Mit seinem neuen Buch gewährt Armin Strohmeyr, ein aus Königsbrunn stammender Autor, einen Blick hinter die Kulissen des Literaturbetriebs in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Jüngst las er Ausschnitte aus seinem Werk in der Königsbrunner Stadtbücherei. Der Königsbrunner Kulturpreisträger Strohmeyr hatte aus Tagebüchern und Briefen die lebenslange Freundschaft zwischen Thea Sternheim und Gottfried Benn rekonstruiert und in einem schmalen Band mit dem Titel „Wir Sonntagskinder“ spannend erzählt. „Beide waren an einem Sonntag geboren worden, worauf sie in Briefen häufig anspielten, daher der Titel“, so Strohmeyr.
Mit ihrem Erbe kaufte sie Villen
Über Gottfried Benn sagte Strohmeyr: „Er ist einer der großen Lyriker der Weltliteratur. Seine Gedichte stehen in Schulbüchern und vielen Anthologien.“ Benn traf Thea Sternheim und ihren Mann Carl 1917 in Brüssel. Carl war ein erfolgreicher Autor von Bühnenstücken und Erzählungen. Thea war reiche Erbin und lud häufig Künstler in die Villen ein, die von ihrem Erbe erst bei München, dann bei Brüssel, später am Bodensee gekauft worden waren. Auch sie schrieb viel, einen Roman sowie Tagebücher, die 2002 veröffentlicht wurden. Belgien war von den Deutschen besetzt worden.
Benn konnte charmant und unterhaltsam sein
Benn war hauptberuflich Arzt und diente in Brüssel als Militärarzt. Sternheims wohnten in einem Brüsseler Vorort. Beide schätzten die Gedichte Benns und luden ihn ein. Es stellte sich heraus, dass Benn zu Deutschland stand, während Sternheims den Krieg, die Besetzung Belgiens und den brutalen Umgang mit dem belgischen Widerstand verurteilten. Trotzdem wurde Benn wieder eingeladen, denn er konnte auch unterhaltsam und charmant sein, was vielen Frauen gefiel. Er, wie auch Carl Sternheim, hatten viele außereheliche Beziehungen. Nach dem Ersten Weltkrieg standen alle drei schweren Herausforderungen gegenüber. Während der Nazizeit, die Thea in Frankreich verbrachte, brach der Kontakt über Jahre ab, wurde aber 1949 wieder aufgenommen. Gottfried Benn starb 1956, Thea Sternheim 1971.
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