Königsbrunn Dass die Erde eine runde Sache ist, das sieht jeder Besucher des Mercateums schon von Weitem. Das Privatmuseum, das sich mit der Frühphase des globalen Handels im 15. und 16. Jahrhundert befasst, ist nämlich in einem begehbaren Globus mit rund zwölf Metern Durchmesser untergebracht. Die Hülle ziert eine Weltkarte, die Diego Riebero 1529 detailreich anfertigte.
Jetzt kann das Mercateum mit einer noch älteren Darstellung des Erdballs aufwarten – einem Nachbau des berühmten Globus, den Martin Behaim von 1490 bis 1493 in Nürnberg anfertigte. Das Original ist die älteste neuzeitliche Darstellung der Erdkugel. Sie weist zwar eine ganze Reihe geografischer Mängel auf – aber viele höchst interessante zeitgenössische Aspekte.
Den Erwerb der Kopie hatte die Augusta Bank, langjähriger Sponsor des Mercateums, finanziert. Bankvorstand Heinrich Stumpf sah den Grund dafür nicht allein im Fakt, dass Behaim auf seinem Globus die Reichsstadt Augsburg festgehalten hatte. Vielmehr sei dieser Globus ein Dokument für den beginnenden Welthandel, den damals Augsburger Handelshäuser mit geprägt hatten. Die Anschaffung sei deshalb, so Stumpf, eine Gabe „an die Besucher des Museums und die Menschen in der Region“.
Fast jede freie Fläche des Globus ist mit Texten versehen
Bernhard Knabe, Sohn des Museumsleiters Dr. Wolfgang Knabe und Student der Geografie, erläuterte in einem faktenreichen Vortrag, dass Behaim seinen Globus nicht allein als Dokumentation der ihm damals bekannten Erdkugel mit ihren politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten verstand.
Er hat fast jede freie Fläche der Erdkugel – und da gab es viele, denn der Behaim-Globus führt nur die drei Kontinente Europa, Asien und Afrika auf (die Nachricht, dass Christophorus Kolumbus 1492 neues Land jenseits des Atlantiks entdeckt hatte, erreichte Nürnberg erst später) – mit ausführlichen Hinweisen auf Handelsrouten und die Produkte der fernen Länder versehen. Und so kann man diesen Globus auch als eine Art Werbebotschaft für den Welthandel lesen.
Weil die Naturfarben in den über 500 Jahren seit der Fertigung stark nachgedunkelt sind – und auch so in die Kopie übernommen wurden – lassen sich die meisten Texte nur schwer entziffern. Bernhard Knabe zog deshalb für seine Ausführungen eine Nachzeichnung heran, die vor etwa 100 Jahren alle Details dokumentierte.
Behaim, der mit portugiesischen Schiffen die Westküste Afrikas befahren hatte, stützt sich bei seiner Darstellung Asiens vor allem auf die Reiseberichte Marco Polos. Entsprechend ungenau sind die Landmassen dort wiedergegeben. Sri Lanka etwa ist dort übergroß wiedergegeben, weil es für die Seefahrer der damaligen Zeit wichtig war. „Cathai“ steht für China, ist aber als Insel dargestellt – viel kleiner als „Cipangu“, also Japan. Das war eben damals für europäische Händler schon interessant.
Auf den Wasserflächen des Indischen Ozeans hat Behaim dann einen ausführlichen Appell an die – wohl sehr begüterten – künftigen Betrachter seiner Erdkugel verfasst. Er zählt darin für „Spezereien“ aus Südostasien elf Zwischenhändler auf, erläuterte Knabe, und weist ausdrücklich hin auf „die große Zahl und den Gewinn, der 12 mal auf die Spezerei geht“, also draufgeschlagen wird. Dabei seien die Produkte im Orient zahlreich und billig, schrieb Behaim, in Europa würden sie jedoch „dem Golde gleich“ geschätzt.
Solche Werbebotschaften waren auch nötig angesichts der hohen Kosten und des großen Risikos, die vor 500 Jahren mit Handelsreisen nach Afrika und Asien verbunden waren. So kehrten von der Weltumsegelung, zu der Ferdinand Magellan 1519 mit fünf Schiffen und 234 Mann aufbrach, drei Jahre später nur ein Schiff und 17 Mann zurück.
Die Fugger verdienten gut an Magellans Weltumseglung
Doch die Waren dieses einen Schiffs brachten so viel Geld, dass etwa die Fugger nicht nur ihren Einsatz von 10 000 Golddukaten zurück erhielten, sondern zudem einen Gewinnanteil von 3700 Golddukaten.
Diese Zahlen zeigen, warum vor 500 Jahren Europa mit viel Energie in ferne Ecken der Welt drängte. Das Mercateum dokumentiert diese Epoche jetzt mit einem weiteren faszinierenden Ausstellungsstück.
Eine Eröffnungsführung im Mercateum bietet Dr. Wolfgang Knabe am Samstag, 5. Mai, um 18 Uhr an.