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Wichtige Leistungsgruppe gestrichen: Infektiologen-Präsidentin warnt Koalition: „Dieses Gesetz gefährdet Patienten“

Interview

Infektiologen-Präsidentin warnt vor Koalitionsplan: „Dieses Gesetz gefährdet Patienten“

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    Die Professorin Maria Vehreschild ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und leitet den Spezialbereich am Frankfurter Universitätsklinikum.
    Die Professorin Maria Vehreschild ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und leitet den Spezialbereich am Frankfurter Universitätsklinikum. Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

    Frau Professor Vehreschild, Mediziner verschiedener Fachrichtungen protestieren gegen die Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken. Demnach soll die Infektiologie im Krankenhausreformgesetz keine gesicherte Finanzierung über eine eigene sogenannte Leistungsgruppe erhalten. Was bedeutet das aus Patientensicht?
    MARIA VEHRESCHILD: Das bedeutet, dass Patientinnen und Patienten mit akuten oder chronischen Infektionskrankheiten künftig nicht mehr damit rechnen können, eine Versorgung zu erhalten, die ihrem Krankheitsbild gerecht wird. Schon heute ist das eine Versorgungslücke, denn es gibt nur wenige Infektiologinnen und Infektiologen in den Krankenhäusern. Ohne Leistungsgruppe wird sich diese Versorgungslücke noch weiter zuspitzen.

    Warum ist eine eigene Leistungsgruppe so wichtig?
    VEHRESCHILD: Eine Leistungsgruppe stellt sicher, dass ein Krankenhaus eine Finanzierung im Rahmen von sogenannten Vorhaltekosten erhält, um die darin definierten komplexen Leistungen überhaupt anbieten zu können. Im konkreten Fall geht es um die komplexe und hochkomplexe Infektiologie. Die Kliniken stehen heutzutage unter großem ökonomischen Druck: Wenn ein Krankenhaus Mittel nicht bekommt, weil es eine Leistungsgruppe nicht gibt, wird es auch weniger bereit sein, entsprechende Stellen auszuschreiben oder Weiterbildungen zu fördern. Das hätte zur Folge, dass bundesweit immer weniger Stellen für Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin und Infektiologie entstehen – und damit auch weniger Weiterbildungsmöglichkeiten. Am Ende droht unser Fachwissen in der Infektiologie auszusterben und damit auch die entsprechende Versorgung..

    Kliniken mit eigener Infektiologie sollen um bis zu 20 Prozent niedrigere Sterbezahlen haben, weniger Antibiotika einsetzen und gelten auch als besonders erfolgreich im Umgang mit resistenten Erregern. Wird dieser Fortschritt nun gefährdet?
    VEHRESCHILD: Ja, all diese Beschreibungen sind korrekt. Und genau diese substanziellen Verbesserungen, die wir in den vergangenen Jahren erreicht haben, wären durch das neue Gesetz gefährdet.

    Gerade gegen Antibiotika resistente Keime gelten in Deutschland immer mehr als sehr gefährliches Problem für Patientinnen und Patienten. Warum ist die Infektiologie hier entscheidend?
    VEHRESCHILD: Beim sogenannten „Antimicrobial Stewardship“ geht es um gezielte Interventionen in Kliniken, um unsachgemäße Antibiotikaverordnungen zu vermeiden. Das ist eine interdisziplinäre Aufgabe, aber die Infektiologie spielt darin eine führende Rolle. Die Facharztweiterbildung vermittelt dieses Wissen ganz gezielt. Wenn wir weniger Infektiologen ausbilden, wird zwangsläufig auch die sachgemäße Antibiotikaverschreibung leiden. Und das führt wiederum zu mehr Resistenzen und erschwert die Behandlung bakterieller Infektionen. Das ist ein direkter Patientenschutz – und der würde geschwächt.

    Die Gesundheitsministerin argumentiert, eine eigene Leistungsgruppe sei nicht nötig – andere Gruppen deckten das ab. Wo liegt aus Ihrer Sicht der Unterschied?
    VEHRESCHILD: Natürlich gibt es unterschiedliche Infektionen, von leicht bis hochkomplex. Für eine unkomplizierte Harnwegsinfektion brauche ich keine eigene Leistungsgruppe. Aber unsere Definition bezieht sich auf komplexe und hochkomplexe Infektionen. Das Wissen, das dafür nötig ist, ist in der allgemeinen Inneren Medizin oft nicht vorhanden. Es geht um sehr spezifische Expertise.

    Von welchen Fällen sprechen Sie konkret?
    VEHRESCHILD: Nehmen Sie eine multiresistente Tuberkulose, eine Infektion nach Stammzelltransplantation oder im Rahmen einer fortgeschrittenen HIV-Infektion. Auch Infektionen von Patientinnen und Patienten mit Implantaten wie beispielsweise künstlichen Herzklappen können sehr herausfordernd sein. Dann braucht es tiefes Spezialwissen, um medikamentös helfen zu können. Genau dafür werden Infektiologinnen und Infektiologen ausgebildet.

    Was fordern Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen?
    VEHRESCHILD: Wir hoffen sehr, dass die Abgeordneten im Bundestag die Streichung der Leistungsgruppe rückgängig machen. Dass die Schaffung einer Leistungsgruppe einen gewissen Aufwand bedeutet, kann kein Grund sein, fachlich notwendige Strukturen wegzulassen und den Patientenschutz zu gefährden. Wir werden alles daransetzen, die Behandlungsqualität für unsere Patientinnen und Patienten auch künftig zu sichern. Bis zu den weiteren Beratungen im Bundestag werden wir versuchen, auf diesen – wie ich finde – gravierenden Fehler aufmerksam zu machen.

    Zur Person: Maria Vehreschild ist Professorin für Infektiologie und leitet den Fachbereich am Universitätsklinikum Frankfurt sowie die Arbeitsgruppe Mikrobiomforschung am Uniklinikum Köln. Seit 2023 ist die 46-Jährige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI).

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