Immer gut für eine ungewöhnliche Überraschung in Bobingen sind die Hochsträßler, wenn es um ein Thema für ihre jährliche Sonderausstellung zum Christkindlmarkt geht. Waren es im Vorjahr Schenkungen und Nachlässe, so kamen diesmal die Eisenbahn-Nostalgiker auf ihre Kosten. Denn der Heimatverein machte heuer das 140-jährige Bestehen der Lechfeldbahn zum Ausstellungsthema (wir berichteten).
Ein Thema, das auf breites Interesse stieß, denn entsprechend groß war der Besucherandrang bei der Ausstellungseröffnung. Auf 14 Tafeln lassen Fotografien, Übersichtskarten, Dokumente, Fahrpläne und historische Sammlerstücke die Geschichte dieser Bahnlinie aufleben.
Zu verdanken ist diese Schau Werner Bischler. Er ist leidenschaftlicher Historiker, ist bekannt für seine Stadtführungen in Augsburg sowie für seine Vorträge. Die Ergebnisse seiner historischen Studien hat er in sieben Publikationen gefasst. Und einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Militärgeschichte des Lechfeldes, von der er viel zu erzählen weiß: „Hier waren 10 000 Mann stationiert und wollten versorgt werden. Zunächst dachte man, das mit Pferdetransporten zu bewerkstelligen. Die Idee ließ man aber bald wieder fallen und entschied sich für den Bau einer eingleisigen Strecke von Bobingen nach Kaufering“, sagte er in seinem sehr lebendigen und informativen Vortrag zur Eröffnung der Sonderschau.
Sechs Jahre vergingen von der Planung bis zur feierlichen Eröffnung am 15. Mai 1877. Eine dazugehörige Besonderheit ist die Lokalbahn mit den typischen orangefarbenen Loks, die auf einem eigenen Schienennetz Güter etwa von der ehemaligen Firma Hoechst in Bobingen nach Augsburg transportiert. In der Ausstellung gibt es ein Foto, das eine solche Lok mit einer Gruppe von 30 Männern zeigt. Bischlers Wunsch wäre es, alle namentlich zu identifizieren und er erhofft sich Auskünfte von den Ausstellungsbesuchern. „Zwei Namen fehlen uns noch“, sagt er.
Dass die Ausstellung so viele Facetten der Bahngeschichte zeigen kann, ist auch dem Bobinger Heimatforscher Georg Fritz sowie Stadtarchivar Wolfgang Bobinger zu verdanken, die Werner Bischler wertvolles historisches Material zur Verfügung stellten.