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Wandern in Südafrika: Der Whale Trail ist ein Geheimtipp. Hier lassen sich Wale und Delfine und Vögel beobachten

Südafrika

Wandern in Südafrika: Unterwegs an der wilden Küste, wo die Wale ihre Jungen bekommen

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    Südkaper-Wale mit ihrem Nachwuchs im türkisfarbenen Wasser im De-Hoop-Naturreservat.
    Südkaper-Wale mit ihrem Nachwuchs im türkisfarbenen Wasser im De-Hoop-Naturreservat. Foto: Grootbos Private Nature Reserve

    Fühlt sich so die Berührung eines Außerirdischen an? Wie der Finger eines Wesens aus einer anderen Welt tastet der schlängelnde Arm des Meeresbewohners vorsichtig nach der ausgestreckten Hand des Wanderers. Als zögere die sonderbare Kreatur, ob sie den Menschen in ihrem Universum begrüßen soll oder nicht. „Erst vor Kurzem ist er sogar an Land gekrochen, um mir Hallo zu sagen“, sagt Matt Stanford. Der Südafrikaner hockt an einem Gezeitentümpel, der erst vor wenigen Stunden bei Ebbe zugänglich geworden ist. Er beugt sich über die Unterwasserhöhle eines Oktopusses. Sein Freund, der Krake, lässt sich schließlich kurz nach draußen locken, dreht eine Runde in seinem Felsbecken, nur um sich dann schnell wieder zu verziehen. „Jeder seiner Arme hat ein eigenes Gehirn“, erklärt Jade McKinnon, Stanfords Verlobte, die neben ihm steht. „Er hat also mit dem Haupthirn im Kopf neun und ist ein äußerst feinfühliges Wesen“.

    Das De-Hoop-Naturreservat liegt drei Autostunden von Kapstadt entfernt

    Es ist ein sonniger Morgen in Südafrikas De-Hoop-Naturreservat drei Autostunden östlich von Kapstadt. Mit ungebremster Wucht klatschen die Wellen des Ozeans an die Küste. Bisweilen steigen meterhohe Wasserfontänen nur ein paar Schritte vom Felsloch des Kraken auf. Würde man von hier auf direktem Weg nach Süden segeln – das nächste Land in Sicht wäre die Antarktis.

    Matt Stanford im De-Hoop-Naturreservat in Südafrika.
    Matt Stanford im De-Hoop-Naturreservat in Südafrika. Foto: Ram Malis

    Für Matt Stanford und Jade McKinnon ist diese wilde Küste Heimat und Abenteuerland zugleich. Regelmäßig führen die beiden Wanderführer Touristen durch viele Gegenden am Kap, am liebsten aber im De-Hoop-Naturreservat. Durch das Schutzgebiet führt einer der schönsten Wanderwege Südafrikas. Der „Whale Trail“ verbindet atemraubende Aussichtspunkte um den 611 Meter hohen Potberg mit den meist menschenleeren Stränden entlang der Küste. Löwen, Elefanten und Nashörner, die viele Urlauber nach Südafrika locken, gibt es hier nicht. Deswegen gelten Wanderungen auch als unbedenklich. Zwar streifen auch Schakale, Karakale und einige wenige Leoparden durch das Schutzgebiet. Sie gehen den Wanderern aber aus dem Weg. Man muss schon viel Glück mitbringen, um sie zu Gesicht zu bekommen. Dafür können Wanderer hier Elenantilopen, Buntböcke, Kap-Bergzebras und Bärenpaviane beobachten. Die Tierwelt ist nicht minder spektakulär als auf einer Safari. Nur begegnet man ihr in De Hoop gänzlich anders als auf einer Pirschfahrt im Geländewagen: in Wanderschuhen – oder barfuß.

    Von einer Anhöhe blicken McKinnon und Stanford über die Küste. Am Fuß der Potberg-Kette wechseln sich kilometerlange Strände mit sanften Dünen und schroffen Felsabschnitten ab. „Genau hier treffen sich zwei ganz unterschiedliche Meeresströmungen“, erklärt McKinnon, „Der warme Agulhas-Strom kommt aus dem Indischen Ozean und der kalte Benguela-Strom aus dem Atlantik. Ihr Zusammentreffen bietet einer besonders vielfältigen Meeresfauna Lebensraum.“ Gerade erst hat die Naturführerin beobachtet, wie eine Walmutter mit ihrem Kalb sich scheinbar von den mit Wucht hereinbrechenden Wellen auf und ab schaukeln lässt. „Wir sehen hier vor allem drei Walarten: Südkaper, Buckel- und Brydewale“, erklärt Mc Kinnon. „Die Südkaper bringen vor der Küste ihre Jungen zur Welt, daher kann man als Wanderer oft Dutzende von ihnen sehen“. Ihre Wandergruppe hat an diesem Morgen besonderes Glück. Sie kann auch eine große Schule von Delfinen dabei bestaunen, wie sie übermütig durch die Wellen pflügen.

    Der Whale Trail ist ein aufregendes Wanderziel in Südafrika

    Wanderer auf dem Whale Trail im De-Hoop-Naturreservat.
    Wanderer auf dem Whale Trail im De-Hoop-Naturreservat. Foto: Ram Malis

    Es ist die einzigartige Möglichkeit, beim Wandern dutzende Wale in unmittelbarer Küstennähe zu beobachten, die den Whale Trail zu einer der aufregendsten Wanderziele Südafrikas macht. Mehr als 55 Kilometer führt der Pfad zunächst über das Potberg-Massiv, dann entlang der Küste mal oberhalb der Klippen, mal direkt auf dem Strand. Anderen Menschen begegnet man dabei nur selten und wenn doch, dann sind es vor allem Südafrikaner. Unter ausländischen Touristen ist der Pfad der Walwanderer jedoch noch immer kaum bekannt.

    De Hoop bedeutet auf Afrikaans „Die Hoffnung“. Lekkerwater, inmitten des heutigen Reservats gelegen, gilt als das „Camp David“ Südafrikas. In dem weltabgeschiedenen Anwesen soll der letzte Staatspräsident der Apartheid-Ära einst über das Ende der Rassentrennungspolitik und die Freilassung Mandelas nachgesonnen haben. Seit 2004 ist das Reservat Teil des Unesco-Weltnaturerbes „Cape Floral Kingdom“. Die Wale sind nur die prominentesten Bewohner des Schutzgebiets. Wanderer begegnen hier mit etwas Glück auch Kap-Pelzrobben, bisweilen sogar den bedrohten Brillenpinguinen. Auch Flamingos und Abertausende von Seeschwalben und Kormoranen bevölkern die Küste. Die rabenschwarzen Kapausternfischer mit ihren leuchtend roten Schnäbeln und Augen gehören zu den besonderen Vogelarten, die nur an der Südküste Afrikas zu Hause sind.

    Ohne Taucherausrüstung lassen sich bei Ebbe die Tiere beobachten

    Einen eindrücklichen Einblick wie in ein natürliches Aquarium ermöglichen bei Ebbe die Gezeitentümpel. Gänzlich ohne Taucherausrüstung können Wanderer hier die Geheimnisse des Ozeans erforschen. Längst nicht nur Oktopusse sind hier zu Hause. Stanford zeigt seiner Gruppe verschiedene Seeanemonen, die mit ihren zahlreichen Tentakeln Kleinsttiere im Meerwasser fangen. „Sie können sich durch ungeschlechtliche Fortpflanzung selbst klonen“, erklärt McKinnon, „dadurch kann man sie also auch als biologisch unsterblich ansehen.“ Vorsichtig nimmt sie einen Seeigel aus dem klaren Wasser. Wer hätte gewusst, dass Kraken in der Lage sind, die stacheligen Wesen zu knacken und wer lässt sich nicht gerne darüber aufklären, dass die winzigen aquamarin schimmernden Portugiesischen Galeeren, die sich verstreut über den Strand finden, manchmal mehr als zehn Meter lange Tentakeln haben?

    „Quallen wie diese gehören zu den Beutetieren von Meeresschildkröten“, erklärt McKinnon. „Das ist der Grund, warum Plastikmüll für sie immer wieder zum Verhängnis wird. Aus einem der Gezeitentümpel zieht sie eine zerfledderte Plastikplane, die auf den ersten Blick tatsächlich wie eine Qualle wirkt. „Wir finden hier immer wieder auch Tiere, die zu viel Müll gefressen haben“, erzählt sie. „Manchmal geben wir gestrandete, kranke und verletzte Tiere Touristen mit, die sie zum Two-Oceans-Aquarium nach Kapstadt bringen.“ In der beliebten Touristenattraktion an der Victoria & Alfred Waterfront werden den Schildkröten medizinisch versorgt und aufgepäppelt, bevor man sie wieder in den Ozean aussetzt.

    Die Südspitze Afrikas hat eine einzigartige Natur

    „Nicht nur viele Meerestiere, sondern auch viele Tiere an Land sind in De Hoop gefährdet“, erklärt McKinnon.Im Wechsel der Jahreszeiten leuchten die Berge hier sanftrosa in den Farben von blühender Erika oder gelborange, violett und purpur von verschiedenen Protea-Blüten. Auch die Königsprotea, Südafrikas stolze Nationalblume, wächst hier. Um die Sträucher herum schwirren Vögel, die einzig hier an der Südspitze Afrikas vorkommen. McKinnon macht auf den charismatischen Kaphonigvogel aufmerksam, der für die Gruppe äußerst fotogen neben eindrucksvollen Blüten posiert. Nicht weit davon bringen Goldbrust-Nektarvögel mit ihrem metallisch türkis, kobaltblau und gelborange leuchtendem Gefieder Farbe in den Busch. „Die Region gehört für Botaniker zu den spektakulärsten Reisezielen der Welt“, sagt McKinnon, „doch auch viele Vogelbeobachter kommen, um endemische Arten aufzuspüren.“ Das Kap-Florenreich beherbergt pro Quadratkilometer mehr Pflanzenarten als irgendwo sonst in Afrika. Fast ein Fünftel aller Arten des Kontinents, sind hier zu Hause, obwohl es an Fläche nur etwa 0,5 Prozent ausmacht. „Einige Blumen sind hier so spezialisiert, dass sie einzig um den Potberg vorkommen“, erklärt die Naturführerin. Gemeinsam setzen sich McKinnon und Stanford dafür ein, dass das einzigartige Ökosystem geschützt bleibt.

    In einer von mehreren Schluchten, die in De Hoop dem Meer zustreben, führen die beiden die Wandergruppe an einen besonderen Ort. Etwas unterhalb der Abbruchkante liegt eine Felsgrotte. Stanford hebt einen Stein mit zweischneidiger Spitze vom Boden der Grotte auf: „Solche bearbeiteten Steinklingen findet man überall in den Höhlen der Region“, sagt der Guide, „Manche sind tausende Jahre alt.“ In der Blombos-Höhle, nur etwa 50 Kilometer Luftlinie östlich von De Hoop entdeckten Forscher Fundstücke, die manche für die älteste Zeichnung der Menschheitsgeschichte halten. Ein 73.000 Jahre altes Gesteinsfragment weist eine mit Ocker gezeichnete Gitterstruktur auf, die als „Steinzeit-Hashtag“ bekannt wurde und zum ersten Mal überhaupt symbolische Abstraktion darstellen könnte.

    Vielleicht die ersten Kunstwerke der Menschheit in Südafrika?

    „Wir wissen nicht viel über die Menschen, die diese ersten Kunstwerke schufen“, sagt Stanford, „aber manche glauben, dass Homo Sapiens genau hier seine Ursprünge hat.“ An der seit jeher von Malaria und anderen Tropenkrankheiten verschonten Südspitze Afrikas, wo er Meeresfrüchte im Überfluss sammeln konnte, mag der Mensch begonnen haben. „Man kann sich gut vorstellen, wie der Mensch hier in den Gezeitentümpeln zum ersten Mal sein Spiegelbild entdeckte“, sagt Stanford. Vom Meer klingt der bereits vertraute Ruf des Austernfischers, der das Rauschen der Wellen übertönt. „Für viele, die De Hoop besuchen, fühlt es sich hier wie Nach-Hause-Kommen an“, sagt Stanford. „Egal, woher wir sind – hier in Afrika steht unsere Wiege. Es ist ein Ort, der uns daran erinnert, dass wir alle einen gemeinsamen Ursprung teilen.“

    Wissenswertes über Walwandern in Südafrika

    Anreise: zum Beispiel mit Lufthansa oder Condor nonstop ab Frankfurt nach Kapstadt.

    Wandern in Südafrika: Walwandern im De-Hoop-Naturreservat. Wanderer, die den Whale Trail in kompletter Länge gehen möchten, müssen sich bei Cape Nature anmelden. Die Buchung verbindet einfache, aber saubere Unterkünfte in traumhafter Lage zwischen den fünf Tagesetappen. Gäste der Lekkerwater-Lodge können auch einzelne Abschnitte des Whale Trails als Tagesausflüge unternehmen.www.capenature.co.za, www.naturalselection.travel

    Veranstalter: Der Safari-Spezialist Abendsonne Afrika verbindet Reisen in die wildreichsten Schutzgebieten mit den schönsten Wanderzielen Südafrikas. www.abendsonneafrika.de

    Weitere Infomationen: www.southafrica.net

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