Der Winter hat die Gardasee-Region im Jahr 2025 noch nicht erreicht. Insbesondere Skiurlauber dürften davon enttäuscht sein, denn der Hausberg der Stadt Trient, der Monte Bondone, ist ein beliebtes Skigebiet. Da nun aber kaum Schnee liegt, haben die Betreiber der örtlichen Skipisten sich für eine umstrittene Maßnahme entschieden: Per Hubschrauber ließen sie Schnee aus höher gelegenen Regionen auf die Pisten fliegen. Warum das für viel Kritik sorgt, lesen Sie hier.
Gardasee-Region: Warum schlagen Umweltschützer nun Alarm?
Rund vier Stunden und 40 Flüge waren nötig, um die erforderlichen Mengen Schnee heranzuschaffen. Das berichtete unter anderem der italienische Fernsehsender Rai, der auch Handyvideos von dem Spektakel veröffentlichte. Die Bilder zeigen einen Helikopter, der ein großes Netz voller Schnee trägt. Langsam lässt er das Netz herunter auf den Boden, wo der Schnee von Mitarbeitern entgegengenommen wird.
Aber warum griff man zu dieser unkonventionellen Maßnahme? Laut Informationen von Rai hatten die hohen Temperaturen und der starke Wind den Einsatz von Schneekanonen in diesem Jahr unmöglich gemacht. Auch wenn viele Wintersportler die Maßnahme begrüßen dürften, reagierten Umweltschutzorganisationen mit Kritik. Die italienische Tier- und Naturschutzorganisation ENPA berichtete, dass der Helikoptereinsatz des Skipistenbetreibers Trento Funivie mindestens eineinhalb Tonnen CO₂ freigesetzt haben muss. Zum Vergleich: Bei einer Autofahrt von München nach Berlin werden laut Umweltbundesamt gerade mal durchschnittlich 100 Kilogramm CO₂ freigesetzt.
Kritisiert wurde auch das Signal, das die Aktion sende: dass um jeden Preis am klassischen Wintertourismus festgehalten werde, obwohl der Klimawandel längst ein Umdenken erfordere. „Während sich das Klima vor unseren Augen verändert (heute lag die Nullgradgrenze bei 3500 m), kann die Antwort nicht darin bestehen, Treibstoff zu verbrennen, um Kunstschnee auf einen Berg zu transportieren“, schrieb ENPA in einem offenen Brief, der auch von anderen Umweltschutzorganisationen unterzeichnet wurde.
Skigebiet am Gardasee: Was sagen die Betreiber zum Helikopter-Einsatz?
Der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Trento Funivie, Fulvio Rigotti, verteidigte die Aktion gegenüber der Zeitung Il Dolomiti als „vorübergehende Lösung“, die notwendig gewesen sei, um den Betrieb aufrechterhalten zu können und die Wirtschaft der Bergregion zu schützen: „Die wirtschaftlichen Schäden für die Region wären sonst viel größer und längerfristig gewesen.“
Insbesondere in Hinblick auf den Feiertag „Immacolata“, der jährlich am 8. Dezember in Italien stattfindet, habe man handeln müssen. Wäre das Skigebiet an diesem Wochenende geschlossen geblieben, wäre der wirtschaftliche Verlust immens gewesen. „Die Kosten für den Hubschrauber für ein paar Stunden Flug und Schneetransport beliefen sich auf etwa 6000 Euro, während der Schaden durch entgangene Skipass-Einnahmen und allgemeine Folgekosten an diesem Wochenende auf über eine halbe Million Euro geschätzt wurde, ganz zu schweigen davon, dass die Bar auf dem Gipfel geschlossen geblieben wäre“, erklärte Rigotti. Etwa 1500 Erstbesucher sollen am Feiertag die Skianlage genutzt haben.
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