Elterntaxis werden zur Gefahr für Schüler
Parken nur noch auf dem Festplatz erlaubt
Der Hausmeister wird in Bobingen zum Schulweghelfer
7 Uhr morgens vor der Grund- und Realschule in Bobingen. Markus Weber und Wolfgang Feigl stehen in der Morgensonne. Die beiden Polizisten der Polizeiinspektion Bobingen achten im neuen Schuljahr auf einen sicheren Schulweg. An diesem Morgen haben sie aber zunächst nicht etwa Raser im Visier, sondern Eltern.
Hauptkommissar Wolfgang Feigl ist einer von insgesamt sieben Beamten, die in den ersten drei Wochen des neuen Schuljahres verstärkt vor den Schulen unterwegs sind - in Bobingen, Königsbrunn, Oberottmarshausen und Wehringen. „Zwischen 7 und 8 Uhr ist es den Eltern nicht erlaubt, hier reinzufahren“, sagt Feigl. Dann sei „Rush-Hour“. Der Parkplatz der Singoldhalle wurde noch im vergangenen Schuljahr genutzt, um Grund- und Realschüler direkt vor die Schule zu fahren. Ausgerechnet die Eltern waren mit ihren sogenannten Elterntaxis ein Sicherheitsrisiko für die Kinder. Die Fahrzeuge kreuzten den Gehweg, auf dem die Schüler laufen und versperrten dem Schulbus die Wendemöglichkeit.
Zusammen mit Eltern und der Schule wurde beschlossen, dass die Elterntaxis künftig am wenige Meter entfernten Festplatz parken sollen. Und wenn nicht: „Aktuell gibt es noch eine mündliche Verwarnung für die Eltern“, sagt Feigl. Ab der zweiten Schulwoche müssen die Autofahrer mit einem Bußgeld von 50 Euro rechnen.
Ein Mopedfahrer biegt Richtung Schule ab. Ein Schüler, der von der Verbotszone nichts weiß, bis Feigl ihn aufklärt. Statt direkt umzudrehen, dreht er zum Wenden eine zügige Schleife vor der Schule und wird gleich noch einmal von Feigl gestoppt. Wenn er schon reinfahre, dann bitte in angepasster Geschwindigkeit, erklärt ihm der Polizist.
Kollege Markus Weber hält kurz darauf eine Mutter mit Sohn im schwarzen Caddy an. Von dem Parkverbot habe sie noch nichts gewusst, verstehe aber, dass es eingerichtet wurde. „Darf ich ihn jetzt trotzdem hier rauslassen?“, fragt sie den Polizisten. Am Tag zuvor haben Feigl und Weber rund 30 Eltern des Singoldparkplatzes verwiesen. Heute sind es schon weniger. „In der Regel funktioniert es zwei Monate und schleicht sich dann wieder ein“, sagt Feigl.
Im März 2021 hatte es direkt vor der Schule an der Singold einen Schulwegunfall gegeben. Ein Autofahrer hatte am Morgen wegen der tief stehenden und sich auf dem Asphalt spiegelnden Sonne das Rotlicht der Fußgängerampel und ein querendes siebenjähriges Kind übersehen. Es musste mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus. „Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Unfälle mit Kindern sind auch für uns Beamte immer die schwierigsten“, sagt Feigl, der selbst Vater von drei Kindern ist.
Kurz vor 8 Uhr rollt ein Lastwagen heran. Ein Vater bringt seinen Sohn zur Schule und wird von Weber angehalten. „Der Bus hat meinen Sohn heute einfach stehen lassen. Wir sind spät dran“, sagt der Vater zur Begründung, warum er trotz Verbots hier parken will. Man könne ihm trotzdem zumuten, seinen Sohn zehn Meter weiter abzuliefern, sagt Feigl.
An diesem Morgen wärmt die Herbstsonne noch mit ihren Strahlen. Die Dunkelheit im Winter mache es für Schüler noch unübersichtlicher, den Verkehr richtig einzuschätzen, sagt Feigl. „Kinder können schlecht abschätzen, wie weit ein Auto noch weg ist und wie schnell es näher kommt.“ Nach einem ganzen Tag in der Schule könnten viele Kinder nicht stillstehen und werden gerade im Pulk beim Warten auf den Bus unberechenbar für viele Autofahrer. Da sei sogar Tempo 30 zu schnell. Deshalb kontrollieren die Beamten an diesem Tag auch die Einhaltung der Geschwindigkeit vor der Grundschule in Straßberg.
Um 11 Uhr ist Schulschluss. Die Grundschüler strömen aus der Schule und werden von Hausmeister Davorin Javernik abgefangen. An diesem Mittag schlüpft er in neongelber Warnweste und mit roter Kelle in der Hand in die Rolle des Schulweghelfers. Sehen und gesehen werden sei das Motto in diesen ersten Tagen des Schuljahres. Rund 100 Kinder der ersten bis zu vierten Klasse haben gleichzeitig Schluss. Für einige geht es mit dem Bus weiter nach Reinhartshausen, Kreuzanger oder Waldberg. Für Franzi ist es erst der zweite Tag im Bus. Die Erstklässlerin wartet geduldig hinter dem Pfosten, so wie es Hausmeister Javernik den Kindern zeigt. „Busfahren ist cool“, findet die Erstklässlerin.
„Die Autofahrer fahren von den Stauden kommend viel zu schnell“, sagt Javernik, während er ein Kind über die Straße bringt. Eine Hand führt das Mädchen am Schulranzen, mit der anderen schwenkt er die Kelle in Richtung Fahrbahn. Vor dem Fußgängerüberweg stauen sich die Autos. Ein schwarzer Corsa biegt ab auf die Bushaltestelle. Wolfgang Feigl hat ihn rausgewunken. Er hat den Fahrer mit seinem Laser erwischt.
„Wir halten Sie an, weil Sie in der 30er-Zone zügig unterwegs waren“, sagt Markus Weber und beugt sich zum Autofenster. Mutter und Sohn sitzen im Auto. 43 Stundenkilometer hat der Laser gemessen. 30 Euro Bußgeld sind das. „Richtig unnötig. Aber klar ist das wichtig, gerade vor der Schule“, sagt der junge Fahrer.
Die beiden Polizisten Wolfgang Feigl und Markus Weber werden an diesem Tag noch einen weiteren Fahrer anhalten. Bis Oktober sind sie noch entlang der Schulwege unterwegs. „Jeder muss im Straßenverkehr auf sich achten. Kinder können das oft nicht, also müssen Erwachsene das übernehmen“, sagt Feigl.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren