Seit 1995 sollen in der Pfarrei St. Alban in Walkertshofen keine ordentliche Bücher geführt werden. „Es werden keine Jahresrechnungen erstellt“ sagt der ehemalige Kirchenpfleger und Mesner Josef Kugelmann. „Ohne Nachweise über die Ein- und Ausgaben gibt es von der Diözese Augsburg aber keine Zuschüsse, so dass der Pfarrei demnächst die Zahlungsunfähigkeit droht.“
Ein Dekanatsprüfer soll schon Anfang 2001 die Haushaltslage als „katastrophal“ und die Buchführung als „chaotisch“ bezeichnet haben. Die Öffentlichkeit habe bisher selbst in den Pfarrversammlungen „keine Zahlen erfahren können“, beklagt Kugelmann. „Wir können doch nicht dulden, dass unsere Pfarrei zugrunde geht“, sagt er. „Die Pfarrei, das sind wir.“ Um auf die Probleme aufmerksam zu machen, hat er jetzt zu einem Informationsabend eingeladen. Rund 40 Bürger aus Walkertshofen nahmen daran teil.
„Wenn wir über die Probleme reden, wollen wir damit etwas Positives erreichen“, stellte Kugelmann in der Versammlung im Burgcafe eingangs fest. Zur Bewältigung der Aufgaben in der Pfarrei bedürfe es schließlich eines verstärkten, insbesondere auch finanziellen Engagements der Gemeindemitglieder. Dazu müsse aber seiner Überzeugung nach erst die entstandene Situation in der Pfarrei öffentlich klargestellt werden – was bisher nicht der Fall gewesen sein soll.
Aufgrund nicht vorhandener Jahresrechnungen würde sich die Diözese „immer weiter zurückziehen“ - mit verheerenden finanziellen Folgen für die Pfarrei. Diese werde zu einem Drittel aus Spenden und zu zwei Dritteln aus Zuschüssen der Diözese finanziert. „In den vergangenen Jahren wurden nur Zuschüsse zu den Personalkosten gewährt, aber keine zu den Sachkosten“, so Kugelmann. Der Mindestfehlbetrag beliefe sich somit seiner Schätzung nach auf rund 100000 Euro. Neuinvestitionen, wie beispielsweise die dringend notwendige Sanierung der Pfarrkirche seien somit nicht möglich. Aber nicht nur die Zuschüsse blieben aus. Es soll auch Unstimmigkeiten bei der Verwendung von Spenden, Kollekten und Grabgebühren gegeben haben.
Der Walkertshofener Pfarrgemeinderatsvorsitzende wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung zu der Situation in der Pfarrei St. Alban weder äußern noch überhaupt seinen Namen „in der Zeitung abgedruckt haben“. Und Kirchenpfleger Andreas Kerler sagte nur schroff: „Ich sage nichts dazu.“
Für Pater Aurelian ist dagegen „alles bereits geklärt und besiegelt“, wie er betonte. „Zu weiterer Auskunft bin ich nicht berechtigt.“ Herbert Metzger von der Stiftungsaufsichtsbehörde der Diözese Augsburg räumte ein, dass in der Vergangenheit die Jahresrechnungen der Pfarrei Sankt Alban mehrfach verspätet erstellt wurden und deshalb die Zuschüsse auch nicht immer dem aktuellen Bedarf angepasst werden konnten. Gleichzeitig versicherte er aber: „Wir sind jetzt auf dem Laufenden.“ Alle Jahresrechnungen seien abgegeben und bereits geprüft worden. Von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit der Pfarrei St. Alban sei ihm nichts bekannt.
Im Rahmen der Pfarrversammlung im April sollen die relevanten Zahlen für das Jahr 2011 inklusive Ein- und Ausgaben der Pfarrei sowie der geflossenen Zuschüsse bekannt gegeben werden, sagte Metzger.