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Wer profitiert von der Aktivrente? Ein Faktencheck

Rente

2000 Euro steuerfrei im Monat? Was hinter der Aktivrente steckt

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    Wer auch im Alter arbeitet, soll bis zu 2.000 Euro steuerfrei verdienen können.
    Wer auch im Alter arbeitet, soll bis zu 2.000 Euro steuerfrei verdienen können. Foto: Tim Brakemeier, dpa

    Mit der geplanten Aktivrente betritt die Bundesregierung politisches Neuland. Als Rentner 2000 Euro im Monat steuerfrei verdienen: Nirgendwo sonst auf der Welt sei das möglich, sagt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann – und zitiert stolz die angesehene Wirtschaftszeitung Financial Times: „Deutschland probiert etwas aus.“ Erfunden, um Beschäftigte länger im Beruf zu halten und die Wirtschaft wieder anzukurbeln, hat die Aktivrente allerdings auch ihre Tücken. Ein Faktencheck.

    Was will die Koalition mit der Aktivrente erreichen?

    Um das Arbeiten im Alter attraktiver zu machen und den Fachkräftemangel zu bekämpfen, führen Union und SPD Anfang nächsten Jahres einen neuen Steuerfreibetrag ein. Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht hat und trotzdem weiter arbeitet, kann jeden Monat 2000 Euro verdienen, ohne dass darauf Steuern fällig werden. Rechnet man den allgemeinen Grundfreibetrag dazu, bleiben jeden Monat sogar 3029 Euro steuerfrei – unabhängig davon, ob der Beschäftigte seine Rente bereits bezieht oder ob er (bzw. sie) den Rentenbezug aufschiebt. Wer ihn aufschiebt, erhält von der Rentenkasse einen Zuschlag von 0,5 Prozent pro Monat auf die spätere Rente. Generell gilt: Die Aktivrente ist freiwillig, niemand soll gezwungen werden, länger zu arbeiten. Umgekehrt hat ein Arbeitnehmer aber auch keinen Anspruch darauf, dass seine Firma ihn über das Rentenalter hinaus beschäftigt. Den neuen Steuervorteil gibt es nur, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich einig sind.

    Wer hat alles Anspruch auf die Aktivrente?

    Die Aktivrente können nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte erhalten, die das gesetzliche Rentenalter bereits erreicht haben – Anfang 2026 sind das je nach Geburtsjahr 66 Jahre und zwei bzw. vier Monate. Selbstständige, Freiberufler, Beamte, Landwirte, Minijobber und angestellte Frührentner haben keinen Anspruch auf den Steuervorteil. Nach einem Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag könnte genau das allerdings noch verfassungsrechtliche Probleme aufwerfen, weil die Regelung gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz verstoßen könnte. Danach handelt es sich bei dem 2000-Euro-Bonus für arbeitende Rentner um eine „erhebliche Abweichung von der gleichmäßigen Lastenverteilung der Einkommensteuer“. 

    Für wie viele Rentner kommt die Aktivrente überhaupt in Frage?

    Dazu gibt es unterschiedliche Schätzungen. Theoretisch erfüllen im kommenden Jahr knapp 700.000 Menschen die Voraussetzungen für die Aktivrente. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft rechnet damit, dass sie am Ende rund 230.000 Beschäftigte nutzen werden. Das Bundesfinanzministerium kalkuliert etwas vorsichtiger und spricht von 168.000 Begünstigten. Geschätzte Einnahmeausfälle für den Fiskus auf dieser Basis: knapp 900 Millionen Euro jährlich. Kritiker der Reform monieren, dass von der Aktivrente vor allem wohlhabende Rentner aus akademischen Berufen profitieren, in Branchen mit hohen körperlichen oder mentalen Belastungen dürfte das Interesse dagegen deutlich geringer sein. Hier halten viele Beschäftigte gar nicht bis zur gesetzlichen Altersgrenze durch. Unklar ist auch, wie viele Arbeitgeber ihre älteren (und tendenziell teureren) Beschäftigten überhaupt über das Rentenalter hinaus weiterbeschäftigen wollen. Am Kernproblem, moniert das Institut der deutschen Wirtschaft, ändere die Aktivrente ohnehin nichts: Zu wenige Erwerbstätige müssten zu viele Rentner finanzieren.

    Müssen Aktivrentner Sozialabgaben zahlen?

    Ja - zumindest teilweise. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen der Aktivrentner und sein Arbeitgeber weiterhin jeweils zur Hälfte. An die Rentenkasse muss bei der Aktivrente nur noch der Arbeitgeber Beiträge abführen – seine Beschäftigten können allerdings freiwillig einzahlen, um weitere Rentenansprüche zu erwerben. Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen Rentner nicht. Grob gerechnet gehen von 2000 Euro steuerfreier Aktivrente etwa 200 Euro an die Sozialkassen. Ein Teil der Steuerausfälle wird also durch zusätzlichen Einnahmen dort kompensiert.

    Treibt die Aktivrente die Steuersätze für das übrige Einkommen in die Höhe?

    Nein. Der steuerfreie Betrag unterliegt nicht dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das heißt: Er erhöht den Steuersatz auf die übrigen Einkünfte (Rente, Vermietung, Kapitalerträge) nicht. Ebenfalls wichtig zu wissen: Wer vielleicht nur 1500 Euro im Monat dazuverdient, kann die übrigen 500 Euro Freibetrag nicht auf andere Einkünfte übertragen, dieser Teil des Freibetrages verfällt dann.

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