Wenn der Hund sich plötzlich ständig kratzt, an den Pfoten knabbert oder unruhig wirkt, steckt oft mehr dahinter als nur ein bisschen Juckreiz. Besonders im Sommer und Herbst machen winzige Parasiten vielen Vierbeinern das Leben schwer: Grasmilben. Die Larven dieser Spinnentiere sind kaum zu erkennen, können aber starken Juckreiz auslösen und Hund wie Halter zur Verzweiflung treiben. Doch wie merkt man überhaupt, ob der eigene Hund betroffen ist – und was hilft dann wirklich?
Was sind Grasmilben und wann treten sie auf?
Grasmilben, auch Herbstgrasmilben, Erntemilben oder Heumilben genannt, gehören zur Familie der Spinnentiere. In Europa ist vor allem die Art „Neotrombicula autumnalis“ bekannt, wie das Parasitenportal des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim klarstellt. Laut einem Papier des Gesundheitsamts Baden-Württemberg leben erwachsene Milben für gewöhnlich im Boden, sind für Mensch und Tier harmlos und ernähren sich von Pflanzenmaterial. Problematisch sind ausschließlich ihre Larven: Sie sitzen an der Spitze von Grashalmen und warten darauf, von Tieren oder Menschen abgestreift zu werden.
Die Landwirtschaftskammer NRW erläutert, dass die winzigen Larven etwa 0,2 bis 0,4 Millimeter groß, leuchtend orange bis rötlich gefärbt sind und dadurch mit einer Lupe oder als Pünktchen auf heller Kleidung erkannt werden können. Sie suchen bei Mensch und Tier bevorzugt dünnhäutige und feuchte Körperstellen, wo sie mit ihren Mundwerkzeugen die oberste Hautschicht anritzen und Gewebsflüssigkeit aufnehmen.
Die Hauptsaison der Grasmilbenlarven liegt zwischen Juni und Oktober, also in den warmen und trockenen Monaten des Jahres. Ein Wissens-Beitrag von ARD Alpha weist darauf hin, dass die Tiere besonders an sehr heißen Tagen aktiv sind – eine Zeit, in der Halter ohnehin stärker auf ihren Hund achten sollten. Die Verbreitung der Grasmilben ist in Deutschland regional unterschiedlich. Betroffen sind das Rheinland, Teile Hessens und Bayerns sowie der Süden Deutschlands, während in Mitteleuropa insgesamt lokale „Trombicula-Herden“ auftreten.
Grasmilben beim Hund erkennen: Was sind die Symptome?
Beim Menschen fallen Grasmilben häufig schon an der Kleidung auf, doch wie erkennt man sie beim Hund? Tatsächlich bemerken die meisten Tierhalter einen Befall erst, wenn es schon zu spät ist. Die Larven machen sich in erster Linie durch starken Juckreiz bemerkbar. Laut dem Versicherer Agila würden die Tiere sich dann häufig kratzen, lecken und die betroffenen Stellen benagen, um den quälenden Juckreiz zu lindern.
Typische Körperregionen, an denen sich die Larven ansiedeln, sind vor allem Bereiche mit dünner Haut oder Bodennähe: zwischen den Zehen, an den Pfoten, am Bauch, in der Leistenregion, an den Ohrrändern oder sogar am Nasenrücken und an den Augenbögen. Nur durch ihre auffällig leuchtend orange bis rötliche Färbung können die winzigen Larven manchmal als kleine Punkte auf der Haut erkannt werden, schreibt das Parasitenportal.
Die Stiche selbst äußern sich durch rote Pusteln, Papeln oder Quaddeln, die stark jucken und zu Hautrötungen führen können. Bei empfindlichen Tieren kommt es zudem zu abschürfenden Stellen oder Haarausfall, wenn sie die Haut übermäßig kratzen. Während die Bisse zwar lästig, aber nicht gefährlich sind – Grasmilben übertragen in Deutschland keine Krankheiten – können durch wunde, aufgekratzte Hautstellen sekundäre Infektionen entstehen, die tierärztlich behandelt werden sollten.
Wie behandelt man Grasmilben?
Bei einem Befall mit Grasmilben steht die Linderung des Juckreizes im Vordergrund. Hunde zeigen oft starkes Kratzen oder Beißen, was zu Wunden führen kann – daher sollte man rechtzeitig gegensteuern.
Ob ein Grasmilbenbefall vorliegt, stellt ein Tierarzt mithilfe einer Untersuchung unter dem Mikroskop fest. Für die Behandlung stehen Medikamente gegen Milben zur Verfügung, die auch bei anderen Parasitenarten eingesetzt werden. Dazu gehören primär Spot-on-Präparate und Shampoos, die den Befall eindämmen. Zusätzlich können entzündungshemmende Mittel, Lotionen oder Salben verordnet werden, um Hautreizungen und Juckreiz zu lindern, erklärt Versicherer Agila.
Zur akuten Linderung können außerdem kühle Wickel oder Umschläge, etwa mit Kamillentee, helfen. Solche Hausmittel sollten allerdings mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt abgesprochen werden, um Hautreizungen oder Wechselwirkungen zu vermeiden. Entscheidend ist auch, dass der Hund nicht unkontrolliert kratzt – im Zweifel kann ein Halskragen notwendig sein, um Wunden und Infektionen zu verhindern.
Nach wenigen Tagen lassen die Larven von Hund – und auch Mensch – ab, wenn sie genügend Gewebsflüssigkeit aufgenommen haben. Hunde können zwischenzeitlich sogar Hunderte bis Tausende Larven gleichzeitig mit sich tragen, diese fallen nach kurzer Zeit aber selbst wieder ab. Der Hund ist demnach kein Dauerwirt für die Tiere.
Grasmilben vorbeugen: Wie schützt man Hunde?
Weil Grasmilben beim Hund nicht dauerhaft abgetötet werden können, liegt der wichtigste Ansatz darin, den Vierbeiner vor einem neuen Befall zu schützen. Hundehalter sollten daher während der Hauptsaison zwischen Juni und Oktober möglichst trockene Wiesen, Waldränder und Flächen mit hohem Gras meiden, da dort besonders viele Larven lauern, warnt das Parasitenportal. In Gegenden mit bekannten „Trombicula-Herden“ – also lokal gehäuftem Vorkommen – sei laut dem Portal besondere Vorsicht geboten.
Nach jedem Spaziergang sollte der Hund gründlich untersucht werden, insbesondere an den Pfoten, zwischen den Zehen, am Bauch, an den Ohrrändern und in der Leistenregion. Versicherer Agila empfiehlt in diesem Zusammenhang, die Pfoten mit einem feuchten Tuch abzuwischen. Dies könne dabei helfen, die Larven zu entfernen, bevor sie sich festsetzen. Regelmäßiges Bürsten unterstützt zusätzlich, Parasiten frühzeitig zu entdecken.
Im eigenen Garten können einfache Maßnahmen die Zahl der Milben drastisch verringern: regelmäßiges Rasenmähen und Wässern entziehen den Larven ihre bevorzugten trockenen Lebensbedingungen, heißt es in einem Beitrag der Apotheken Umschau. Wichtig ist, den Rasenschnitt sofort zu entsorgen, am besten nicht auf dem offenen Kompost, da sich dort Milben durch Nagetiere weiter vermehren können.
Um einen Befall beim Hund zu vermeiden, können natürlich schon vorab Repellents oder Spot-on-Präparate genutzt werden. Dies sollte allerdings immer in Abstimmung mit einem Tierarzt erfolgen.
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