Der Gardasee bietet sich aufgrund seiner Lage als beliebtes Reiseziel für deutsche Urlauber an, weil er insbesondere aus dem Süden Deutschlands innerhalb weniger Stunden mit dem Auto erreichbar ist. Wer auf der Fahrt schnellstmöglich ans Ziel kommen möchte, muss für die Nutzung der Autobahnen in Italien Mautgebühren zahlen. In Italien ist jetzt allerdings eine Neuregelung in Kraft getreten, nach der Autobahnfahrer künftig Geld zurückerstattet bekommen, wenn sie aufgrund von Baustellen auf der Strecke längere Zeit im Stau stehen. Wie hoch fällt diese Entschädigung aus und was bedeutet das für Gardasee-Besucher aus Deutschland?
Geld zurück bei Autobahn-Stau: Welche Regeln gelten seit Juni 2026 für die Maut in Italien?
In Italien gibt es außerorts sowohl Schnellstraßen als auch Autobahnen. Während die Schnellstraßen kostenfrei befahrbar sind, fallen nach Angaben des ADAC für die Nutzung der meisten Autobahnen Mautgebühren an, die am Ticketautomaten oder elektronisch entrichtet werden können. Wer auf diesen Straßen länger im Stau steht, weil Baustellen den Verkehrsfluss verzögern, soll nun jedoch Anspruch auf eine Rückerstattung der Gebühren haben. Die italienische Regierung hat ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, das am 1. Juni 2026 in Kraft getreten ist, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Demnach steht Autofahrern dann eine Entschädigung zu, wenn sich die übliche Fahrtzeit wegen einer Baustelle auf der Autobahnstrecke erheblich verzögert. Nach Angaben des italienischen Autobahnbetreibers Autostrade per l‘Italia (ASPI) greift die Rückerstattung je nach Verspätungsdauer und Länge der Strecke wie folgt:
- Auf einer Strecke von bis zu 30 Kilometern ab der ersten Minute Verzögerung
- Auf einer Strecke von 30 bis 50 Kilometern ab einer Verzögerung von zehn Minuten
- Auf einer Strecke von mehr als 50 Kilometern ab einer Verzögerung von 15 Minuten
Wie hoch die Rückerstattung jeweils ausfällt, hängt davon ab, wie sehr sich die Fahrzeit durch die Verkehrsstörung verzögert hat:
- Zwischen 60 und 119 Minuten: Rückerstattung von 50 Prozent der Mautgebühr
- Zwischen 120 und 179 Minuten: Rückerstattung von 75 Prozent der Mautgebühr
- Ab 180 Minuten: Vollständige Rückerstattung der Mautgebühr
Die Entschädigung wird laut dpa allerdings erst dann ausgezahlt, wenn der zu erstattende Betrag über einem Euro liegt. Bei geringeren Beträgen entfällt der Anspruch. Die Rückerstattung greift zudem nicht bei sogenannten Notfall-Baustellen, Verkehrsunfällen sowie wetterbedingten Störungen.
Die Beantragung der Entschädigung wird über eine App abgewickelt, in der alle Betreiber der privaten Autobahnen in Italien vertreten sind. Gültig ist die neue Regelung ab dem 1. Juni 2026 zunächst für die Strecken, die vollständig von nur einem Anbieter betrieben werden. Reisende in der Sommer-Hauptsaison können also bereits von den Maut-Rückerstattungen profitieren. Bis Dezember 2026 soll das neue System dann komplett einsatzbereit sein. Der italienische Verbraucherschutzbund zweifelt der dpa zufolge allerdings daran, dass der Rückerstattungsservice reibungslos funktionieren wird.
Gilt die Maut-Rückerstattung bei Stau auch für deutsche Gardasee-Touristen?
Nach der Ankündigung der Neuregelung blieb zunächst offen, ob die Rückerstattung der Mautgebühren auch für ausländische Autofahrer möglich sein würde. Inzwischen steht nach Angaben der dpa jedoch fest, dass diese ebenfalls Anspruch auf die Entschädigung haben. Gute Nachrichten für die zahlreichen deutschen Urlauber, die jedes Jahr auf der kostenpflichtigen Brennerautobahn A22 in Richtung Gardasee unterwegs sind.
Allerdings benötigen Autofahrer aus dem Ausland eine italienische Steuernummer, um sich in der App für die Maut-Rückerstattung registrieren zu können. Wie die dpa erklärt, ist das zwar auch für Nichtitaliener möglich, das Prozedere ist jedoch umständlich. Als mögliche Anlaufstellen für die Unterstützung bei der Beantragung einer italienischen Steuernummer werden die deutsche Botschaft in Rom oder die italienische Botschaft in Berlin genannt.
Wer sich die Mautgebühren lieber von vornherein sparen möchte, kann auf dem Weg zum Gardasee stattdessen auf die kostenfrei befahrbare Schnellstraße SS12 ausweichen, die unweit der A22 verläuft. Da die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Schnellstraßen mit 110 km/h niedriger angesetzt ist als auf der Autobahn mit 130 km/h, sollte man für diese alternative Route allerdings etwas mehr Zeit einplanen.
Übrigens: Bei der Anreise mit dem Auto zum Gardasee sollten Touristen unbedingt die geltenden Verkehrsregeln beachten, da ihnen ansonsten hohe Bußgelder drohen. Wer bequem und zeitsparend von einem Ufer zum anderen kommen möchte, kann hierfür eine der Autofähren am Gardasee nutzen.
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