Startseite
Icon Pfeil nach unten
Reise
Icon Pfeil nach unten

Ausgefallene Züge, annullierte Flüge: Urlauber sind längst Massenware geworden

Kommentar

Es wird so viel gereist wie noch nie – dabei macht Urlaub gar keinen Spaß mehr

Doris Wegner
  • |
  • |
  • |
  • |
    Gespannt auf das, was kommt: Fluggäste auf dem Weg in den Urlaub.
    Gespannt auf das, was kommt: Fluggäste auf dem Weg in den Urlaub. Foto: Moritz Frankenberg, dpa

    Kein Wunder, dass in den bunten Urlaubskatalogen nie Fotos von An- oder Abreisen gezeigt werden. Oder haben Sie schon mal Bilder gesehen, wie eine Urlauberin oder ein Reisender relaxt in der Economy Class die Beine streckt und am Tomatensaft nippt – gespannt auf das, was kommt?

    Gespannt auf das, was kommt, das kann man in jedem Fall sein! Es wird so viel gereist, wie seit Jahren nicht mehr, und das ist höchst erstaunlich. Denn das Reisen ist längst eine Zumutung geworden. Das Abenteuer beginnt leider oft direkt, nachdem man die Haustür hinter sich zugezogen hat. Denn egal, ob der Zug zum Flug, der Flug zum Ziel – der Weg ist nicht selten ein gelebter Albtraum. Das Grundvertrauen in die Verlässlichkeit von Transportmitteln – wann ist das eigentlich verloren gegangen?   

    Die Erlebnisse der Reisenden, die wegen des Irankriegs aus dem Nahen Osten evakuiert werden mussten, sind natürlich eine Ausnahme. Auch wenn es für viele eine belastende Geduldsprobe war, haben die Reiseveranstalter mit einer enormen Kraftanstrengung ihre Gäste wohlbehalten nach Hause geholt.

    Züge fallen aus, Kreuzfahrtschiffe fahren weg – und dann?

    Der Alltag der verpatzten Reisen sieht weniger dramatisch aus. Reisende haben bezahlt, sind voller Vorfreude, haben berechtigterweise eine Erwartung: Aber Züge fallen aus, in der Folge fahren Kreuzfahrtschiffe weg – und dann? Sind die Service-Hotlines überlastet oder man kämpft mit der künstlichen Intelligenz, die Anliegen abfragt… Weiterkommen! Flüge werden annulliert, der lang ersehnte und vielleicht auch hart ersparte Urlaub verkürzt sich plötzlich um zwei Tage, dafür zwei Nächte Frankfurt am Main als Bonus – kürzlich erst in der Schlange der frustrierten und zum Teil auch weinenden Urlauber am Service-Schalter gestanden.   

    Solange die Anreise auch dauern mag, in der Servicewüste kommt man schnell an. Wer in der Economy-Class das Weite sucht, klemmt sich in der Regel in den engen Sitz, freut sich über eine Plastikflasche Mineralwasser – ohne Kohlensäure natürlich – und kann sich sein „Wunschgericht“ ab einer Flugzeit von 45 Minuten „kostenpflichtig sichern“. Der Rest nimmt die Schoki am Ausgang. Man zahlt für den Kaffee, die Currywurst, den Sitz am Notausgang (dafür muss man im Notfall aber hohe Verantwortung übernehmen und unterschreibt das auch), damit man seine Beine ausstrecken kann. Vielleicht zahlt man bald auch dafür, dass der Flieger wirklich zur gewählten Flugzeit abhebt und nicht um drei Uhr in der Früh? Auch für die Airlines ist alles auf Kante gerechnet. Oder wie es eine Insiderin kürzlich formulierte: „Es ist ein Wunder irgendwie, dass man mit einer Airline Geld verdienen kann.“ 

    Passagiere sind längst zur Massenware geworden

    Passagiere, man kann es nicht anders sagen, sind zur Massenware geworden. Ein tägliches Wunder, dass Menschen losfahren, losfliegen und irgendwo wie geplant ankommen. Jeden Tag aufs Neue. Zu keinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte wurde mehr gereist. Es ist aber auch ein Wunder, dass sich die Menschen die Illusion nicht nehmen lassen, dass Reisen die unbedingte Formel zum Glück beinhaltet. Vor Ort vielleicht schon, wo noch immer das gewünschte Abenteuer und die spannenden Begegnungen warten, die den Stress der Anreise vergessen machen... bis wir uns am Gepäckband wieder treffen. 

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren