Aktuell herrscht im Landkreis Augsburg Warnstufe gelb: Es wird erwartet, dass sich der Borkenkäfer-Befall ausbreitet. Damit wächst die Angst vieler Waldbauern. Denn Buchdrucker und Co. gelten als große Schädlinge, die sich besonders an einer Baumart zu schaffen machen: ausgerechnet am schwäbischen Brotbaum, der Fichte, die viele Jahrzehnte schnell wachsend hohe Erträge brachte. Wie sich ihr Appetit der Käfer zügeln lässt, zeigt ein Beispiel in der Landkreis-Mitte. Daniel Steppich hat mit seiner Familie und mithilfe der Experten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) vor Jahren damit begonnen, seinen Wald umzubauen.
Über staubende Feldwege geht es zu den Waldflächen zwischen Dinkelscherben und Horgau. Dort sind bereits rund vier Hektar Wald umgebaut. Statt Fichten wachsen dort unter anderem Esskastanien, Elsbeeren oder Kirschen. Die Flächen sind eingezäunt, damit nicht Reh und Co. an den zarten Knospen knabbern. Bis aus ihnen stattliche Bäume werden, vergehen noch viele Jahre. Aber Zeit hat im Wald eine andere Dimension. Steppich, der in einem Industrieunternehmen Technologie- und Nachhaltigkeitsthemen verantwortet, beschäftigt sich seit zehn Jahren intensiv mit dem Umbau: „Es ist ein Hobby mit Leidenschaft.“ Der Umbau sei ein Kraftakt, gibt er zu. Stemmen kann er ihn mit Unterstützung der Familie und der Experten, die ihm zur Seite stehen. Freilich gibt es auch Förderungen.
Daniel Steppich zeigt Vielfalt mit zehn Baumarten im Wald
Früher wuchsen auf den Flächen von Steppich zwei Baumarten. Jetzt sind es zehn. Sein Ratschlag an andere Waldbauern: Frühzeitig mit dem Umbau beginnen. „Es geht nicht alles auf einmal. Das macht auch keinen Sinn.“ Die Arbeit müsse gut eingeteilt werden. Zuvor müsse auch klar sein, welches Ziel erreicht werden soll. Sind die jungen Bäume gepflanzt, dann heißt es: dranbleiben. Denn sonst wuchert die Brombeere und überdeckt alles. Förster Lorenz Hochhauser vom Biburger Revier sagt: „Etwas aktiv zu gestalten ist etwas anderes, als dem Käfer hinterher zulaufen.“ Klar ist auch: „Die Borkenkäfer-Dynamik kann sich allgemein schneller als angenommen entwickeln. Und dann erwischt es einen.“ Die Faustregel im Wald: Ein befallener Baum kann weitere 20 Bäume im Umfeld zu Käferholz machen.
Waldbesitzer entfernen Käferholz zum Schutz der Wälder
Mittlerweile werden auch Verfügungen ausgesprochen. Das heißt: Waldbesitzer, deren Käferbäume eine Gefahr für andere darstellen, können gezwungen werden, diese zu entfernen. Oder es werden Unternehmer beauftragt, Käferbäume aus dem Wald zu bringen. Diese „Ersatzvornahmen“ kommen vor, erklärt Hochhauser. Gründe, wie es so weit kommt, gibt es viele. Einer davon ist: „Waldbesitzern fehlt der Bezug. Beispielsweise, wenn sie eine Fläche geerbt haben, nicht vor Ort wohnen und mit der Bewirtschaftung nicht wirklich vertraut sind.“ Der Großteil der angemahnten Waldbesitzer reagiere aber sehr schnell - auch im eigenen Interesse. „Käfer zu bekämpfen, ist eine gesetzliche Verpflichtung. Es funktioniert nur, wenn alle Hand in Hand arbeiten“, sagt Hochhauser. Und ergänzt: „Keiner wird alleine gelassen.“ Mittlerweile sei auch ein Netz von Lagerplätzen entstanden, wohin Käferholz im Ernstfall gebracht werden kann. Um einen Neubefall zu verhindern, müssen befallene Bäume mindestens 500 Meter bis zum nächsten gefährdeten Fichtenbestand gelagert werden.
Borkenkäfer und der Klimawandel
Die Käfer freuen sich über den Klimawandel: Er hat nicht nur für die Massenvermehrung des Forstschädlings seit 2018 gesorgt, sondern begünstigt weiterhin die rasante Entwicklung seiner Populationen. Die Anlage einer dritten Generation pro Jahr, die die Population explodieren lässt, könnte bei entsprechenden Witterungsverhältnissen zum Standard werden.
Wer seinen Wald rechtzeitig umbaut, hat noch einen weiteren Vorteil. Auch preislich lässt sich besser agieren, erklärt Philipp Hanner von der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Augsburg West. Sie kümmert sich unter anderem um die Vermarktung. Aktuell sind über 800 Waldbesitzer mit einer Fläche von fast 8000 Hektar durch die FBG vertreten.
Käfer lieben trockenes und warmes Wetter
Wesentlich größer ist die Fläche, die die Bayerischen Staatsforsten im Landkreis Augsburg betreuen: 14.000 Hektar naturnaher Wald. Auch dort ist der Borkenkäfer ein großes Thema. Alle bekannten und befallenen Stämme wurden über den Winter hinweg gefällt und aus dem Wald abtransportiert. „Dadurch kann man die Ausgangspopulation wirksam absenken“, sagt Betriebsleiter Rainer Droste. Denn die sei insgesamt hoch. Dazu kommt jetzt die Witterung: „Besonders warmes und trockenes Wetter begünstigen die Entwicklung der Insekten“, sagt Droste. Was das Problem erhöht: Trockenheit und Hitze machen besonders Fichten zu schaffen - und geschwächte Bäume sind buchstäblich ein gefundenes Fressen für die Käfer.
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