Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Zwei Drittel weniger Asylanträge: Warum die Flüchtlingszahlen stark zurückgehen

Asyl

Zwei Drittel weniger Asylanträge: Warum die Flüchtlingszahlen stark zurückgehen

  • |
  • |
  • |
  • |
    Küstenschutzpolizist der EU-Grenzschutzagentur Frontex.
    Küstenschutzpolizist der EU-Grenzschutzagentur Frontex. Foto: Christian Charisius, dpa

    Der verschärfte Kurs der EU in der Flüchtlingspolitik zeigt Wirkung: Die Zahl der illegalen Grenzübertritte ist im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent zurückgegangen und hat sich damit seit 2023 halbiert. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner nannte die von der Grenzschutzagentur Frontex vorgelegten Zahlen „ein positives Signal“. Die Grenzschutzbehörde registrierte demnach in jenen zwölf Monaten 2025 knapp 178.000 Versuche, illegal nach Europa zu kommen, das heißt ohne gültige Papiere, Visum oder Aufenthaltsgenehmigung.  Es ist der niedrigste Wert seit 2021, als die Corona-Pandemie etliche Menschen von der Überfahrt abgehalten hatte.

    Frontex warnt vor anhaltendem Migrationsdruck

    Frontex sprach von einer „beachtlichen Entwicklung“, warnte jedoch, dass die Situation an den Außengrenzen der Europäischen Union ungewiss bleibe. „Der Trend entwickelt sich in die richtige Richtung, aber die Risiken verschwinden nicht“, sagte Frontex-Chef Hans Leijtens.  Der „Migrationsdruck“ könne sich rasch zwischen Routen verlagern, beeinflusst durch Konflikte, Instabilität und Schleusernetzwerke, heißt es in dem Bericht. 

    Die Haupt-Migrationsroute in die EU ist weiterhin das zentrale Mittelmeer. Meist wählten die Menschen den Weg von Libyen an die italienische Küste. Hier verzeichnete die Behörde kaum einen Unterschied zum Vorjahr. Dagegen sank die Zahl auf der sogenannten Westafrika-Route. Rund 60 Prozent weniger Menschen machten sich von Mauretanien, Marokko und dem Senegal aus auf den Weg in Richtung der Kanarischen Inseln und dann auf das spanische Festland.

    Nur auf der Route nach Kreta nehemen Flüchtlingszahlen zu

    Auch die östliche Mittelmeerroute über die Türkei nach Griechenland und Zypern wählten 2025 rund ein Drittel weniger Migranten als im Jahr zuvor. Eine Ausnahme gibt es: So verdreifachten sich laut Frontex die Versuche, von Ostlibyen auf die griechische Insel Kreta zu gelangen. Die meisten Menschen, die unrechtmäßig auf europäischem Boden angekommen sind, stammen aus Bangladesch, Ägypten oder Afghanistan. 

    Brunner lobte den Abwärtstrend als „Ergebnis stärkerer Außengrenzen und wirksamer internationaler Partnerschaften“. Es zeige, „dass unsere Migrationsdiplomatie wirkt“. Anfang 2025 unterzeichneten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Jordaniens König Abdullah II. ein Partnerschaftsabkommen, in dem die EU Darlehen und Investitionen in Höhe von drei Milliarden Euro zusagte. Der Deal folgte ähnlichen Vereinbarungen mit Tunesien, Ägypten, Marokko und Mauretanien.

    In Deutschland sinkt Zahl der Asylanträge massiv

    Die dortigen Regierungen sollen Schleusernetzwerke zerschlagen und Menschen davon abhalten, in Boote gen Europa zu steigen. Dafür erhalten sie Milliarden Euro an Wirtschafts- und Finanzhilfen überwiesen. Trotzdem kamen weiterhin zahlreiche Menschen bei den gefährlichen Überfahrten ums Leben. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starben 2025 mindestens 1.878 Menschen im Mittelmeer, verglichen mit 2.573 im Vorjahr. 

    Neben den Flüchtlingsabkommen wird die sinkende Zahl der in der EU Ankommenden mit der verstärkten Kooperation mit den Westbalkanstaaten erklärt. Die neuen Regeln, die auf Abschreckung und Abschottung setzen, sollen die Zahl der Neuankömmlinge senken, Asylverfahren beschleunigen und sie an die Außengrenzen verlagern. Migranten mit geringer Aussicht auf Asyl sollen etwa nach Schnellverfahren an den Außengrenzen sofort wieder abgeschoben werden. Zudem will die EU endlich eine gerechte Verteilung der Lasten in Europa erreichen. 

    In Deutschland sank die Zahl der Asylbewerber allein im vergangenen Jahr sogar um 50,7 Prozent auf 113.236 Erstanträge. Im Vergleich zu 2023 sank sie damit sogar um knapp 66 Prozent, so stark wie in Kaum einem anderen EU-Land.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren