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Stau am Brenner: Könnte diese Änderung den Verkehr entlasten?

Österreich

Stau am Brenner: Könnte diese Änderung den Verkehr entlasten?

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    Auf der Route zwischen Deutschland, Österreich und Italien kommt es – vor allem am Brenner – regelmäßig zu hohem Verkehrsaufkommen.
    Auf der Route zwischen Deutschland, Österreich und Italien kommt es – vor allem am Brenner – regelmäßig zu hohem Verkehrsaufkommen. Foto: EKH-Pictures, stock.adobe.com (Archivbild)

    Wer zu bestimmten Zeiten auf der Brennerautobahn unterwegs ist, etwa um in den Skiurlaub oder an den Gardasee zu fahren, weiß: Die Staugefahr ist auf der wichtigsten Verkehrsverbindung zwischen Deutschland und Italien hoch. Zum einen, weil gerade in den Ferien oder rund um Feiertage das Verkehrsaufkommen so hoch ist, dass es fast zwangsläufig zu Staus und Wartezeiten kommen muss. Andererseits sorgt auch eine Baustelle an der Luegbrücke in beiden Richtungen an vielen Tagen für Verzögerungen, da die Straße dann nur einspurig befahren werden darf, wie die österreichische Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG) informiert.

    Doch nicht nur private Autos und Wohnmobile, auch der Transitverkehr mit Lkw sorgt auf der Strecke regelmäßig für Stau – und für Ärger zwischen Italien, dem österreichischen Bundesland Tirol und Deutschland. So hat Italien eine Klage am Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen sein Nachbarland eingereicht, wie unter anderem ORF berichtet. Demzufolge sieht Italien unzumutbare Einschränkungen für Lkw auf der Inntalautobahn und der Brennerautobahn. Tirol hatte Maßnahmen eingeführt, die den freien Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union (EU) beschränken würden. Eine dieser Maßnahmen ist die sogenannte Lkw-Blockabfertigung, bei der Tirol an bestimmten Tagen Lkw nur in einer begrenzten Zahl passieren lässt, wie Auto, Motor und Sport informiert. Das führe demnach regelmäßig zu langen Rückstaus, insbesondere auf deutscher Seite.

    Ein Urteil vom EuGH wird laut ORF frühestens im Herbst 2026 erwartet. Doch schon jetzt hat Österreich einen Vorstoß gewagt, der die bisherige Blockabfertigung perspektivisch ersetzen soll.

    Slot-System gegen Stau am Brenner: Wie soll die Idee funktionieren?

    Österreich hat nun eine bislang unter Verschluss gehaltene Studie zur Einführung eines sogenannten Slot-Systems für Lkw veröffentlicht. Diese liegt der Tiroler Tageszeitung (TT) in Teilen vor. Sie beschreibt, wie ein Zeitfenster-System entlang des Brenner-Korridors aussehen könnte. Geplant ist eine Einteilung der Strecke zwischen Deutschland und Italien in drei Abschnitte:

    • Rosenheim – Innsbruck
    • Innsbruck – Brixen
    • Brixen – Verona

    Für diese Streckenabschnitte sollen Lkw ab 7,5 Tonnen vorab ein Zeitfenster reservieren müssen. Die Buchung wäre online möglich und könnte bis zu einem Jahr im Voraus erfolgen. Die Slots sollen grundsätzlich kostenlos sein, ein Weiterverkauf ist verboten. Eine Gebühr fällt nur an, wenn die Stornierung weniger als einen Monat vor dem Fälligkeitstermin erfolgt.

    Das Slot-System soll ganzjährig gelten. An besonders verkehrsstarken Tagen, etwa rund um Feiertage oder in der Hauptreisezeit, soll die Zahl der buchbaren Zeitfenster an die jeweilige Kapazität der Autobahn angepasst und entsprechend begrenzt werden. Dann soll die Zufahrt in eine Zone nur innerhalb eines zwei- bis dreistündigen Zeitfensters möglich sein. Die anschließende Durchfahrt wäre zeitlich nicht begrenzt.

    Laut der Studie soll es auch Ausnahmen geben, etwa für Transporte mit verderblichen Waren oder lebenden Tieren. Diese sollen demnach nicht vollständig an das Slot-System gebunden sein.

    Der Vorschlag ist nicht neu: Österreich, Italien und Deutschland müssen sich einigen

    Neu ist diese Slot-System-Idee derweil nicht: Ein solcher politischer Vorstoß wird schon seit Jahren diskutiert. 2023 unterzeichneten Bayern, Tirol und Südtirol laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zwar eine gemeinsame Absichtserklärung, um ein digitales Slot-System für die Brenner-Route zu etablieren. Zu einer verbindlichen zwischenstaatlichen Regelung zwischen Italien, Österreich und Deutschland kam es bislang jedoch nicht.

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Österreichs Kanzler Christian Stocker (ÖVP) hatten laut dpa 2025 zuletzt einen neuen Anlauf dafür angekündigt. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) steht demnach hinter der Idee, den Streit um den Brenner-Transit mit einem Slot-System zur Steuerung des Lastwagenverkehrs zu entschärfen.

    Kein Stau mehr am Brenner? Das erhofft sich Österreich vom Slot-System – es gibt aber auch Kritik

    Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) bewertet den Nutzen des vorgeschlagenen Slot-Systems positiv: „Das ist unser Angebot an Italien und Deutschland: Ein Slot-System kann die Blockabfertigung an der Grenze ablösen und würde somit Stau auf den Tiroler und deutschen Autobahnen gleichermaßen reduzieren“, zitiert ihn die TT.

    Auch Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) sieht dem Bericht zufolge die Voraussetzungen für eine Umsetzung nun aufgrund der Studie als gegeben an: Die rechtlichen und fachlichen Möglichkeiten für eine solche Lösung seien wirksam und würden vorliegen, sagte er laut TT.

    Kritische Stimmen gab es bereits 2023, als das Slot-Modell erstmals von Bayern, Tirol und Südtirol vorgeschlagen wurde. Wie das Online-Portal eurotransport.de berichtete, erklärte der Präsident des Zentralverbands Spedition & Logistik (ZV) Alexander Friesz damals, dass dieses System nicht weniger Lkw-Verkehr über den Brenner, sondern mehr Staus und damit auch potenziell höhere Emissionen bringen würde. Niemand könne immer genau sagen, wann ein Lkw an der Grenze ankommen wird. Er stellte die Frage: „Was passiert, wenn ein Lkw zu früh oder zu spät kommt?“ Inwiefern diese Szenarien in der Studie betrachtet wurden, ist derzeit nicht bekannt.

    Damit das Slot-System aber überhaupt umgesetzt werden kann, ist zunächst eine Einigung zwischen Deutschland, Österreich und Italien nötig, informiert Auto, Motor und Sport. Bis dahin bleib die aktuelle Praxis bestehen: Tirol steuert den Verkehr mittels Blockabfertigung und Fahrverboten.

    Übrigens: Am Samstag, dem 30. Mai 2026, sollten Autofahrer den Brenner weiträumig umfahren. Dann werden nämlich die Brennerautobahn und einige Alternativrouten durch eine Demonstration komplett lahmgelegt.

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