Sonne, Meer, gutes Essen und ein entspannter Lebensstil: Dafür ist Portugal bekannt. Damit ist das Land auf der Iberischen Halbinsel nicht nur ein gefragtes Urlaubsziel, sondern auch ein Sehnsuchtsort für Auswanderer. Einer Auswertung des Statistischen Bundesamts zufolge sind im Jahr 2024 knapp 10.000 Menschen aus Deutschland nach Portugal ausgewandert, darunter etwa 2400 deutsche Staatsbürger. Damit belegt Portugal Platz 16 der beliebtesten Auswanderungsländer der Deutschen. Demnach scheinen einige Gründe dafür zu sprechen, den Lebensmittelpunkt nach Portugal zu verlegen. Doch Auswanderer können dort auch auf die eine oder andere Hürde stoßen. Das sind die wichtigsten Vor- und Nachteile im Überblick.
Auswandern nach Portugal: Welche Vorteile bringt das Leben dort mit sich?
Angenehmes Klima
Dank seiner Lage am Atlantik herrscht in Portugal nahezu rund ums Jahr ein angenehmes Klima mit milden Wintern und warmen Sommern. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt laut dem Portal wetter.de im Norden des Landes bei 19,1 Grad, im Süden bei 21,9 Grad Celsius. Während der Wintermonate kann es vor allem im nördlichen Teil Portugals häufiger regnen, im Zentrum sowie im Süden des Landes bleibt es trockener. Selbst zur kältesten Jahreszeit im Januar und Februar bleibt es mit einem durchschnittlichen Temperaturminimum von 14 Grad vergleichsweise mild. Im Sommer scheint die Sonne insbesondere im Süden bis zu elf Stunden am Tag und das Thermometer kratzt zwischen Juli und September häufig an der 30-Grad-Marke.
Übrigens: Auch Teneriffa gilt aufgrund seiner ausgeglichenen, milden Temperaturen das ganze Jahr über als beliebtes Urlaubsziel.
Hohe Sicherheit
Portugal gilt als ein sehr sicheres Land. Im weltweiten Ranking des Global Peace Index 2025, das Faktoren wie gewaltsame Konflikte, Militarisierung und gesellschaftliche Sicherheit berücksichtigt, belegt das Land den siebten Platz – und landet damit weit vor Deutschland auf Rang 20. Die Gewaltkriminalitätsrate in Portugal ist vergleichsweise niedrig. Laut dem Auswärtigen Amt kann es an touristisch frequentierten Orten jedoch häufiger zu Taschendiebstählen kommen.
Unkomplizierte Aufenthaltsbestimmungen
Da Portugal wie Deutschland Mitgliedsstaat der EU ist, sind Einreise und Aufenthalt für deutsche Auswanderer relativ unkompliziert geregelt. Wer seinen Wohnsitz nach Portugal verlegen möchte, muss sich nach Angaben der Deutschen Botschaft in Lissabon innerhalb von 30 Tagen nach der Einreise bei der Stadt-, Gemeinde- oder Kreisverwaltung des neuen Wohnorts anmelden. Diese stellt eine Anmeldebescheinigung aus, die fünf Jahre gültig ist. Nach einem ununterbrochenen rechtmäßigen Aufenthalt von fünf Jahren erteilt die portugiesische Ausländerbehörde AIMA eine auf zehn Jahre befristete Aufenthaltsgenehmigung. Zudem kann nach fünf Jahren legalen Aufenthalts im Land die portugiesische Staatsbürgerschaft beantragt werden, wie auf der Website der portugiesischen Justizbehörde nachzulesen ist.
Vergleichsweise geringe Lebenshaltungskosten
Generell ist das Leben in Portugal in vielen Bereichen günstiger als in anderen westlichen Ländern. Im europaweiten Vergleich der Lebenshaltungskosten befindet sich Portugal im hinteren Mittelfeld, wie eine Eurostat-Auswertung zeigt. Demnach liegen die Kosten für Konsumgüter und Dienstleistungen wie Lebensmittel, Kleidung, Mobilität, Informations- und Kommunikationstechnik in Portugal deutlich hinter denen in Deutschland. Allerdings fällt der jährliche Durchschnittslohn in Portugal laut Zahlen der OECD mit 23.177 Euro auch weniger als halb so hoch aus wie in Deutschland mit 50.257 Euro.
Nach Portugal auswandern: Welche Nachteile gibt es?
Schwieriger Arbeitsmarkt
In den vergangenen Jahren hat sich die wirtschaftliche Lage in Portugal laut einem Bericht der Wochenzeitung The Portugal News zwar allmählich gebessert, doch in vielen Branchen hinkt die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Vergleich nach wie vor hinterher. Die Arbeitslosenquote in Portugal lag im März 2026 nach Angaben des Statistischen Bundesamts mit 5,8 Prozent der 15- bis 74-Jährigen etwas höher als in Deutschland mit vier Prozent.
Wie das Portal idealista.pt berichtet, kann es insbesondere für Zugewanderte herausfordernd sein, in Portugal einen Job zu finden, da geeignete Stellen teilweise stark umkämpft sind. Laut dem Portal auslandsjob.de werden in den Bereichen Tourismus, IT, Kundenservice und Pflege derzeit die meisten Fachkräfte gesucht. Allerdings sind die Gehälter in Portugal wie bereits erwähnt deutlich niedriger angesetzt als in Deutschland. Wer hier als Auswanderer remote für ein deutsches Unternehmen arbeitet und weiterhin nach deutschem Standard entlohnt wird, ist also klar im Vorteil.
Hohe Wohnkosten in Großstädten
In keinem anderen EU-Land sind die Immobilienpreise aktuell so überhöht wie in Portugal, berichtet das Nachrichtenportal Euronews unter Berufung auf eine Auswertung der Europäischen Kommission. Diese Entwicklung sei unter anderem auf steigende Touristenzahlen und Kurzzeitvermietungen sowie fehlende Neubauten zurückzuführen.
Insbesondere in den portugiesischen Großstädten wird es zunehmend schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Nach Angaben der Vergleichsdatenbank numbeo.com belaufen sich die Mietkosten für eine Zweizimmerwohnung im Stadtkern von Lissabon im Schnitt auf 1344 Euro pro Monat. Im Zentrum von Porto werden dafür durchschnittlich 1108 Euro fällig. Im Verhältnis zum geringen Verdienst im Land sind die Wohnkosten in portugiesischen Städten also sehr hoch angesetzt.
Sprachbarriere im Alltag
Wie Auswanderin Svenja Stapper im Focus berichtet, würden viele Ausländer, die nach Portugal kommen, die Sprachbarriere im Alltag unterschätzen. Zwar werde in großen Städten wie Lissabon vielerorts Englisch gesprochen, in ländlicheren Regionen oder bei Behördengängen käme man allerdings um die portugiesische Sprache nicht herum.
Laut dem Investitionsmigrationsdienstleister Immigrant Invest sind im alltäglichen Leben zumindest grundlegende Portugiesischkenntnisse notwendig, speziell für diejenigen Auswanderer, die eine Daueraufenthaltserlaubnis oder Staatsbürgerschaft anstreben, da hierfür Sprachkenntnisse auf A2-Niveau vorausgesetzt werden. Auch auf dem Arbeitsmarkt erhöhen sich die Chancen auf eine Anstellung, wenn man Portugiesisch beherrscht, betont idealista.pt.
Übrigens: Ob man in Portugal als Auswanderer weiter in der deutschen Krankenversicherung bleiben kann, hängt unter anderem davon ab, ob man gesetzlich oder privat versichert ist.
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