Dort, wo früher ein Gemüse- und Kräutergarten für alle mitten in der Stadt war, ist nur noch eine abgeräumte Fläche mit umgegrabener Erde übrig. Zwei Kreuze sind aufgestellt, auf einem Schild aus Karton steht mit der Hand geschrieben: "Danke für Nichts, Herr Feigl." Dieses Bild bot sich am Mittwochmorgen am Europaplatz in Königsbrunn. Später kam es im Rathaus zum Eklat, den erst die Polizei auflöste.
Die Stadt Königsbrunn hat bereits am Dienstagabend die drei Beete am Europaplatz abgeräumt. "Wir sind empört. Es wurde vonseiten der Stadt eindeutig gesagt, dass der Kronengarten erst am Mittwoch geräumt wird", sagt Ingo Blechschmidt vom Augsburger Klimacamp. Darauf habe man sich verlassen. Um ihrem Ärger Luft zu machen, drangen die Aktivisten, die den Stadtgarten beschützen wollten, ins Königsbrunner Rathaus ein. Sie leerten einen großen Haufen Erde auf den Schreibtisch von Bürgermeister Franz Feigl. Der war verärgert, es kam zu hitzigen Wortgefechten. Schließlich beendete die Polizei Bobingen die Aktion.
Einige Stunden später erreichte die Redaktion eine Nachricht: "Drei von vier von uns sind aus der Haft entlassen, aber all unsere Handys und Laptops sind konfisziert. Wo der vierte von uns ist, wissen wir nicht. Wir haben nur noch gesehen, wie er woanders hin transportiert wurde, nachdem wir anderen drei freigelassen worden waren." Das Polizeipräsidium Schwaben-Nord hat den Fall übernommen. Pressesprecher Markus Trieb widersprach der Darstellung der Klimacamper: "Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen konnten alle vier bereits mittags wieder gehen, niemand wurde in Polizeigewahrsam genommen. Nachdem alles gefilmt wurde, haben wir Mobiltelefone, Laptops und Datenträger sichergestellt."
Die Beete am Königsbrunner Europaplatz mussten einer Baustelle weichen
Eigentlich hatten die Klimaaktivisten nach einem Hilferuf am Kronengarten, der zum Permakultur-Projekt "Königsbrunn - Mein Garten" gehört, noch zu neuen Pflanzungen aufgefordert. Damit habe man zeigen wollen, dass die Beete eine Zukunft haben. Jetzt ist das nicht mehr möglich. Grund für die Räumung des Stadtgartens war, die Fläche auf die Bauarbeiten im Zuge der Umgestaltung des Europaplatzes vorzubereiten, wo Parkplätze entstehen sollen. Bürgermeister Franz Feigl: "Die Umgestaltung der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße hat die anliegenden Gewerbetreibenden durch die nicht mehr einfache Erreichbarkeit in existenzielle Notlagen gebracht." Deshalb sollten die drei Beete weichen, um dort ein paar neue Parkplätze zur besseren Erreichbarkeit der Geschäfte und Büros zu schaffen. Laut Feigl war von Anfang an klar kommuniziert, dass die drei Beete nur für ein paar Jahre bleiben könnten.
Die Initiatorin des Projekts "Königsbrunn - mein Garten", Sunyela Roider, die mit einer Gruppe von Ehrenamtlichen bis zu ihrem Rückzug aus gesundheitlichen Gründen die Pflege übernahm, ist von der Vorgehensweise der Stadt enttäuscht. "Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Mir wurde am frühen Dienstagabend ein Video zugeschickt, wo noch Gartler versucht hatten, Pflanzen zu retten, als die Bagger anrollten." Alles entgegen der letzten Vereinbarung, wo es hieß, solange sich kein Investor findet und das Grundstück nicht benötigt wird, bestehe keine Absicht, die Beete zu räumen, so Roider. Deswegen habe man bereits mit der Umweltstation einen Pflanzen-Verschenktag Anfang Mai organisiert.
Am vergangenen Donnerstag habe sie dann eine Nachricht aus dem Bürgermeisterbüro auf dem Anrufbeantworter gehabt, dass die Beete am Mittwoch geräumt würden. "Falls ich noch was retten will, sollte ich es schnell machen, hieß es." Daraufhin habe sie die Dritte Bürgermeisterin Ursula Jung (Grüne) gefragt, ob es keine Möglichkeit gebe, das Ganze zu verhindern. "Leider war aber nichts möglich. Sie hat selber noch Pflanzen gerettet für einen Pflanzenflohmarkt." Franz Feigl: "Wir haben es zwar kurzfristig kommuniziert, aber dafür auch Mitarbeiter der Gärtnerei zur Verfügung gestellt, um die noch verwertbaren Pflanzen auszugraben und umzutopfen." Daneben sei der wertvolle Humus auf die Seite gelagert worden, "sodass daraus wieder Beete an anderer Stelle hergestellt werden können".
Auf die Aussage des Bürgermeisters, der Standort am Europaplatz sei ohnehin derzeit mehr als unattraktiv, entgegnet die Projektgründerin: "Es ist nun mal keine Vegetationszeit. Zuletzt wuchsen noch Kräuter und Palmkohl, alles andere wäre jetzt dann aufgegangen." Nun ist der Kronengarten Geschichte. Zwei Frauen und drei Männer, darunter die frühere Stadträtin Petra Fischer, stellten zwei Grabkreuze auf, schrieben auf Schilder das Jahr 2017, in dem der Kronengarten am Europaplatz aufgebaut wurde, und das Jahr 2023, als er geräumt wurde. Gemeinsam mit anderen Organisationen wolle man ihn wieder aufbauen. Und zwar an gleicher Stelle: "Wir wollen weiterhin verhindern, dass die Fläche zu Parkplätzen wird", sagen die Klimaaktivisten.