Der Gardasee ist ein gefragtes Reiseziel. Egal, ob man am Strand liegen, Wandertouren bestreiten oder durch hübsche Städtchen bummeln möchte: Der Gardasee bietet die perfekten Bedingungen für einen abwechslungsreichen Urlaub. Und auch bei Radfahrern wird der See immer beliebter. Zuletzt warnte der Bürgermeister von Gardone Riviera allerdings vor Überlastungen und steigenden Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr durch den zunehmenden Fahrradverkehr in der Region. Die Frage, ob und welche Maßnahmen die Politik dagegen ergreifen sollte, sorgt derzeit für Diskussionen.
Alarmruf am Gardasee: Folgen bald Verbote für Radfahrer?
Der Alarmruf, der die Debatte auslöste, kam aus der Gemeinde Gardone Riviera, wie unter anderem die italienische Tageszeitung Il Dolomiti berichtet. Der dortige Bürgermeister Adelio Zeni hatte angesichts dichter Fahrradkolonnen auf der Uferstraße Gardesana, die Autofahrern das Überholen auf der Straße erschweren würden, vor zunehmenden Sicherheitsrisiken, Staus und wachsendem Unmut unter Touristinnen und Touristen gewarnt. Immer wieder komme es auf der Strecke zu teils schweren Unfällen zwischen Auto- und Fahrradfahrern. Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, schlug er vor, an Tagen mit hoher Verkehrsbelastung Einschränkungen oder sogar Fahrverbote für Radfahrer einzuführen. Auch eine Umgestaltung der Straße sehe er als denkbar. Kreisverkehre, Bodenschwellen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen sollten Rad- und Motorradfahrer künftig abschrecken.
Filippo Gavazzoni, Vizebürgermeister des Ortes Peschiera del Garda und Vizepräsident der Regionalgemeinschaft Comunità del Garda, hält dagegen wenig von Fahrverboten auf der Gardesana. „Ein Verbot von Fahrrädern ist nicht sinnvoll“, betonte er gegenüber Il Dolomiti. Radfahrer hätten ebenso wie Autofahrer ein Recht darauf, die Straßen zu nutzen. Hinzu komme, dass die Entwicklung des steigenden Radverkehrs am Gardasee aus seiner Sicht nicht mehr aufzuhalten sei. „Ich persönlich glaube mittlerweile, dass es sich um einen Trend handelt, an den sich die verschiedenen Verwaltungen gewöhnen müssen“, so Gavazzoni. Statt restriktiver Maßnahmen plädiert er für strengere Kontrollen und eine konsequentere Durchsetzung bestehender Verkehrsregeln.
Fahrradkolonnen am Gardasee: Was könnten Lösungen sein?
Auch den Vorschlag, den Verkehr durch den Ausbau von Fährverbindungen stärker auf den See zu verlagern, hält Gavazzoni für nur bedingt geeignet. Zwar seien Schiffe für Touristen reizvoll, doch könnten sie das hohe Verkehrsaufkommen rund um den Gardasee nicht wirklich entlasten. „Meiner Ansicht nach kann man nicht davon ausgehen, ein Problem zu lösen, indem man alle auf das Wasser verlagert, denn auch der Gardasee hat eine maximale Belastungsgrenze“, warnt er. In seinen Augen würde ein verstärkter Schiffsverkehr negative Konsequenzen für die Umwelt mit sich bringen. So könne sich unter anderem der erzeugte Wellengang auf den Lebensraum von Pflanzen, Fischen und anderen Tieren auswirken.
Das Problem der zunehmenden Staus an der Uferstraße sei außerdem nicht alleine auf die Radfahrer zurückzuführen, betont Gavazzoni. „Auch Busse blockieren die Straßen und verursachen Staus, weil die Fahrgäste erst ihre Fahrkarten kaufen müssen. Um dieses Problem zu lösen, müsste man in modernere Systeme investieren“, sagt der Vizepräsident der Comunità del Garda. Statt vorschneller Verbote brauche es durchdachte Konzepte, um ein faires Miteinander auf den Straßen rund um den Gardasee zu garantieren.
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