Königsbrunn Die Brunnenstadt ist ganz offensichtlich ein gutes Pflaster für den Nachwuchs der schreibenden Zunft. Beim Wettbewerb für Schülerzeitungen, den die Augsburger Allgemeine mit der Allgäuer Zeitung und dem Presseclub Augsburg heuer zum sechsten Mal veranstaltet hat, kamen gleich drei Publikationen aus Königsbrunn unter die 17 Besten aus ganz Schwaben.
Sie sind ganz unterschiedlich: Mal quietschbunt gestaltet oder gediegen in Schwarz-Weiß und Sepia. Mit naiven Zeichnungen und anspruchsvoller digitaler Bildbearbeitung. Mit kurzen direkten Texten und tiefgründigen Reflexionen. Und sie verbindet Grundlegendes: Alle drei spiegeln – jede auf ihre Art – mit Fotos, Berichten und Interviews die Vielfalt des Lebens an ihrer Schule und die Interessen ihrer Macher wieder. Eben so, wie es sich für ausgezeichnete Zeitungen gehört. Gestern Nachmittag wurden im Medienzentrum in Augsburg-Lechhausen die Preise übergeben.
Brunnenschule Erstmals hat das Förderzentrum der Lebenshilfe Augsburg für seine Schülerzeitung Der Brunnenchecker einen Preis erhalten – und dann gleich den zweiten Platz in Kreis der Förderschulen belegt. Wenn Jugendliche mit besonderem geistigen Förderbedarf eine Zeitung machen, dann sind dafür klare Strukturen sehr hilfreich. In der Brunnenschule wird jede Woche am Donnerstag daran gearbeitet, in einem Praxistag der „Berufsschulstufe“.
Das Team wechselt jedes Jahr
Das hat allerdings zur Folge, dass jedes Jahr das gesamte Team wechselt, erläutert Janusz Leudemann, der die Redaktion seit 2009 betreut. Er entwickelt mit den Schülern die Ideen für ihre Beiträge, hilft auch mal bei der Umsetzung und viel beim Layout. „Bei der Ausgabe, mit der wir jetzt den Preis gewonnen haben, hat da sehr viel Brigitte Müller gemacht, die als Schulhelferin einen Schüler individuell betreut hat“, betont Leudemann.
Im Brunnenchecker wird meist ein Thema auf einer oder zwei Seiten abgehandelt. Derzeit schreibt Nesibe über ihren Urlaub in der Türkei, Kathrin stellt die TV-Seifenoper „Anna und die Liebe“ vor, und Serdas hat zusammengeschrieben, was er über Löwen weiß – und das mit bunten Zeichnungen illustriert. Bunt ist jede Seite im Brunnenchecker – und das gleichnamige bunte Maskottchen taucht immer wieder auf.
Christophorus-Schule Nebenan ist man Auszeichnungen für die Schülerzeitung King-News schon gewohnt. 2008 und 2010 und jetzt 2011 belegte sie beim Wettbewerb unserer Zeitung unter den Förderschulen Platz eins, 2009 Rang drei. Mit anderen Heften errang die Förderschule des Landkreises in Bayern und auf Bundesebene schon einen ersten, zweiten und dritten Platz.
Apple und FC Bayern als Themen
Seit sechs Jahren betreut Lehrerin Christine Kohlmann die wechselnden Redaktionsteams. Auch hier ist das Projekt Schülerzeitung jede Woche im Stundenplan verankert – als eine „lebensbezogene Arbeitsgemeinschaft“ (LAG). Die sind nur für höhere Jahrgänge gedacht, das Team wechselt jedes Jahr.
Derzeit ist wieder eine neue achtköpfige Redaktion dabei, Ideen, Artikel und Bilder zu sammeln, um dann bis zum Sommer 2012 ein weiteres Heft fertigzustellen. Die Beiträge bilden die Interessen ihrer Autoren ab. Halil stellt das Unternehmen Apple und dessen Produkte vor, Sebastian schreibt über den FC Bayern und Alexander über das Schulprojekt, bei dem Acht- und Neuntklässler einen alten Vespa-Roller überholen.
Und sicher kommen auch wieder mehrere der Fotogeschichten in die Schülerzeitung, die bei den jungen Lesern so beliebt sind – auch weil sie Themen aus ihrem Alltag, wie Übergewicht und Alkohol, angehen. Dann steht fast die ganze Redaktion vor der Digitalkamera. Die wurde übrigens mit Preisgeld aus einem Wettbewerb angeschafft.
Gymnasium Dort erschien im vergangenen Sommer nach mehrjähriger Pause erstmals wieder eine Nummer des Eulenspiegel. Dass die schwabenweit gleich auf dem dritten Platz landete, freut die Macher besonders. Sie haben als Erstlingswerk ein optisch ansprechendes Heft vorgelegt, das sich inhaltlich um „die kleinen Dinge des Alltags“ rankt.
„Alltagsgeschäfte“ auf der Toilette kommen darin vor, „Alltagsfallen“ auf der mehrjährigen Baustelle der Schule, die „Alltagssorgen“ drehen sich um mögliche Probleme bei Aktivitäten im Internet. Rubriken wie „Meine Heimat“ (Schüler stellen ihre Herkunftsländer vor), „Eulenspielchen“ (für die Unterstufe) und „Ollenspiegel“ (für die Lehrer) sollen auch in den künftigen Ausgaben auftauchen. Ebenso das Interview mit einem Lehrer, dessen Identität erst im Internet verraten wird.
Konstruktiv Kritik üben
„Wir wollen die üblichen Inhalte anders verpacken“, ist laut Chefredakteur Daniel Gherman ein Ziel des Teams. In den Redaktionssitzungen werde viel über Themen und Texte diskutiert. Da lernen die Teilnehmer auch, konstruktiv Kritik zu üben, merkt er an.
Doch solche Projekte sind am achtstufigen Gymnasium nicht mehr leicht umzusetzen. „Das ist definitiv das große Problem: Die Schüler haben keine Zeit mehr!“, betont Betreuungslehrerin Nicola Schmidt. Für das laufende Schuljahr hat sie eine Lösung gefunden. Zwei P-Seminare (P für Praxis) in Deutsch und Kunst haben den Eulenspiegel zum Inhalt.
Auch das verbindet die drei ausgezeichneten Schülerzeitungen aus Königsbrunn: Zeitungsmachen steht auf dem Stundenplan.