Plötzlich hakte es. Bis dahin hatte die deutsche Biathlon-Mixed-Staffel präzise geschossen. Keine Patrone ging daneben. Justus Strelow schoss fehlerfrei, Philipp Nawrath und Vanessa Voigt ebenso. Auch bei Franziska Preuß ging es gut los. Im Liegen traf sie präzise, in der Loipe lief sie stark. Beim Stehendschießen aber begann das Drama.
Die Norwegerin Maren Kirkeeide stand neben der deutschen Schlussläuferin. Es war ein enges Duell. Frankreich und Italien hatten sich abgesetzt, sie zogen davon. Zwischen Norwegen und Deutschland sollte sich entscheiden, wer sich die letzte Medaille im ersten Biathlon-Wettbewerb der Olympischen Spiele sichert. Es wurde zur Nervenschlacht.
Kirkeeide traf plötzlich nicht mehr, auch Preuß begann zu zittern. Beide mussten Patronen nachladen, aber auch das reichte nicht. Schuss nach Schuss ging daneben. Für Preuß bedeutete das eine Strafrunde. Kirkeeide aber traf noch schlechter, sie musste zwei Extrarunden drehen. Damit war die Entscheidung gefallen. Die deutsche Biathlon-Mannschaft startete mit Rang drei in die Wettkämpfe. Frankreich holte sich Gold, Italien Silber.
Preuß‘ Schießen war nicht das Gelbe vom Ei
Die deutschen Hoffnungen auf eine Podestplatzierung waren schon vor dem Start voranden. Wenngleich Schweden oder Norwegen an diesem ersten Wettkampftag in Antholz bessere Chancen eingeräumt worden waren. Die deutsche Mannschaft aber überzeugte und holte sich gegen starke Konkurrenz ein Erfolgserlebnis. „Da fällt gleich was vom Team ab“, sagte Preuß, die sich bei ihren drei Vorläufern bedankte: „Die drei haben einen grandiosen Job gemacht. Mein Stehendschießen war nicht das Gelbe vom Ei.“
19.000 Fans waren am Sonntag in die Arena und an die Strecke gekommen. Nach nebligen Tagen hatte sich auch die Sonne bei vier Grad plus am Himmel gezeigt. Gute Bedingungen also auf einer herausfordernden Strecke. Antholz kann selektiv sein. Wegen der Höhe auf 1600 Metern. Aber auch wegen der Anstiege und Abfahrten.
Die Aufregung in der deutschen Mannschaft war groß. Vanessa Voigt hatte damit zu kämpfen, sie klagte über Übelkeit. Auch Justus Strelow war von Nervosität geplagt. „Der ganze Tag war nicht so angenehm. Das Frühstück ging kaum runter, auch das Mittagessen nicht“, sagte er. Seine Leistung aber war beeindruckend. Am Schießstand, aber auch in der Loipe.
Die Renneinteilung ist die große Herausforderung
Auf Position vier übergab er an Philipp Nawrath. Der Allgäuer hatte gehofft, in der Staffel antreten zu dürfen. Er hatte damit spekuliert, bei möglichst vielen Wettbewerben antreten zu können. Die Hoffnung erfüllte sich. Und Nawrath zeigte, dass das Vertrauen in ihn gerechtfertigt war. Auch er schoss fehlerfrei und lief schnell in der Loipe. „Die große Herausforderung ist die Renneinteilung auf der Strecke“, sagte Nawrath hinterher. Brutal habe es reingeknallt auf den 1600 Metern in Antholz. „Auch ich hatte in der letzten Runde zu kämpfen“, sagte der 32-Jährige.
Nawrath aber hielt die deutsche Mannschaft in der Spitzengruppe, 5,4 Sekunden lag er hinter Norwegen, als er Voigt auf die Reise schickte. Das deutsche Quartett blieb stets in Reichweite einer Medaille. Das hatte überrascht, auch Schlussläuferin Franziska Preuß. Sie gab hinterher zu, nicht zwingend mit dem Gewinn einer Medaille gerechnet zu haben.
Durch die Vorarbeit ihrer Kolleginnen und Kollegen aber wurde sie real. Auch wenn Preuß beim letzten Schießen mit „einer Nähmaschine“ zu kämpfen hatte, wie sie es nannte. Der Körper also zitterte unkontrolliert. Das hilft beim genauen Zielen nicht zwingend. Preuß merkte das deutlich, erwies sich dennoch als zielsicherer als ihre norwegische Rivalin. Das bedeutete Bronze für die deutsche Staffel und damit einen starken Einstieg in die olympischen Wettkämpfe.
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