Denkt man heute an Mühlen mit einem kleinen beschaulichen Wasserrad, dann ist meist eine gehörige Portion Romantik mit im Spiel. Mit alten Volksliedern wie „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ und „Das Wandern ist des Müllers Lust“ träumt man sich in eine vergangene Zeit, als das Leben noch einfacher und naturverbundener war. Dass das mit der Lebensrealität der Menschen in früheren Zeiten wenig zu tun hat, wird oft erst durch näheres Hinsehen klar.
Der Erhalt der Mittleren Mühle erforderte viel Einsatz
Mit dem „Deutschen Mühlentag“ soll das Augenmerk auf die wenigen, noch erhaltenen historischen Mühlen gelenkt werden. Eine davon, die das große Mühlensterben in den 1970er Jahren überlebt haben, ist die Mittlere Mühle in Bobingen. Der Weitsicht des Heimatvereins „d´Hochsträßler“ und dem damaligen Stadtrat ist es letztlich zu verdanken, dass die rund 700 Jahre alte Mühle an der Singold erhalten werden konnte. Mit viel Herzblut, Eigenleistungen und Geld von der Stadt wurde aus der Mühle ein historisches Museum und gleichzeitig ein Veranstaltungsraum für Bobinger Bürgerinnen und Bürger. In den rustikalen Räumen finden offizielle Veranstaltungen statt, sie können aber auch für private Anlässe gemietet werden. Gleichzeitig blieben die technischen Anlagen der Mühle erhalten und können besichtigt werden.
Viele ehemalige Mühlen werden aufgrund der, den Bauwerken nachgesagten, speziellen Romantik als Restaurants erhalten, die mit dem „lauschigen Plätzchen am Mühlbach“ Gäste anlocken. Doch damit hatten die ursprünglichen Mühlen wenig bis nichts zu tun. Der Beruf des Müllers war zwar einträglich, aber sehr hart. Die schweren Getreidesäcke in die Mühle zu bringen und später die nicht weniger schweren Mehlsäcke wieder hinaus zu schleppen, war schwerste körperliche Arbeit. Dazu war die Wartung der Mühlentechnik, der Mühlsteine und langen Wellen nicht nur schwer, sie erforderte auch sehr viel technisches Wissen. Und gefährlich war es obendrein. Denn in einer Mühle wimmelte es von sich drehenden Rädern, laufenden Riemen und schweren Mahlwerken. Heftige Arbeitsunfälle waren nicht selten. Dazu gefährdete der ständig vorhandene Mehlstaub die Lungen der Müller und er konnte jederzeit durch einen Funken in einer Mehlstaubexplosion in Flammen aufgehen. So brannte es in der Bobinger Mühle innerhalb kurzer Zeit mehrere Male. Für ihre Mühen haben die Müllersfamilien oft wenig Dank bekommen.
Zwar waren die Mühlen ein zentraler sozialer Ort im Dorf, aber auch immer wieder Anlass für Streitigkeiten, die nicht selten vor Gericht endeten. Die Müller wurden stets beschuldigt, weniger Mehl an die Bauern zu übergeben, als diese eigentlich hätten bekommen sollen. Der Vorwurf: Die Müller würden während des Mahlvorgangs über geheime Wege Mehl abzweigen.
Sozialer Treffpunkt und Anlass vieler Streitigkeiten
Oftmals stritten auch die Besitzer der unterschiedlichen Mühlen an einem Ort untereinander. Denn eine Mühle, die mit Wasserkraft betrieben wird, ist vom Wasser abhängig. Und so kam es oftmals zu Streitereien, wenn ein Mühlenbesitzer der am oberen Fluss saß, zu viel Wasser staute und der untere Mühlenbetreiber dadurch zu wenig Wasser bekam. Und auch die Bauern, die ihr Getreide zum Mahlen brachten, gerieten immer wieder in Streit, wessen Getreide zuerst gemahlen werden sollte. Daher der alte Spruch; „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“
Getreide wird in der Mittleren Mühle in Bobingen schon lange nicht mehr gemahlen. Aber ein reines Museum ist sie auch nicht. Denn in einem kleinen Anbau ist ein Wasserkraftwerk in Betrieb. Seit mehr als einem Jahrhundert wird durch die Kraft der Singold, immerhin fließen im Bereich der Mühle pro Sekunde bis zu 2000 Liter Wasser , eine sogenannte „Francis-Turbine“ betrieben. Der erzeugte Strom reicht für rund 30 Haushalte. In letzter Zeit wurden einige alte Wasserbauwerke durch kleine Wasserkraftanlagen wieder einer Nutzung zugeführt.
Der Bobinger Förderverein nutzte den Mühlentag auch in diesem Jahr, um interessierten Besucherinnen und Besuchern die Mittlere Mühle ins Gedächtnis zu rufen. Bei herrlichem Wetter war der Biergarten gut besucht und die Besucher konnten frisch gebackenes Brot aus dem feurigen Holzbackofen genießen.
Wie bereits in den früheren Jahren sorgten die Mitglieder des Backteams wieder für besondere Köstlichkeiten aus dem Holzofen. Kaffee und Kuchen wurden vom Frauenbund beigesteuert. Zusätzlich gab es Führungen durch die Mühle und Vorträge zum Thema: Vom Korn zum Brot.
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