„Beim Fotografieren kann ich mich fallenlassen, wenn ich für meine Naturaufnahmen Motive suche, kann ich total abschalten“, erzählt Dr. Edgar Krumpen und hat auch ein paar Fotos dabei, die das eindrucksvoll belegen. Die künstlerisch gestalteten Aufnahmen entstanden bei Reisen in Brasilien und Afrika, die er zusammen mit seiner Frau Christine unternommen hat und die im erweiterten Sinne durchaus mit seiner beruflichen Laufbahn zu tun haben.
Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigt sich Krumpen entspannt, sehr einfühlsam und nimmt sich viel Zeit, seine spannende sowie menschlich anspruchsvolle berufliche Tätigkeit zu erklären. Er ist Leiter der Notfallseelsorge für das Bistum Augsburg und sein vollständiger Titel lautet Diakon Dr. theol. Edgar Krumpen. Für unsere Serie „Was machen Sie denn so“, gibt er einen Einblick in die Strukturen der Notfallseelsorge und beantwortet persönliche Fragen: „Nach Augsburg zum Studium musste ich wohl kommen, um Christine kennenzulernen“.
Edgar Krumpen ist in Düren aufgewachsen
Aufgewachsen ist er in Düren und sein erster Studienwunsch Jura führte ihn an die Universität Augsburg. Das war vor 33 Jahren, knapp zwei Wochen an der Uni lernte er seine jetzige Ehefrau kennen und lieben, die in Königsbrunn aufgewachsen ist und heute als Rehabilitationslehrerin für blinde und sehbehinderte Menschen arbeitet. Das Paar hat zwei erwachsene Söhne.
Krumpen sattelte nach zwei Semestern Jura auf katholische Theologie um und schloss mit dem Diplom sein Studium ab. Es folgten eine Ausbildung zum Pastoralreferenten, die Arbeit in der Hochschulseelsorge und im Jahr 2000 wurde er Sekretär des damaligen Weihbischofs Josef Grünwald. „Da war ich quasi Mädchen für alles“. Und das passt ganz gut zu seinem Grundgedanken überhaupt, ein theologisches Studium zu beginnen: „Mal schauen, was daraus wird“.
Daraus wurde eine beeindruckende berufliche Laufbahn, vielleicht gerade deshalb, weil Krumpen sich engagiert, ohne die Menschen, denen er helfen möchte aus den Augen zu verlieren. Während er das Büro des Weihbischofs organisierte, machte er gleichzeitig die Ausbildung zum Diakon und erhielt 2002 die Weihe. Im gleichen Jahr wurde Krumpen Leiter der Seelsorge in den Hessing-Kliniken und 2004 kam er nach Königsbrunn.
Durch die Gründung der Pfarreiengemeinschaft wurde er beauftragt, hier im Bereich der Seelsorge mitzuarbeiten.
Die Notfallseelsorge im Bistum übernahm er 2010
Seit 2010 ist er der Leiter der Notfallseelsorge im Bistum und dieses Gebiet ist groß: von Sonthofen, über Lindau, Kempten, Unterallgäu bis hoch nach Nördlingen und auf der anderen Seite über Pfaffenhofen, Starnberg nach Benediktbeuren wieder runter. Dazwischen die Städte Augsburg und Landsberg, sowie der Bereich Ostallgäu. Die Bistumskarte in seinem Büro ist in sogenannte Systeme eingeteilt mit jeweils zuständigen Leitern, mit denen sich Krumpen als Chef regelmäßig trifft. Über 240 Mitarbeiter hat er zu koordinieren und obwohl sich sein heutiges Betätigungsfeld im großen Bereich der Administration bewegt, ist er selbst noch ab und zu im Einsatz. Und die Einsätze der Notfallseelsorge sind definiert wie Krumpen erklärt: „Suizid, „Verkehrstod“ und „Tod eines Kindes“, sowie sogenannte „Großschadenslagen“. Bei den drei erstgenannten Fällen sind die jeweils eingeteilten Notfallseelsorger zusammen mit der Polizei die Überbringer der Todesnachrichten.
„Ich bin da, ich habe Zeit für Sie, ich halte das Leid zusammen mit Ihnen aus, ich zerrede das Leid nicht, ich beantworte Fragen, ich schweige und höre zu und stelle mich der Situation“, so erklärt Edgar Krumpen sachlich und dennoch sehr menschlich die Aufgabe des Notfallseelsorgers. Ob die Betroffenen eine Religionszugehörigkeit haben oder welcher Religion sie angehören, spiele dabei keine Rolle, auch wenn Fragen kommen wie beispielsweise „Wie kann Gott so etwas zulassen?“. Das wisse der 53-Jährige selbst auch nicht. Er sei aber überzeugt, dass Gott da sei und sein Glaube helfe ihm auch, selbst mit Schicksalen dieser Art fertig zu werden.
Zwei bis drei Stunden dauert der Einsatz eines Notfallseelsorgers
Die Notfallseelsorger verständigen Angehörige oder Freunde und bemühen sich darum, dass Betroffene nicht alleine sind. Zwei bis drei Stunden dauert in der Regel ihr Einsatz. Bei Großschadenslagen ist die Dauer meist länger und diese seien wesentlich seltener. Ereignisse wie der Tornado in Aichach, der Amoklauf in München oder die Flut in Niederbayern (Simbach) zählen auch zu den Einsätzen, bei denen sich die Notfallseelsorger des Bistums betätigten.
„Zusammen mit dem Roten Kreuz, dem Malteser-Hilfsdienst, der evangelischen Kirche und uns stellt der gemeinsame Dienstplan 24 Stunden an jedem Tag im Jahr sicher, dass die psychosoziale Notfallversorgung, PSNV, gewährleistet ist“, verdeutlicht Krumpen das System. Das kirchliche Angebot müsse mit den staatlichen Diensten kompatibel sein. Wer Dienst hat, wird von den integrierten Leitstellen informiert und bei Großeinsätzen informieren sich die Leiter der Notfallversorgungs-Anlaufstellen auch gegenseitig.
Ganz klar, da erleben alle Helfer viele belastende Situationen und dafür gibt es ein Netz für die Helfer selbst. Teambesprechungen sowie Einsatznachbesprechungen gehören beispielsweise dazu. Edgar Krumpen sagt für sich: „Ohne den Glauben könnte ich das nicht machen“.
Krumpen hat weltweit Kontakte
Das wirkt sich auch auf seine Freizeit aus, denn er ist als Mitglied im internationalen Diakonatszentrum, einem weltweiten Zusammenschluss. Seine Kontakte pflegt der 53-Jährige in der ganzen Welt, beispielsweise in Indien, Litauen, Afrika oder in England. Bei den alle vier Jahren stattfindenden Treffen hat er zahlreiche Freundschaften geknüpft und so kommt demnächst aus England ein Diakon für drei Wochen zu ihm nach Haunstetten.
Zudem lernt Krumpen gerade die Sprache Suaheli, damit er sich mit den Eltern eines Theologiestudenten aus Tansania verständigen kann. Den jungen Mann hat er 2016 in Nairobi kennengelernt und unterstützt und begleitet ihn seitdem. Dazu gehört der persönliche Kontakt und so geht es im nächsten Urlaub in die Heimat des jungen Afrikaners. „Diese vielfältigen Impulse geben mir die Kraft durch mein Leben zu gehen“, sagt Krumpen. Und den Fotoapparat wird er sicher wieder mit dabei haben, um viele interessante Bilder mit nach Hause zu bringen.