Der Fluglärm, die Bilder aus der Ukraine und die angekündigte Aufrüstung der Bundeswehr: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Krieg im Osten und dem Flugverkehr auf dem Lechfeld?
Ein Sprecher der Luftwaffe teilt auf Nachfrage mit, dass derzeit kein besonderer Flugverkehr stattfindet. Gelegentlich gebe es allerdings Anflüge auf den Flugplatz auf dem Lechfeld. Doch die habe es auch schon vor dem Ukraine-Krieg gegeben.
Es sei auch keine Flugzeugstaffel auf das Lechfeld verlegt worden. Das war zuletzt im Spätsommer der Fall. Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 aus Neuburg an der Donau zog mit seinen Eurofightern aufs Lechfeld, weil an der Piste der Heimatbasis Sanierungen auf dem Plan standen. Während des Aufenthalts des Geschwaders wurde es auf dem Lechfeld lauter: Der Flugbetrieb stieg um die Hälfte. Zu Spitzenzeiten waren acht der 14 Maschinen unterwegs. Sie flogen in verschiedenen deutschen Übungslufträumen oder in Tschechien, Belgien und in der Schweiz. Gestartet und gelandet wurde in zweistündigen Zeitfenstern jeweils am Vormittag und am Nachmittag.
Anfang des Jahres hatten Eurofighter-Piloten das Tanken in der Luft über dem süddeutschen Übungsraum trainiert. Auch Abfangmanöver und das Nutzen von Nachtsichtgeräten stand auf dem Programm. Die Flüge fanden ein- bis zweimal in der Woche statt. Meist waren die Kampfjets ab 19 Uhr unterwegs. Um nächtlichen Lärm zu vermeiden, sollten die Übungen aber vor 22 Uhr beendet sein. Zum Teil wurde auch nachmittags geflogen. Bis Ende Februar waren deshalb immer wieder Eurofighter in der Region zu sehen.
Fluglärm über Großraum Augsburg: Eurofighter werden in der Luft betankt
Auch das Transportflugzeug A400M war bei den Übungen im Einsatz. Denn dieses dient als "fliegende Tankstelle": Auf einer festgelegten Strecke zog die Maschine immer dieselben Kreise - über Bad Wörishofen und Schwabmünchen ging es quer durch den Landkreis Günzburg bis auf die Schwäbische Alb nach Heidenheim und Geislingen und über Ulm und Neu-Ulm wieder zurück.
Jüngst befand sich ein Teil des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 in Rumänien. Etwas mehr als einen Monat waren die Männer und Frauen des Verbands mit sechs Eurofightern im Zuge der Nato-Mission „enhanced Air Policing South“ am Schwarzen Meer. Dort sicherten sie nahe der Stadt Konstanza am Schwarzen Meer gemeinsam mit den Italienern den Luftraum – unweit von der Grenze zur Ukraine.
Kritik aus der Staatskanzlei zu geplatzten Plänen auf dem Lechfeld
Zur Rückkehr der Eurofighter stattete Staatskanzleichef Florian Herrmann dem Geschwader einen Besuch ab. Dabei ging er auch auf das Lechfeld ein. Der Flugplatz sollte zur Transportdrehscheibe umgebaut und Militärtransportflugzeug Airbus A400M aus Wunstorf bei Hannover stationiert werden. Dass die Bundesregierung die Pläne jüngst wieder verworfen hat, sei irritierend, so Herrmann. „Dafür möge es wirtschaftliche Gründe geben, aber aus militärischer und sicherheitspolitischer Sicht ist das nicht sinnvoll, die Konzentration einer gesamten Transportflotte an einem Ort vorzunehmen.“ Eine solch einmal gemachte Zusage müsse auch eingehalten werden, sagte Herrmann.
Mehr zivile Flugzeuge über Bayern
Insgesamt hat der Krieg in der Ukraine zu mehr Flugverkehr über Bayern geführt. Denn die zivile Luftfahrt meidet Ukraine, Belarus und das westliche Russland. Die Folge: Deutlich mehr Flugzeuge nutzen die Luftstraße, die vom Raum Passau, den Bayerischen Wald, vorbei an Regensburg und Nürnberg, vorbei nach Frankfurt führt. Aktuelle Auskünfte gibt es beim Fluglärminformationszentrum der Bundeswehr unter der Telefonnummer 02203 /908-0.