigen, richtete sich mindestens so sehr an die eigene Partei wie an die Europäer. Denn die Basis der Demokraten sehnt sich nach einem Jahr der Exzesse Donald Trumps im Weißen Haus nach jemandem, der dem Präsidenten furchtlos entgegentritt. Newsom hat das instinktiv verstanden.
Alexandria Ocasio-Cortez schärft schon ihr außenpolitisches Profil
Das gilt auch für Alexandria Ocasio-Cortez, besser bekannt als AOC, die mit der linken Ikone Bernie Sanders Sporthallen und Stadien auf ihrer gemeinsamen Anti-Oligarchie-Tour durch die USA füllt. Auch sie kam zur Sicherheitskonferenz nach München, die den möglichen Präsidentschaftsbewerbern der Demokraten ein Podium bot, ihr internationales Profil zu schärfen.
Die 36-Jährige, die fast 37 Millionen Anhänger in den sozialen Medien hat, warnte eindringlich vor den Folgen wachsender Ungleichheit. Um den Rechtspopulismus abzuwehren, müsse die Politik viel mehr auf die Interessen der kleinen Leute ausgerichtet werden. „Andernfalls landen wir in einer Welt, die von Autokraten regiert wird, die den arbeitenden Menschen ebenfalls nichts liefern”, sagt sie.
Arizonas Senator Ruben Gallego gilt als Shooting Star
Der neue Senator aus Arizona, Ruben Gallego, könnte vieles davon unterschreiben. Und hat 2024 in dem Wechselwählerstaat des Südwestens unter Beweis gestellt, wie Demokraten Erfolg haben können. Während Trump dort auch mithilfe hispanischer Männer gewann, unterstützten dieselben Wähler den Demokraten mit 30 Punkten Vorsprung im Rennen um den Senat.
Seitdem gilt der in Europa noch wenig bekannte Senator als Shooting Star der Partei. Einer, der in Boxhallen auftritt, sich mit Pick-up-Trucks zeigt und Klartext spricht. In München nutzte der ehemalige Irak-Veteran die Bühne, daran zu erinnern, dass es nicht nur um Trump geht. „Wir sind immer noch hier,” versicherte der Ex-Marine den Europäern.
Milliardär J.B. Pritzker gibt Trump gerne Kontra
Unbedingt zum Kreis der potentiellen Präsidentschaftsbewerber dazu gezählt werden muss einer, der nicht in München war. Der schwergewichtige Gouverneur aus Illinois J.B. Pritzker scheute die Konfrontation mit Trump von Anfang an nicht. Der Milliardär und Erbe des Hyatt-Hotels-Imperiums verstand es als Auszeichnung, als der Präsident kürzlich damit drohte, ihn wegen seiner Gegenwehr zur Präsenz der Nationalgarde und Einwanderungspolizei ICE in Chicago ins Gefängnis zu werfen.
Als Nachfahre jüdischer Pogrom-Flüchtlinge aus der Ukraine zögert Pritzker nicht, Trumps Vorgehen mit dem Aufstieg des Dritten Reiches zu vergleichen. „Es dauerte 53 Tage, bis die Nazis eine konstitutionelle Republik zerstörten,” sagte er in einer Rede im Februar 2025. Damals wie heute sei es die Feigheit von Menschen in Führungspositionen, die mit dafür verantwortlich seien.
Während die Präsidentschaftswahlen 2028 in der Dramaturgie amerikanischer Wahlkämpfe noch Lichtjahre entfernt sind, setzen die potentiellen Bewerber auf dasselbe Erfolgsrezept: Sie versuchen Stärke in einer schwachen Partei zu projizieren.
Bevor das Weiße Haus in den Blick gerät, wartet auf die Demokraten bei den Midterms im November eine Bewährungsprobe. Dabei wählen die Amerikaner das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel der Senatoren neu. Hier tun sich Gräben auf zwischen dem in München zur Schau gestellten Selbstbewusstsein der Aspiranten um die Präsidentschaftsnominierung und dem Zustand ihrer Partei.
In einer Umfrage von Mitte Dezember lag die Zustimmung zur Oppositionsarbeit der Demokraten im Kongress bei 18 Prozent. Verglichen damit schnitt Trump mit seinen 36 Prozent Zustimmung bestens ab. Die Demokraten haben sich in der Wahrnehmung der Wähler von einer Partei der kleinen Leute unter Barack Obama zu einer der gebildeten Eliten und Besserverdiener unter Joe Biden verwandelt.
Nach der Rückkehr Trumps ins Weiße Haus wählten die Demokraten mit Ken Martin einen Apparatschik zum Generalsekretär, der die Schwäche der Partei aus Sicht vieler Analysten personifiziert. „Demokraten sind nicht dafür gebaut, wenn die Faschisten kommen”, attestiert ehemalige republikanische Strategin Sarah Longwell ihren neuen Verbündeten oft fehlenden Kampfeswillen.
Newsom, Ocasio-Cortez und Co. bereiten sich auf 2028 vor
Während Trump die Abrissbirne durch die Staatsbürokratie schwingen ließ, die Welt mit Zöllen überzog, die Ukraine im Stich ließ, einem NATO-Verbündeten wegen Grönland drohte, den Führer Venezuelas entführte und daheim Minneapolis und andere große Städte mit paramilitärischen Einheiten terrorisierte, verloren sich Martin und die Parteiführung in zaghaftem Klein-Klein.
Der Stratege der Bill-Clinton-Wahlsiege, James Carville, bleibt dennoch hoffnungsvoll für die Midterms. Er rät seiner Partei rät, der Selbstdemontage Trumps nicht im Weg zu stehen. Falls Carville recht behält, könnte es für die Demokraten bei den Zwischenwahlen besser laufen als der traurige Zustand der Partei befürchten lässt.
Danach kehrt sich die Dynamik um, weil 2028 in den Blick gerät. Für diesen Zeitpunkt positionieren sich Newsom, Ocasio-Cortez, Gallego, Pritzker und vielleicht auch der frühere US-Vizepräsidentin Kamala Harris, die mit einem Buch ihr Interesse zu erkennen gab.
Doch sicher ist keineswegs, dass Newsoms selbstbewusstes Versprechen an die Europäer wahr wird. Die Demokraten haben Talent, den Ernst der Lage zu unterschätzen. Als Kronprinzen Trump haben sich Marco Rubio und J.D. Vance bereits in Stellung gebracht. Trump mag 2028 Vergangenheit sein, nicht aber seine Politik.
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