Auch wenn viele Hundehalter vermutlich denken, dass ihre Hunde einzigartig sind, mit all ihren Besonderheiten und Schwierigkeiten, gibt es durchaus spezifische Merkmale, die für viele Hunde einer Rasse gelten. So auch im Hinblick auf Fressverhalten und -motivation. Während manche Hunderassen eher mäkelig sind, stürzen sich andere geradezu gierig auf jede Mahlzeit. Diese Verfressenheit lässt sich teilweise auf genetische und Verhaltensfaktoren zurückführen.
Verfressene Hunde: Genetische Faktoren bei bestimmten Rassen
Eine wichtige Ursache liegt in genetischen Faktoren, die das Fressverhalten einiger Hunderassen beeinflussen. Zum Beispiel bei Retrievern wie Labrador und Golden Retriever. In einer Studie, die 2016 von der University of Cambridge veröffentlicht wurde, wurde untersucht, warum viele Retriever zu dick sind. In vielen Fällen steckt demnach eine Genmutation dahinter: Bei einem Großteil der Labrador Retriever und Flat Coated Retriever wurde eine Mutation im Proopiomelanocortin-Gen (POMC) identifiziert.
Dieses Gen reguliert im Gehirn das Hunger- und Sättigungsgefühl. Die Mutation bei Retrievern sorgt dafür, dass Sättigungssignale beeinträchtigt und betroffene Hunde stärker auf Futter fokussiert sind, weil sie sich nach kurzer Zeit wieder hungrig fühlen. Außerdem fanden die Forschenden heraus, dass betroffene Labradore und Flat Coated Retriever rund ein Viertel weniger Kalorien verbrennen als ihre Artgenossen. Das heißt, sie setzen bei derselben Menge Futter schneller Fett an als Tiere ohne die Genveränderung.
Gesteigerte Fressmotivation: Verhalten von Hundehalter und Hund
Aber nicht nur die Genetik, sondern auch das erlernte Verhalten zwischen Mensch und Hund trägt einen Teil zur erhöhten Futtermotivation bei. Futter spielt für viele Hunde eine zentrale Rolle im Belohnungssystem. Das Fütterungsmanagement allgemein hat großen Einfluss auf einen Hund. Bestimmte Praktiken – wie häufiges Training mit Leckerlis, Portionsgrößen und Futterumstellung – können das Gewicht und die Futtermotivation eines Hundes erheblich beeinflussen. Die Hunde können ein dauerhaft gesteigertes Interesse an Futter entwickeln und lernen, wie sie durch bestimmtes Verhalten an die Nahrung gelangen.
Eine US-Studie mit knapp 14.000 Hunden aus dem Dog Aging Project – einer langfristigen biologischen Studie an der University of Washington über das Altern von Hunden – untersuchte mithilfe eines speziellen Fragebogens, wie Futtermotivation und Fütterungsverhalten mit Übergewicht zusammenhängen. Dabei zeigte sich, dass Hunde mit höherer Futtermotivation deutlich häufiger übergewichtig sind – unabhängig davon, wie streng ihre Halter Futtermenge und Bewegung kontrollieren. Auch äußere Faktoren wie Rasse, Haushaltsumfeld und Wohnort spielten eine Rolle: Stadthunde und Tiere in Mehrhundehaushalten neigen eher zu Übergewicht, ebenso bestimmte Rassegruppen wie Labrador Retriever – die genetisch bedingt besonders futtermotiviert sind, wie bereits erläutert wurde.
Verfressene Hunde: Folgen und Risiken
Ein positiver Aspekt dieses Fressverhaltens: Verfressene Hunde sind auch beim Training stark futtermotiviert und können mit einer Belohnung durch Leckerlis oft gut lernen. Auf der negativen Seite kann die stärkere Futtermotivation aber auch zu erhöhtem Körpergewicht und mehr Körperfett führen. Damit verbunden ist laut der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) ein stark erhöhtes Risiko für Gelenk-, Herz- und Kreislaufprobleme.
Hundehalter sollten deshalb unbedingt auf das Gewicht ihrer Vierbeiner sowie auf eine ausgewogene Ernährung achten und für genügend Bewegung sorgen, damit es nicht zu Übergewicht kommt. SWR Kultur empfiehlt zum Beispiel, auch Gemüse und Obst statt kalorienreicher Snacks als Leckerlis zu verwenden. Käse und Fleischwurst sollten Ausnahmen beim Füttern bleiben.
Übrigens: Hunde dürfen nicht alles fressen, was Menschen bedenkenlos essen können. Hundehalter sollten sich daher immer vorab informieren, ob Hunde Paprika fressen dürfen oder Erdbeeren. Vorsicht ist bei Schokolade geboten, diese ist für Hunde giftig.
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