Plötzlich war der Zieleinlauf voll. Von Fans, die mit Kronen und Plakaten warteten. Der letzte Biathlon-Wettbewerb am Samstag bei den Olympischen Spielen war ein besonderer. Es ging nicht nur um Gold, Silber und Bronze. Mit Dorothea Wierer und Franziska Preuß beendeten auch zwei Athletinnen ihre Karriere. Zwei besondere Sportlerinnen.
Die Italienerin Wierer hatte den Massenstart auf Rang fünf beendet. Bis auch Preuß über die Ziellinie fuhr, dauerte es. Auf Rang 28 kam die Deutsche schließlich mit großem Rückstand an. Sie hatte in Antholz von ihrer ersten olympischen Einzelmedaille geträumt. Letztlich verließ sie Südtirol ohne. Eine Enttäuschung?
Preuß hatte schnell ihren Frieden gemacht. „Es hat alles jetzt genauso gepasst“, sagte die 31-Jährige. Sie wurde gefeiert. Erstmals als sie nach einer von sieben Strafrunden wieder auf die Strecke zurückkehrte. Sie winkte den Fans auf der imposanten Tribüne zu. Auch auf der Zielgeraden genoss sie den Moment. Sie fuhr langsam an den Zuschauern vorbei. Winkte, ließ sich feiern. Drei große Plakate wurden gespannt: „Danke, gracie, thank you“, stand darauf. Danke für eine erfolgreiche Zeit.
Ihre Teamkollegen setzten Preuß eine Krone auf
Wenige Meter hinter der Ziellinie warteten Eltern, Weggefährten und Freunde. Sowie die Teamkollegen. Sie hatten Kronen dabei, eine setzten sie Preuß auf, ihrer Biathlon-Königin. Dass sie ihre Karriere nach dieser Saison beenden würde, hatte Preuß vor Olympia angekündigt. Am Freitag bestätigte sie, dass nach Olympia Schluss ist. Die weiteren Weltcup-Rennen wird sie nicht mehr bestreiten. Es reicht.
Philipp Nawrath sprang mit einer Sektflasche durch den Zielbereich. Der Allgäuer verspritzte im dichten Schneetreiben das Getränk, keine leichte Aufgabe. Es waren besondere Momente voller Emotionen. „Mir geht es gut. Ich bin froh, dass das Kapitel geschafft ist“, sagte Preuß nach dem Rennen. Sie hatte von Kamera zu Kamera, von Aufnahmegerät zu Aufnahmegerät marschieren müssen. Bis alle Gespräche erledigt waren, dauerte es mehr als eine Stunde.
Diese öffentliche Aufmerksamkeit wird sie nicht vermissen. Ebenso nicht, ständig aufpassen zu müssen, nicht krank zu werden. Endlich wieder normal Weihnachten feiern zu können. „Die ganze Familie freut sich, dass man Weihnachten wieder drin feiern kann und nicht draußen“, sagte sie. Sie hatte für ihre erfolgreiche Karriere viele Entbehrungen hinnehmen müssen. „Das war Teil des Jobs“, sagte sie am Samstag. Jetzt beginnt eine neue Lebensphase.
Was sie machen möchte, weiß sie noch nicht. „Ich habe noch keine Pläne gemacht. Jetzt ist eine coole Zeit, verschiedenes auszuprobieren“, sagte sie. Diese Gelegenheit will sie nutzen. Sie hatte schon seit geraumer Zeit gespürt, dass das unbedingte Feuer für Biathlon in ihr nicht mehr brenne. „Ich merke schon länger, dass die vollkommene Überzeugung nicht mehr da ist“, sagte sie. Für Olympia hatte sie sich noch einmal motivieren können. Aber: „Biathlon verdient mehr, da muss man zu 100 Prozent diese Passion fühlen. Wenn das nicht mehr so ist, muss man konsequent entscheiden.“ Das tat die 31-Jährige.
Vanessa Voigt verfehlt ihren letzten Schuss
Olympia in Antholz verließ sie mit einer Bronzemedaille im Mixed-Team. Immerhin. In den Einzelwettbewerben und mit der Staffel ging vieles schief. Weil Preuß am Schießstand patzte. Am Samstag misslangen ihr sieben Schüsse, was zu sieben Strafrunden führte. An der Spitze setzte Oceane Michelon die französischen Biathlon-Festspiele fort und gewann Gold vor Teamkollegin Julia Simon und der Tschechin Tereza Vobornikova.
Beste deutsche Biathletin war Vanessa Voigt auf Rang sieben. Sie verfehlte ihren letzten Schuss, sonst wäre Bronze möglich gewesen. So aber setzte sich die Pleitenserie fort. „Ich will nicht über Pech reden. Das muss man knallhart analysieren, die anderen waren letztlich besser. Das stinkt uns“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling.
Franziska Preuß hatte in ihrer Karriere immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen. In der vergangenen Saison hatte sie den Gesamtweltcup gewonnen, in diesem Winter bremsten sie Verletzungen und Krankheiten. Bis zu Olympia kam sie nicht in die richtige Form. „Es war eine tolle Karriere. Es tut mir leid, dass es hier nicht mit dem Happy End geklappt hat“, sagte Bitterling. Mega professionell sei Preuß immer gewesen, ein Vorbild für den Nachwuchs. Der muss sich jetzt ohne sie zurechtfinden.
Was sie vermissen werde? Ihre Teamkollegen und die vielen Freundschaften im Biathlon. „Und das Gefühl, eine schwierige Situation gemeistert zu haben“, sagte Preuß. Und den Moment, über die Ziellinie zu fahren. Egal ob nach einem guten oder schlechten Rennen. Das sei immer etwas Besonderes gewesen. Wie am Samstag, als viele Freunde auf sie warteten.
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