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Luftgitarren-WM, Polarlichter und mehr: Oulu ist Europäische Kulturhauptstadt 2026

Europäische Kulturhauptstadt 2026

Oulu ist Kulturhauptstadt 2026: „Es wird ein Jahr der gewagten künstlerischen Begegnungen“

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    In Oulu wird gerockt: Saladin Thomas "Six String Sal" aus den USA tritt im Finale der Luftgitarren-Weltmeisterschaft auf, die jährlich in Oulu stattfindet.
    In Oulu wird gerockt: Saladin Thomas "Six String Sal" aus den USA tritt im Finale der Luftgitarren-Weltmeisterschaft auf, die jährlich in Oulu stattfindet. Foto: Eeva Riihela/Lehtikuva, dpa

    Ob Luftgitarren-WM im August, bei der Künstler in schrägen Outfits ihr unsichtbares Instrument rocken oder ein schreiender Männerchor, dessen Mitglieder die Ohren zum Klingeln bringen: Als europäische Kulturhauptstadt 2026 ist Oulu definitiv mehr als nur eine Luftnummer. Wer die Stadt besuchen will, muss aber hoch in den Norden fahren. Denn das finnische Oulu mit seinen rund 220.000 Einwohnern gilt als nördlichste Großstadt der EU und liegt direkt an der Ostsee.

    Oulu ist besonders für seine Technologiebranche bekannt, früher wurde dort Nokia produziert und heute finden sich zahlreiche Start-ups in der Stadt. Zudem ist Oulu eine lebendige Studentenstadt, da sich hier eine der größten Universitäten Finnlands befindet. Außerhalb besticht die Stadt und ihre Region mit der vielfältigen Natur.

    Was kann man in Oulu alles sehen und erleben?

    Oulu bietet Besuchern verschiedene Sehenswürdigkeiten, die von historischen Gebäuden bis hin zu einem ganzen Museumsdorf reichen. Im Herzen befindet sich die über hundert Jahre alte Markthalle, „Kauppahalli“ genannt, in der man Lebensmittel aus der Region sowie Kleidung und Schmuck kaufen kann. Von der neugotischen Markthalle ist es nicht weit zum Rathaus aus dem 19. Jahrhundert, dessen historische Säle im Rahmen von Führungen besucht werden können. Auch der Dom steht sich in der Nähe: In diesem hängt übrigens über der Tür zur Sakristei das älteste Ölgemälde Finnlands, ein Porträt des schwedischen Schriftstellers und Historikers Johannes Messenius.

    Unweit der Stadt, etwa 15 Kilometer entfernt, befindet sich das Freilichtmuseum Turkansaari. Dort wurde mit über 40 Holzgebäuden aus verschiedenen Epochen ein Museumsdorf nachgebaut, in dem man den Alltag in damaligen Wohnhäusern, Bauernhöfen und Handwerksstätten kennenlernt. Im Sommer finden zudem Aufführungen statt, bei denen den Besuchern der historische Arbeitsalltag näher gebracht wird.

    Oulu in Finnland gilt als die nördlichste Großstadt Europas. Kommendes Jahr hat Oulu viel zu feiern, sie ist Europäische Kulturhauptstadt 2026.
    Oulu in Finnland gilt als die nördlichste Großstadt Europas. Kommendes Jahr hat Oulu viel zu feiern, sie ist Europäische Kulturhauptstadt 2026. Foto: Visit Finland, dpa

    Noch dazu kann Oulu auf etwas setzen, das die Region ganz besonders macht: das raue wie beeindruckende Klima. So können Besucher in der Region auf Fahrt mit Schlittenhunden gehen oder Rentiere in freier Wildbahn sehen sowie auf Farmen besuchen. Sogar ein UNESCO-Park – der Geopark Rokua – liegt etwas über eine Autostunde entfernt in der Nähe. Dort kann man durch einen Kiefernwald spazieren, Dünen und Tümpel entdecken und die Natur genießen. In Oulu selbst gibt es Flüsse und Seen wie den Pyykösjärvi oder den Kuivasjärvi, die zu Spaziergängen einladen – passenderweise bedeutet der Name der Stadt übersetzt so viel wie „fließendes Wasser“. Wer lieber gleich an den Strand möchte, ist mit dem Strand Nallikari gut beraten. Ob Stand-up-Paddling oder Schneeschuhwandern auf dem Meereis: Hier ist zu jeder Jahreszeit etwas geboten. Mit etwas Glück bekommt man im Winter sogar die Nordlichter am Himmel zu sehen, da die Stadt ungefähr 250 Kilometer vom Polarkreis entfernt liegt. Wer im Sommer reist, kann die nicht minder spektakuläre Mitternachtssonne erleben.

    Das plant Oulu als europäische Kulturhauptstadt 2026

    Mehr als 500 Kulturorganisationen und Kreative wollen Besuchern im Kulturhaupstadtjahr eine einzigartige Mischung aus nordischem Flair und internationalen Perspektiven bieten, wie Programmdirektor Samu Forsblom vorab ankündigte: „Oulu 2026 wird ein Jahr der gewagten künstlerischen Begegnungen, bei denen der Norden im Mittelpunkt des europäischen Kulturlebens steht.“

    Die Stadt arbeitet mit 39 Partnergemeinden in Nordfinnland zusammen, um ein breites Programm für das Jahr auf die Beine zu stellen. Herausgekommen ist ein Veranstaltungskalender mit tausenden kulturellen Erlebnissen. Eröffnet wird das Jahr an Silvester mit der Oulu 2026 Show, bei der verschiedene finnische Stars auftreten werden – unter anderem auch der schreiende Männerchor „Mieskuoro Huutajat“. Etwa zwei Wochen später findet die offizielle Oulu-2026-Eröffnungsfeier statt. Dabei wird es vom 16. bis 18. Januar im Zentrum von Oulu verschiedene Bühnen mit Konzerten, Pop-up-Vorstellungen, Kunstinstallationen und Beiträgen verschiedener europäischer Städte geben.

    Winterliche Beiträge wie das Nallikari Schneefest sollen dem Jahr, das unter dem generellen Motto „Kultureller Klimawandel“ steht, früh einen frostigen Stempel aufdrücken. Das Schneefest findet vom 11. bis 15. Februar statt und Besucher können Bildhauer beobachten, die große Skulpturen aus Schnee kreieren. Ende des Monats geht es thematisch mit Kälte weiter: Beim Festival „Frozen People“ tanzen Besucher auf dem zugefrorenen Zulauf der Ostsee zu elektronischer Musik. Wer noch mehr zum Programm erfahren möchte, findet auf der offiziellen oulu2026.eu Webseite eine Übersicht über die Projekte in Oulu und dessen Partnergemeinden.

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender haben ihn bereits kennengelernt: Den schreienden Männerchor „Mieskuoro Huutajat“ aus Oulu.
    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender haben ihn bereits kennengelernt: Den schreienden Männerchor „Mieskuoro Huutajat“ aus Oulu. Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

    Diese Rolle spielt die indigene Bevölkerung der Sámi im Kulturjahr 2026

    Darüber hinaus wird die indigene Bevölkerung Skandinaviens – die Sámi – eine Rolle im kommenden Kulturjahr spielen. Ihre genaue Herkunft ist umstritten, fest steht, dass sie im Norden Finnlands, Schwedens, Norwegens und Russlands zu Hause waren und immer noch sind. Die Sámi wurden dabei über Jahrhunderte unterdrückt, sei es durch die Staatenbildung der jeweiligen Länder und der entsprechenden Besiedlung des Nordens oder durch das Verbot ihrer Religion durch christliche Missionare.

    In diesem Zuge soll es eine Ausstellung namens „Eanangiella - Voice of the Land“ geben, die zwischen dem 16. Februar und dem 3. Mai im Oulu Art Museum zu sehen sein wird. Die Ausstellung fokussiert sich unter anderem auf die Vorfahren der Sámi, das Land, das Leben zwischen Tradition und Moderne sowie Spiritualität. Gezeigt werden Werke von über 50 Künstlern und Künstlerinnen, unter denen sich sowohl historische als auch zeitgenössische Objekte finden.

    Zudem wird eine Oper mit dem Titel „Ovllá“ im Theater von Oulu die Unterdrückung der Sámi thematisieren. Die Handlung folgt dabei dem Jungen Ovllá, der von seinen Eltern weggerissen wird und in ein Internat kommt. Gezwungen, eine neue Sprache und Kultur kennenzulernen, wächst er einsam und beschämt über die eigene Identität auf, bevor er beschließt, seiner eigenen Kultur wieder näherzukommen. Die Premiere der Oper ist am 16. Januar, danach läuft sie noch bis April. Außerdem wird in Oulu der Nationalfeiertag der Sámi – genannt „Dálvemánnu“ – im Rahmen von Konzerten, Diskussionen und Filmen gefeiert. Dálvemánnu selbst findet am 6. Februar statt, anlässlich des 13. Monats des Sámi-Jahres, des sogenannten „Wintermonats“.

    Nicht nur Winterkälte: Der Sommer in Oulu ist für die Genießer

    Für Feinschmecker dürfte das „Summer Night’s Dinner“ am 15. August interessant sein. Dabei werden in der Stadt Tische aufgestellt und Besucher können an Essensständen mit lokalen Händlern finnische Leckereien kaufen. Dazu wird es eine Reihe von Performances geben, die von Musik bis zur Poesie reichen. Kulinarisch hat Oulu von Fisch bis süßem Gebäck viel zu bieten: Besonders der Lachs, geräuchert zubereitet als „Graavilohi“ oder in einer Suppe mit Salzkartoffeln, Karotten und Lauch, ist eine Spezialität. Wer es außergewöhnlicher mag, kann geschmortes Rentierfleisch, genannt „Poronkäristys“, probieren. Liebhaber des Süßen sind mit dem Hefebrot „Pulla“ oder der finnischen Zimtschnecke „Korvapuusti“ gut beraten.

    Oulu bietet Besuchern 2026 viel Abwechslung

    Besucher Oulus können sich 2026 also auf ein breites Programm freuen. Ob ein Ausflug in die faszinierende Natur, der Besuch eines Konzerts oder das Kennenlernen der indigenen Bevölkerung: Abwechslung scheint garantiert. Abschließend bleibt nur noch eine Frage: Alakkonää? Nein, hier handelt es sich nicht um einen Tippfehler, sondern um eine Frage im Dialekt Oulus: Willst du mitkommen?

    Weitere Informationen

    • Das finnische Oulu ist die nördlichste Großstadt Europas
    • Bekannt ist die Stadt für die jährlich stattfindende Luftgitarren-WM
    • Das offizielle Motto der Kulturhauptstadt lautet: „Kultureller Klimawandel“
    • Programm (eine Auswahl): 16. und 18. Januar: Offizielle Eröffnungsfeier; 16. Januar: Premiere der Oper „Ovllá“; 11. bis 15. Februar: Nallikari Schneefest mit Schneeskulpturen; 16. Februar bis 3. Mai: Ausstellung „Eanangiella - Voice of the Land“; 28. Feburar: Techno-Festival „Frozen People“; 9. Mai: Beginn des Kunstprojekts „The Most Valuable Clock In The World“ mit Videosequenzen aus dem Leben der Einwohner Oulus; 15. August: Kulinarisches Fest „Summer Night’s Dinner“; 4. Dezember: Premiere des Musicals „Lumipallo“ mit nordischen Legenden
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