Die Hoffnung war groß. Auf einen positiven Schub durch den erfolgreichen Auftakt. Am Sonntag hatte das deutsche Biathlonteam beim Olympiaauftakt mit Bronze in der Mixed-Staffel überrascht. Ein starker Start kann Schwung geben. Was aber in den nächsten Tagen folgte, wurde von Wettkampf zu Wettkampf enttäuschender. In den beiden Einzelrennen war der Abstand zum Podium noch überschaubar. Am Freitag aber folgte ein Tiefschlag.
Der Männersprint über zehn Kilometer schien wie für Philipp Nawrath gemacht. In dieser Saison stand der Allgäuer in dieser Disziplin schon einmal auf dem Podium. Zum Topfavoriten machte ihn das freilich nicht. Eine Medaille aber schien möglich. Was aber folgte, überraschte auch ihn.
Nawrath feierte am Freitag seinen 33. Geburtstag. Eigentlich der genau richtige Moment, um olympische Geschichte zu schreiben. Mit seiner ersten Einzelmedaille. Mit Startnummer 52 startete Nawrath um 14.26 Uhr auf die Zehn-Kilometer-Strecke mit den zwei Schießen. Die Sonne schien, die Tribüne war gut gefüllt, die Stimmung prächtig.
Keine guten Aussichten für die Verfolgung am Sonntag
Doch schon beim ersten Schießen war alles vorbei. Zwei Fehler liegend, damit war klar, dass es nichts aus dem Traum einer Medaille werden würde. Am Ende kam der Allgäuer auf Platz 26 ins Ziel. Bester Deutscher war Philipp Horn auf Rang zehn. Die Goldmedaille holte der Franzose Quentin Fillon Maillet vor den beiden Norwegern Vetle Sjaastad Christiansen und Sturla Holm Laegreid, der trotz des Trubels um seine Fremdgehbeichte erneut eine Medaille holte.
Nawrath war enttäuscht. Weil in den ersten Olympiatagen nichts darauf hingedeutet hatte, dass er am Schießstand schwächeln könnte. „Philipp hat bisher fantastisch geschossen, dann sei ihm das verziehen. Dass es an seinem Geburtstag ist, ist aber doppelt bitter“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Aufstellung des Verfolgers aus dem Ergebnis des Sprints ergibt. Keine guten Aussichten für die deutschen Männer also. Es war ein ernüchternder Freitag.
Nur David Zobel kam ohne Schießfehler durch, am Ende hatte er trotzdem 1:41,8 Minuten Rückstand. Das bedeutete Rang 19. Zobel erklärte, dass er Rückenschmerzen hatte, woraus die schwache Laufleistung resultierte. Aber auch seine Kollegen kamen in der Loipe nicht wirklich schnell voran. Ein Materialproblem im deutschen Team?
Philipp Horn widersprach. „Natürlich ist es kein schönes Gefühl, so weit weg zu sein. Das Material war aber alles andere als schlecht“, sagte der Zehntplatzierte. In den ersten beiden Runden habe er sogar ein sehr gutes Gefühl auf seinen Skiern gehabt. Dass sie danach abbauen, sei bei diesen Bedingungen normal. Vor allem die Franzosen aber zeigen, wie wichtig gutes Material ist. Sie scheinen den Dreiklang aus Struktur des Skis, individuellen Schliffs und Wachs am besten verstanden zu haben. Zumindest haben sie richtig schnelle Skier.
Für Nawrath stand ein Schokokuchen bereit
Vorwürfe über schlechtes Material gab es im deutschen Team nicht. Wäre auch nicht zielführend, inmitten der Olympischen Spiele mit übertriebener Kritik die Stimmung im Team zu gefährden. So sagte auch Sportdirektor Bitterling: „Ich habe mit den Jungs gesprochen, da hat keiner über die Ski gejammert.“ Er fügte aber auch an: „Horn und Nawrath waren läuferisch okay, aber nicht gut genug, um ganz vorne mitzuhalten.“
Die Folge war ein enttäuschendes Gesamtergebnis. „Heute war der erste Tag, an dem wir nicht in Schlagdistanz waren, was das Podium betrifft“, sagte Bitterling. Antholz hatte mit seinen Besonderheiten mal wieder für eine Selektion gesorgt. Für große Abstände. Wegen der Höhe auf 1600 Meter. „Man muss sich hier das Rennen besser einteilen“, sagte Horn. Und: „Die Frage ist immer, wann kommt der Mann mit dem Hammer. Wenn es auf den letzten 300 Metern ist, hat man sich das Rennen gut eingeteilt. Bei mir kam er nach der Hälfte der letzten Runde.“ Also deutlich zu früh, um schnell zu Ende zu laufen.
So blieben viele Fragen. Auch bei Nawrath. Seinen Geburtstag wollte er nach der Rückkehr ins Teamquartier trotzdem feiern. „Es wäre vermessen gewesen, zu sagen, dass es nur bei einer Medaille eine Party gibt“, sagte der 33-Jährige. Ein Schokokuchen stand für ihn nach der Ankunft im Quartier bereit. Kurz angestoßen wurde zudem. Allerdings war auch Enttäuschung spürbar. „Ich habe mir das natürlich anders vorgestellt. Mit drei war heute eher das Podest gemeint und nicht das Schießergebnis. Das war heute ein gebrauchtes Rennen“, sagte er. Seinen Humor hatte er nicht verloren. Zumal er wohl noch drei Rennen vor sich hat. Begonnen mit der Verfolgung am Sonntag.
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