Die Flexklasse zum Standard zu machen, steht derzeit an der Schwabmünchner Grundschule Sankt Ulrich zur Diskussion. (Symbolbild)Foto: Marijan Murat/dpa
Viele Leser kennen die Grundschule von früher mit erster, zweiter, dritter und vierter Klasse. Das sind die Regelklassen. Die Grundschulzeit dauerte vier Jahre. Mittlerweile gibt es seit gut 15 Jahren ein flexibleres Modell für die erste und zweite Klasse an mehr als 280 Grundschulen in Bayern: die Flexklasse. Das ist eine jahrgangsübergreifende Klasse, in der Erst- und Zweitklässler normalerweise zwei Jahre lang zusammen unterrichtet werden, bevor es regulär in der dritten Regelklasse weitergeht. Ein besonders begabter Schüler kann bereits nach einem Jahr in der Flexklasse in die dritte Klasse wechseln und die gesamte Grundschulzeit in drei Jahren absolvieren. Ein Schüler mit großen Defiziten kann bis zu drei Jahre in dieser Flexklasse bleiben und somit insgesamt fünf Jahre in der Grundschule verbringen.
Durch die flexible Schuleingangsphase soll der immer größer werdende Unterschied im Vorwissen der Grundschüler ausgeglichen und somit Unter- oder Überforderung verhindert werden. Zudem soll der wachsende Trend, dass immer mehr Eltern ihre Kinder von der Schule zurückstellen lassen, gestoppt werden. Die flexible Schuleingangsphase gehört deshalb zu den zentralen Empfehlungen der Kultusministerkonferenz für Schulreformen.
Petition ist von 370 Personen unterzeichnet
Die Grundschule Sankt Ulrich in Schwabmünchen hat vor vier Jahren die ersten Flexklassen eingeführt. Parallel zu den Regelklassen. Die Eltern konnten sich also entscheiden, ob das Kind regulär in eine erste Klasse kommt oder ob es die Flexklasse besuchen soll. Mit dieser Entscheidungsfreiheit könnte bald Schluss sein, denn derzeit wird diskutiert, die Flexklassen als alleiniges Modell zu erweitern und die Regelklassen eins und zwei abzuschaffen. Dagegen regt sich Widerstand bei Eltern. Im Internet wurde eine Petition auf change.org gestartet, die mittlerweile knapp 370 Unterschriften hat (Stand Mittwoch, 10. Dezember).
„Diese Nachricht sorgt für erheblichen Unmut bei den Eltern. Denn obwohl die Flexklasse ein etabliertes Schulmodell mit eigenen Stärken ist, fühlen sich zahlreiche Familien übergangen. Das zeigen nicht nur Gespräche unter den Eltern, sondern auch eine Online-Petition, die innerhalb kürzester Zeit hohe Unterstützung erfahren hat“, schreibt die Mutter eines Grundschulkindes. Zudem kritisiert sie, dass die Eltern nicht frühzeitig informiert und beteiligt worden seien.
„Kinder aus Flexklassen sind leistungsstärker“
Schulleiterin Maren Hankl sieht die Flexklassen positiv: „Das Modell hat sich sehr gut bewährt. Die Kinder aus diesen Klassen sind in der dritten Regelklasse leistungsstärker.“ Noch sei aber nichts entschieden. „Wir befinden uns in einem Schulentwicklungsprozess, in dem noch diskutiert wird. Das Schulamt, das Schulentwicklungsteam, das Lehrerkollegium und auch der Elternbeirat als Vertreter der Elternschaft seien in den Prozess einbezogen worden. „Ich kann nicht alle Eltern informieren, wenn noch nichts feststeht“, sagt Hankl zu den Vorwürfen. Sie habe dennoch großes Verständnis für die Eltern. Schließlich hätten diese das Wohl ihres Kindes im Blick. „Ich sehe ebenfalls das einzelne Kind, sehe aber auch alle 700 Kinder, die hier zur Schule gehen.“ An vielen kleineren Schulen hätten Eltern nie die Wahl gehabt, zwischen Regel- oder Flexklassen. Das sei in Schwabmünchen in den vergangenen Jahren ohnehin nur aufgrund der Größe der Schule möglich gewesen.
Kleinere Klassen und zusätzliche Stunden
Hankl verweist zudem auf die Vorteile des Modells. Es gibt im Vergleich zur Regelklasse kleinere Klassenstärken (25 statt 28 Schüler) und zusätzliche Stunden. Die Flexklassen ermöglichen ihrer Ansicht nach zudem eine individuellere Förderung der Kinder. „Einige wenige können bereits lesen, schreiben und rechnen, wenn sie in die Schule kommen, andere hingegen, und das werden leider immer mehr, können kaum einen Stift richtig halten oder etwas mit der Schere ausschneiden. Da fehlt es an Alltagskompetenzen. Die Unterschiede sind enorm und können in Flexklassen besser aufgefangen werden. Die Lehrkräfte suchen bewusst nach Aufgaben, die allen gerecht werden“, sagt Hankl.
Die Flexklassen seien bayernweit ein Erfolgsmodell, deshalb wäre es Hankls Wunsch, diese Klassen künftig als alleiniges Schulanfangsmodell in Schwabmünchen zu etablieren. Auch wenn das bedeutet, dass die künftigen zweiten Klassen geteilt werden müssten. Das geschehe beispielsweise auch in Regelklassen, sobald die Schülerzahl von 28 überschritten wird. „Wir achten stets darauf, dass Kinder mit Freunden zusammen in der Klasse bleiben können. Oder auch Kinder getrennt werden, die sich noch nie leiden konnten.“
Beim Elternabend im Januar will Maren Hankl über das Thema informieren. Denn eine Entscheidung darüber, ob das alleinige Flexmodell zum Schuljahresstart 2026/2027 umgesetzt wird, müsste vor der Schuleinschreibung Anfang März fallen.
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